Buchhalterin in Essen wegen Millionenbetrugs verurteilt
Bildquelle: Picture-Alliance / McPHOTOs27 Sek.. Verfügbar bis 02.02.2028.
Die 58-Jährige war Leiterin des Rechnungswesens in einem Essener Unternehmen. Eine Position, die ihr die Möglichkeit gab, das interne Buchungssystem zu manipulieren und Kontrollen zu umgehen. So konnte sie Überweisungen vornehmen, ohne dass ein anderer Mitarbeiter das prüfen musste.
Firmengeld aufs eigene Konto geschickt
Und das nutzte sie aus. Im Januar 2024 ging es los, mit einer Überweisung von einigen tausend Euro aufs eigene Konto. Insgesamt 19 Mal schickte sich die Frau von da an selber Geld. Die Summen wurden immer höher.
Sie habe das Geld gebraucht, um ihrem erwachsenen Sohn finanziell unter die Arme zu greifen, sagte sie in ihrem Geständnis vor Gericht. Er habe gebettelt: "Ich muss das und das bezahlen, Mama kannst du mir helfen - und ich habe ihn aus falsch verstandener Mutterliebe weiter unterstützt."
Ein Haus am Starnberger See
Der Großteil der Betrugssumme, mehr als 800.000 Euro, kam allerdings nicht dem Sohn zugute. Er floss in ein ganz anderes Projekt: Den Kauf eines Hauses im Örtchen Bernried am Starnberger See. Sie und ihr Mann hätten die Region und die Lebensart dort kennen und schätzen gelernt, erzählte die Angeklagte beim Prozessauftakt. Deshalb hätten sie dorthin umziehen wollen.
Das Ehepaar fand ein passendes Objekt, der Kaufvertrag in Bayern wurde unterschrieben, es fehlte bloß das nötige Geld. Im Juli 2025 überwies sich die Frau deshalb in drei Raten kurzerhand 833.000 Euro aus der Firmenkasse und bezahlte damit und mit einem zusätzlichen Kredit das neue Heim am See.
Weiterhin auf freiem Fuß
Doch die sechsstelligen Überweisungen blieben nicht unbemerkt. Die Bank schöpfte Verdacht, der Betrug flog auf, und die Ermittlungen kamen ins Rollen. Das hinderte die Frau aber nicht daran, mit Mann und Sohn ihr neues Haus am See zu beziehen. Und dort wohnt die Familie, trotz des Prozesses, nach wie vor.
Denn auch nach der Verurteilung zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft ist die Frau weiterhin auf freiem Fuß. Irgendwann muss sie ihre Haftstrafe antreten, und natürlich muss die 58-Jährige auch das Haus verkaufen, um die Betrugssumme zurückzahlen zu können. Getan hat sie das aber bisher nicht.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Landgericht Essen
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 02.02.2026, 16:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 02.02.2026, 18:08 Uhr