Fynn Stelzer zurück in seinem Heimatort Helberhausen
Bildquelle: Ulf Priester / WDRVier Jahre, drei Monate, zwei Wochen und einen Tag war Fynn Stenzel auf der Walz. Er durfte kein Handy besitzen und sich seinem Heimatort nur bis auf 50 Kilometer nähern. Jetzt kehrt nach Hause zurück.
Jahrhunderte alte Traditon der Walz
Und dabei ist Fynn Stenzel nicht allein. Es begleiten ihn über zwanzig aktive und ehemalige Wandergesellen der "Rechtschaffenen Fremden". Eine Jahrhunderte alte Zunft mit festen Bräuchen und Riten. Dass ihn seine Kameraden bei der Heimkehr begleiten, ist einer davon.
Die anderen Wanderegesellen begleiten Fynn Stenzel bei der Heimkehr
Bildquelle: WDR / Ulf PriesterDass Handwerker nach ihrer Gesellenprüfung ausziehen, um in verschiedenen Betrieben zu arbeiten und neue Arbeitspraktiken zu lernen, ist inzwischen selten geworden. Zu erkennen sind die Wandergesellen an der traditionellen Handwerkskluft mit Hut und Stock, mit der auch Fynn unterwegs ist.
Fester Rückhalt durch Kameradschaft
"Die werde ich mein Leben lang nicht vergessen", ist der 26-Jährige sich sicher. Die Kameradschaft unter den Gesellen hat ihm auf der Walz viel Rückhalt gegeben. So wie Matthias Merz, den Stenzel nur liebevoll "Ameise" nennt, weil er einen Kopf kleiner ist.
"Der Fynn ist einer der feinsten Menschen, die ich auf der Welt kenne", erzählt Ameise. "Wenn's mal brenzlig wurde, konntest du dich auf Fynn verlassen." So wie auf dem Weg nach Tschechien als sie in einer Holzhütte übernachtet haben, und es plötzlich eine bedrohliche Situation mit einem Drogenabhängigen gab.
Chile, Namibia, Thailand und Vietnam
Das Wanderbuch mit Stempeln und Arbeitszeugnis aus Windhoek/Namibia
Bildquelle: Ulf Priester / WDROder als sie in Chile mitten in der Nacht auf eine Bergtour aufgebrochen sind, um von oben einen aktiven Vulkan zu beobachten. 17 Länder hat Stenzel bereist: neben Chile auch Namibia, Thailand und Vietnam. Alles dokumentiert mit Stempeln und handgeschriebenen Arbeitszeugnissen in seinem Wanderbuch.
Das Wandergepäck für über vier Jahre
Bildquelle: Ulf Priester / WDREr hat als Schlosser gearbeitet und sich so jeweils das Geld für die Weiterreise verdient. Sein Wandergepäck über all die Jahre: eine Arbeitskluft, fünf Unterhosen, fünf Paar Socken, drei weiße Hemden, eine Badehose, ein T-Shirt und ein Schlafsack.
Empfang mit 120 Leuten
Auf daheim freut sich Fynn Stenzel: "Das eigene Bett, die eigene Dusche, die eigene Waschmaschine", aber vor allem natürlich auf die Familie und die besten Freunde. Die stehen erwartungsfroh am Ortseingang mit über 100 Leuten. Die Feuerwehr hat die Straße gesperrt.
Fynns Eltern stehen vorne in der Mitte, um ihn zu empfangen.
Bildquelle: WDR / Ulf PriesterDie letzten Meter geht Fynn Stenzel allein - mit Tränen in den Augen. 21 war er, als er von hier aus in die Welt zog. Und jetzt hält er sie endlich wieder im Arm: seine Mutter, seinen Vater, seine Großeltern. "Es ist wunderschön", sagt er knapp, während die nächsten drängen, ihn willkommen zu heißen.
Stolze Eltern
"Es ist nicht in Worte zu fassen", sagt mit Freudentränen Fynns Vater. "Wir sind so stolz auf ihn, dass er das die letzten Jahre so durchgezogen hat." Und für seine Zukunft hat Fynn schon konkrete Pläne: "Nächstes Jahr geht's auf die Meisterschule und danach in die Selbständigkeit."
Unsere Quellen:
- WDR Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Emotionaler Empfang im Siegerländer Heimatdorf, 06.09.2026, 13:50 Uhr