Warum diese Tomaten im Supermarkt kaum zu finden sind
Bildquelle: Eva Schulze-Gabrechten/WDRWDR. 3 Min. 11 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2028.
Vorsichtig greift Britta Berens zwischen die dunkelgrünen, mannshohen Pflanzentriebe und pflückt eine hellgelbe Tomate. "Diese Sorte heißt Zitrönchen", erklärt Berens. Der Name ist Programm: Die Tomate sieht tatsächlich aus wie eine Zitrone. "Die hat ein relativ trockenes Fruchtfleisch. Eine super Saucentomate", betont die 57-Jährige.
Weltweit gibt es mehrere tausend verschiedene Tomatensorten. Im Supermarkt sieht die Tomate aber meistens gleich aus: Rot und rund, als Rispen- oder Kirschtomate. Im Garten von Britta und Michael Berens aus Werl zeigt sich dagegen, wie vielfältig diese Frucht sein kann.
Selten und optisch ganz besonders: Die Tomatensorte "Zitrönchen" (vorne).
Bildquelle: WDR/ Eva Schulze-Gabrechten150 verschiedene Sorten wachsen hier. Vor allem seltene und alte Tomatensorten. Solche, die schon seit Generationen weitervermehrt werden. Sie heißen zum Beispiel Andenhorn, gelbes Ochsenherz oder Schneewittchen. Und sind im Handel kaum zu finden.
Andenhorn, Schneewittchen, Zitrönchen: Mehr als 150 Sorten in Werl
Denn dort zählt neben Geschmack und Aussehen vor allem auch, wie gut die Tomaten Transport und Lagerung überstehen. Im Garten der Berens kommt es auf ganz andere Qualitäten an. Vor allem auf den Geschmack. Aber auch auf die Vielfalt in Form und Farbe. Die Tomaten hier sind gelb, grün, gestreift, lila.
Die Berens bauen alte und seltene Tomatensorten an: Im Supermarkt sind die kaum zu finden.
Bildquelle: Eva Schulze-Gabrechten/WDRManche haben eine Flaschenform, andere sind faustgroß oder kirschklein. Mit ihren speziellen Formen lassen sich die meisten nicht stapeln - und seien auch deshalb für den Handel unattraktiv, erklärt Berens. Nicht aber für den eigenen Garten:
"Wir möchten, dass die Leute wieder erleben, wie viele verschiedene Sorten und Geschmäcker es gibt. Und welche Vielfalt auf dem Teller möglich ist." Britta Berens, Tomatengärtnerin aus Werl
Eigenes Saatgut herstellen? Es kommt auf die Sorte an
Aus ihren Tomaten stellen die Berens Saatgut her. Dazu wird der Samen aus dem Fruchtfleisch geschabt, kommt samt Glibber für mehrere Tage in einen Becher mit Wasser und wird anschließend getrocknet. Das können Hobbygärtner auch selbst ausprobieren - aber die Tomatensorte muss stimmen.
Aus samenfesten Tomatensorten lässt sich neues Saatgut gewinnen.
Bildquelle: Eva Schulze-Gabrechten/WDREs gibt sogenannte F1-Hybride - Tomaten, die zum Beispiel auf Ertrag und Haltbarkeit gezüchtet wurden. Die meisten Supermarktsorten gehörten dazu, aus ihren Samen wachsen keine neue Pflanzen. Dazu sind samenfeste Sorten nötig, erklärt Britta Berens.
Tipp für Hobbygärtner: Klein anfangen
Von denen haben sie und ihr Mann inzwischen 400 verschiedene auf Lager. Das Saatgut lagert in zwanzig großen Schubalden im Keller der Berens. Das Paar verkauft die Samen an Hobbygärtner in ganz Deutschland. Es ist ihr Geschäft. Und ein Herzensanliegen:
"Es ist mir sehr wichtig, dass diese Tomatenvielfalt erhalten bleibt. Ich freue mich, wenn die Leute bei uns Samen bestellen. Und sich die Vielfalt dann auch in ihrem Garten vergrößert." Britta Berens
Wer selbst mehr Tomaten-Vielfalt im eigenen Garten ausprobieren möchte, braucht nicht viel. Berens empfiehlt eine Fleisch- und eine Cocktailtomate für den ersten Anbau: "Zum Beispiel das gelbe Ochsenherz und die Schneewittchen - dann hat man eine tolle Mischung."
Mindestens einmal pro Woche gibt es bei den Berens Spaghetti mit Tomatensauce. Selbst gekocht aus dem Fruchtfleisch, das bei der Saatgut-Produktion übrig bleibt. Sie sei nach wie vor tomatenverrückt, sagt Britta Berens. Egal ob groß, klein, grün oder gelb - Hauptsache besonders. Rot und rund kann schließlich jeder.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Warum diese Tomaten im Supermarkt kaum zu finden sind, 01.09.2026, 11.06 Uhr
