Bernhard Schwermer bewirtschaftet den Rhein-Weser-Turm bei Kirchhundem.
Bildquelle: WDR/Corina Wegler)Zäune wegen der Schweinepest : Wie Urlauber und Gastwirte reagieren
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Kilometerlange Zäune, Sperrzonen, Hinweisschilder, Quads auf den Wanderwegen: Seit mehr als einem Jahr prägt die Afrikanische Schweinepest (ASP) das Bild im Sauerland und Siegerland. Doch wie kommt das bei Urlaubern und Ausflüglern an - und was bedeutet es für den Tourismus in der Region?
Der Rhein-Weser-Turm bei Kirchhundem (Kreis Olpe) liegt nicht weit von der Stelle, an der vor über einem Jahr das erste infizierte Wildschwein gefunden wurde. Bernhard Schwermer betreibt hier in der ASP-Kernzone ein Restaurant. Er bemerkt die Auswirkungen der Tierseuche deutlich: Der Umsatz sei um 10 bis 12 Prozent zurückgegangen.
An manchen Tagen blieben von den rund 200 Plätzen im Restaurant auch etliche leer. Am Stärksten trifft Schwermer aber, dass viele Jagdgesellschaften abgesagt haben. "Das ist der gravierendste Nachteil, den wir durch die ASP erfahren haben" so Schwermer, "das hat uns zwischen 20.000 und 25.000 Euro gekostet."
Viele haben sich arrangiert - aus Pragmatismus
Sind gerne mit dem Rad in ihrer Heimat unterwegs: Dieter Rowek und Winfried Dreisbach
Bildquelle: WDR/Corina Wegler)Fast 750 Kilometer Zäune, Warnschilder, Tore sind an den Rad- und Wanderstrecken zu finden. Viele Wanderer und Radfahrer haben sich damit arrangiert: "Ist nicht schön, aber sonst würde sich die Pest ja weiterverbreiten", sagt Dieter Rowek aus Bad Berleburg-Aue.
Mit seinem Nachbarn Winfried Dreisbach ist er oft in den Wäldern rund um den historischen Margarethenstein am Rothaarsteig unterwegs. An das Öffnen der Tore hätten sie sich gewöhnt - nicht aber an die Spuren der Quads, mit deren Hilfe das Land hier regelmäßig die Zäune kontrollieren lässt.
"Die fahren sämtliche Wege kaputt. Das finde ich schon nervig." Winfried Dreisbach, Mountainbike-Fahrer
Kaum Bewegung am Rothaarsteig im Winter
Beim Verein Sauerlandtourismus hat man unter anderem den Rothaarsteig ganz besonders im Auge. In den Wintermonaten kam die Nutzung des Fernwanderwegs im ASP-Gebiet - ganz anders als in den Vorjahren - fast vollständig zum Erliegen. Selbst an Wochenenden mit Naturschnee waren dort kaum Wanderer unterwegs.
Seit Juni zieht die Nachfrage auf dem Rothaarsteig laut Sauerlandtourismus aber wieder spürbar an: Christine und Roger Chojnowsky aus Hagen zum Beispiel sind Stammgäste im Sauerland, mal wandernd, mal mit dem Rad. "Wir registrieren die Zäune und öffnen und schließen die Tore, aber das ist keine große Sache."
Tatjana Greeb aus Dillenburg und Anne Schwarz aus Karlsruhe sehen vor allem die Regel, auf den Wegen bleiben zu müssen, kritisch: "Ich möchte mir gern auch mal eine Wurzel oder ein Moos näher angucken. Man ist schon ein bisschen eingeschränkt."
Seit dem Sommer deutliche Erholung
Michael von der Ley
Bildquelle: WDR/Corina Wegler)Die beiden Frauen genießen nach ihrer Wanderung Kaffee und Kuchen in der Almhütte Schanze. Chef Michael von der Ley beschreibt den Jahresverlauf so: "Anfang des Jahres war es unsicher, kurios, weil wir haben dann tatsächlich auch Gruppen gehabt, die haben uns abgesagt - aber das hat sich dann doch relativ gut reguliert."
Laut Sauerlandtourismus verläuft die Erholung aber nicht überall gleich: Auf dem SauerlandRadring, der durch die ASP-Kommunen Schmallenberg und Lennestadt führt, liegt die Nutzung zwischen Januar und August 2026 immer noch 30 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.
Am Spitzentag 2025 wurden 1.117 Gäste gezählt, 2026 waren es an einem vergleichbaren Tag nur noch 510. In anderen Teilen des Sauerlands zeigen sich solche Rückgänge aber nicht, heißt es vom Sauerlandtourismus.
Inlandstourismus federt Verluste ab
Zäune, Hinweisschilder und Tore
Bildquelle: WDR/Corina Wegler)Auch am Rhein-Weser-Turm läuft das Geschäft im Wanderhotel trotz ASP gut. Bernhard Schwermer führt das unter anderem darauf zurück, dass viele Menschen wegen der hohen Benzinpreise statt Auslandsurlaub lieber ins Sauerland kommen.
"Man kann ja nicht nur Pech haben. Wie bei Corona: Irgendwann wird es vorbei sein. Und ich hoffe, dass wir dann mit einem blauen Auge davongekommen sind." Bernhard Schwermer, Restaurant- und Hotelbesitzer
Sauerlandtourismus bestätigt Schwermer Einschätzung. Insgesamt haben in diesem Jahr deutlich mehr Menschen Urlaub oder Ausflüge ins Sauerland gemacht als in den Vorjahren. "ASP-bedingte Rückgänge werden vermutlich mehr als ausgeglichen", sagt Geschäftsführer Jürgen Fischbach.
Unsere Quellen:
- Sauerlandtourismus
- Gastronom Bernhard Schwermer
- Gastronom Michael von der Ley
- Gespräche der WDR-Reporterin mit Touristen und Ausflüglern
- Landwirtschaftsministerium
Sendung: WDR.de, Schweinepest-Folgen: Wie Urlauber und Gastwirte reagieren, 25.08.2026, 05:01 Uhr