Eigentlich hatten die drei Frauen und fünf Kinder einen deutschen Pass, als sie 2020 nach Siegen kamen. Im März 2021 mussten sie ihre Papiere dann aber plötzlich abgeben. Als "unerlaubt eingereiste Ausländer" sollten sie in einer Landeserstaufnahme-Einrichtung in Karlsruhe unterkommen.
Duldungsstatus für Siegener Familie aus Togo
Laut der Anwaltskanzlei, die die Familie vertritt, sei es der öffentliche Druck gewesen, der die Politik nun zum Handeln gebracht habe. Mehr als fünf Jahre nach Bekanntwerden des Falls gibt es eine Entscheidung: Die gesamte Familie bekommt nun den Duldungsstatus, bestätigen die Anwälte sowie die Stadt Siegen.
Frauen sollen Arbeitserlaubnis bekommen
Bislang hatte nur der Familienvater eine Arbeitserlaubnis. Er ist angeheiratet und kam deshalb als Togolese ohne deutschen Pass nach Siegen. Seitdem ist er geduldet. Nun sollen auch die drei Frauen eine Arbeitserlaubnis bekommen.
Teko Folly-Ady und seine Frau Ami Tido Liebl
Bildquelle: WDRBizarrer Fall mit Wurzeln im deutschen Kaiserreich
Nachdem die Familie mit deutschen Reisepässen aus Togo nach Siegen gekommen war, musste sie alle Papiere wieder abgeben. Sie bekam stattdessen ein Papier von der Ausländerbehörde der Stadt Siegen. Dabei handelte es sich um eine "vorläufige Bescheinigung über die Meldung als unerlaubt eingereister Ausländer".
Der Grund: Die deutsche Staatsbürgerschaft der Familie geht auf eine 1908 in der deutschen Kolonie Togo geschlossene Ehe zurück. Der Urgroßvater der drei Schwestern heiratete da eine Togolesin. Allerdings sei die Ehe damals nur nach "Stammsitte" geschlossen worden, so das NRW-Oberverwaltungsgericht.
Diese Eheschließung sei nach aktuellem Recht nicht gültig. Die deutsche Staatsbürgerschaft könne nicht über Generationen weitergegeben werden. Deshalb wurde sie der Familie entzogen.
Kritik trotz Duldung
Nun soll die Familie in Deutschland geduldet werden. Dieser Status sei aber noch kein Aufenthaltstitel, stellte die Kanzlei klar.
"Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Ziel ist ein dauerhafter Status in Deutschland und gegebenenfalls die spätere Einbürgerung." Klaus Stanek, Anwaltskanzlei Nierenz
Die Stadt Siegen bezeichnet die Duldung als wichtigen Schritt für die Bleibeperspektive der Familie. Besonders wichtig sei die schulische und persönliche Entwicklung der Kinder, welche durch eine Verlegung in eine Unterkunft in Karlsruhe massiv gefährdet würde.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 26.06.2026, 14:30 Uhr