Drei Stunden Busfahrt zur Berufsschule
Bildquelle: WDR / Frank StrohdiekWDR. 2 Min. 38 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2028.
Ausbildung mit Hürde : Stundenlange Busfahrt zur Schule - Azubi verzweifelt
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Kanchan Singhak Limbu ist für ihre Ausbildung zur Köchin aus Nepal nach Südwestfalen gekommen. Bisher ging sie auf die Berufsschule in Siegen, jetzt soll sie nach Bad Berleburg. Ohne Führerschein ist das eine Katastrophe.
Wenn sich andere noch mal im warmen Bett rumdrehen, soll Kanchan Singhak Limbu schon im Bus sitzen. Nicht weil sie Frühschicht hat, sondern wegen der Berufsschule. "Ich hatte sonst immer eine Fahrzeit von einer Stunde nach Siegen", sagt die 21-Jährige, die für ihre Ausbildung zur Köchin extra von Nepal nach Wenden gekommen ist.
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Bildquelle: WDR / Frank StrodiekZum Schuljahreswechsel wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Unterricht im Schuljahr 2026/2027 in Bad Berleburg stattfindet. Das bedeutet eine Fahrzeit von etwa drei Stunden, plus Fußmarsch. Pro Strecke. Und selbst wenn sie den ersten Bus um 4:40 Uhr nimmt, kommt sie zu spät zum Unterricht.
Die Bezirksregierung in Arnsberg begründet diesen Schritt damit, dass die Schulklassen in Siegen und in Bad Berleburg jeweils zu klein gewesen seien. Deshalb habe man sie zusammenlegen müssen.
Schulverweigerung auf Anweisung des Chefs
Christoph Butzkamm ist nicht nur Chef im Landgasthof Scherer in Wenden-Schönau, sondern auch der Ausbilder von Kanchan Singhak Limbu. Seitdem er weiß, dass seine Azubi zweimal die Woche sieben Stunden mit dem Bus fahren soll, ist er sprichwörtlich auf dem Baum.
"Das geht so nicht. Das kann ich meinen Auszubildenden nicht zumuten. Sie wird am ersten Schultag nicht nach Bad Berleburg fahren." Christoph Butzkamm, Landgasthof Scherer
Auf Dauer ist das aber keine Lösung. Regelmäßiger Schulbesuch ist Voraussetzung, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Deshalb muss Kanchan Singhak Limbu, genau wie mehrere andere Azubis, sich wohl demnächst auf den beschwerlichen Weg machen.
Dehoga spricht von Zumutung für Azubis
Auch beim Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) ist man sauer auf die Entscheidung der Bezirksregierung. Lars Martin, der Geschäftsführer für Westfalen, findet es empörend, dass diese Entscheidung erst zu Beginn der Sommerferien bekanntgegeben wurde.
Mit dem ÖPNV nach Bad Berleburg zu kommen, sei für die wenigsten Auszubildenden in der Region machbar. Bei ihm haben sich demnach schon mehrere Betriebe gemeldet, deren Azubis vor ähnlichen Problemen stehen wie Kanchan Singhak Limbu.
"Einige Azubis planen auf andere Berufsschulen zu gehen. Etwa nach Meschede oder nach Hagen. Aber das ist nicht für alle machbar." Lars Martin, Dehoga Westfalen
Dass Kanchan Singhak Limbu mit dem Auto zur Berufsschule fährt, ist ausgeschlossen. Die junge Frau könnte es nicht finanzieren, außerdem hat sie keinen Führerschein. Für ihren Chef wäre Blockunterricht eine Alternative. "In der Nebensaison wäre dass für Betriebe gut machbar, eine Unterbringung vor Ort ließe sie bestimmt organisieren", ist sich der Gastronom sicher.
Unsere Quellen:
- Kanchan Singhak Limbu, Auszubildende
- Christoph Butzkamm, Landgasthof Scherer
- Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Westfalen
- Bezirksregierung Arnsberg
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 01.09.2026, 19:30 Uhr
