Die Zufriedenheit der Auszubildenden ist aktuell auf einem Tiefstand.
Bildquelle: Michael Bihlmayer / picture alliance / CHROMORANGEDGB-Ausbildungsreport : Jeder zweite Azubi unter Druck
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Eine Ausbildung soll der sichere Start ins Berufsleben sein. Der neue DGB-Ausbildungsreport zeigt aber: Für viele wird daraus eine Belastungsprobe. Und in NRW gibt es so wenig Ausbildungsplätze wie noch nie zu dieser Zeit. Woran liegt das?
Die befragten Auszubildenden sind mäßig begeistert: Nur 65,7 Prozent sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden, fast sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr - der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2008.
Jeder zweite Azubi fühlt sich psychisch belastet, vor allem durch Zeitdruck, Personalmangel im Betrieb oder Verantwortung, der er sich noch nicht gewachsen fühlt. Über 40 Prozent der Betroffenen haben niemanden, mit dem sie darüber sprechen können.
"Mentale Gesundheit hängt eng damit zusammen, wie Ausbildung im Alltag gestaltet ist." Nina Krüger, DGB-Bundesjugendsekretärin
Sind Ausbilderinnen und Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich nur 8,5 Prozent der Azubis stark belastet. Fehlt diese Betreuung, steigt der Anteil auf 36 Prozent.
Überstunden und Fremdarbeiten auf Höchststand
Bereits aus den Vorjahren bekannte Probleme verschärfen sich weiter. 16,3 Prozent der Azubis übernehmen "immer" oder "häufig" Aufgaben, die nichts mit ihrem Beruf zu tun haben, ein neuer Höchstwert. Krüger schilderte den Fall einer Friseur-Auszubildenden, die wochenlang als Urlaubsvertretung putzen musste, samstags zusätzlich bis 20 Uhr. "Auszubildende sind keine Lückenfüller für Personalmangel. Sie sind im Betrieb, um einen Beruf zu erlernen", stellt Krüger klar. Solche Tätigkeiten sind nach Paragraph 14 des Berufsbildungsgesetzes verboten.
Auch bei den Arbeitszeiten zieht die Belastung an: 35,4 Prozent leisten regelmäßig Überstunden, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Beim Geld bleibt es eng, 65,3 Prozent können von ihrem Ausbildungsgehalt nicht selbstständig leben. Der DGB fordert deshalb mindestens 894 Euro Lohn im ersten Lehrjahr.
NRW: Historischer Tiefstand beim Ausbildungsangebot
In Nordrhein-Westfalen ist die schwache Konjunktur besonders zu spüren. Bis Ende Juli meldeten Betriebe der Bundesagentur für Arbeit rund 89.700 Ausbildungsstellen, 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr. "Ein historischer Tiefstand, an dem die Wirtschaftskrise erheblichen Anteil hat", sagt Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.
Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber blieb dagegen stabil. Einen Monat vor Ausbildungsstart waren noch 34.227 Stellen unbesetzt, während 34.892 Jugendliche als unversorgt galten, fast sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders viele offene Plätze gibt es im Handel und in der Industrie, aber auch im Gesundheitswesen.
Große Unterschiede zwischen den Branchen
Am zufriedensten sind wieder angehende Industriemechanikerinnen und Mechatroniker, mit strukturierten Ausbildungsplänen und guter Bezahlung. Deutlich schlechter schneiden Hotelfachleute ab, von denen nur 53,6 Prozent zufrieden sind, ebenso Friseure und Köche. Sie klagen häufig über lange Arbeitszeiten und wenig Geld. Bundesweit wird, so der DGB, aus diesen Gründen fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst.
Unsicherheit bei der Übernahme
Auch nach der Lehre bleibt vieles offen. Mehr als 50 Prozent der Azubis wussten zum Befragungszeitpunkt nicht, ob sie übernommen werden, nur gut ein Drittel hatte eine Zusage. "Mehr als 30 Prozent der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wissen kurz vor dem Abschluss immer noch nicht, ob sie übernommen werden. Und knapp 15 Prozent wissen sogar bereits, dass sie nicht übernommen werden", sagt Krüger. Wer eine sichere Zusage hat, ist zufriedener mit der gesamten Ausbildung.
Was der DGB fordert – und wie die Wirtschaft reagiert
Nur noch 18,8 Prozent der Betriebe in Deutschland bilden überhaupt aus.
"Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden." Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende
Der DGB fordert bundesweit eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie nach dem Vorbild von Bremen, dem inzwischen auch Berlin gefolgt ist. Dazu kommen eine höhere Mindestvergütung, mehr Azubi-Wohnheime und die unbefristete Übernahme aller Azubis nach dem Abschluss.
Arbeitgeber sehen Probleme
Die Arbeitgeberseite sieht die mentalen Belastungen auch: DIHK-Bildungsexperte Nico Schönefeldt hält es für richtig, dass mentale Gesundheit jetzt im Fokus steht, mahnt aber, das könnten die Betriebe nicht allein stemmen. Zwei Drittel Zufriedenheit wertet er zugleich als Beleg, dass die duale Ausbildung für die Mehrheit weiterhin ein Erfolg bleibe.
Für den Report hat die DGB-Jugend bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Azubis aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz DGB
- Statement Nico Schönefeldt, DIHK-Bildungsexperte
- DGB-Ausbildungsreport 2026
Sendung: WDR5, Das Wirtschaftsmagazin, 20.08.2026, 13:35 Uhr