1.000 Euro Bußgeld fürs Blumengießen

Bildquelle: WDR/Mike Külpmann

WDR 01:20 Min. Verfügbar bis 21.08.2028

Strenge Regeln fürs Trinkwasser 1.000 Euro Bußgeld fürs Blumengießen

Stand:

Pools befüllen und Blumen gießen ist im Kreis Siegen-Wittgenstein ab Montag (24.08.2026) verboten. Grund ist die anhaltende Trockenheit. Das Verbot zur Trinkwasserentnahme gilt bis Anfang Oktober. Es betrifft rund 280.000 Menschen.

Von Alina Höngen

In einer Sondersitzung hat der Kreisausschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein strenge Regeln für das Verwenden von Trinkwasser beschlossen. Das Verbot schränkt die Trinkwassernutzung drastisch ein. So dürfen ab Montag zum Beispiel keine Blumen gegossen, Pools befüllt und Autos gewaschen werden.

Das ist ab dem 24.08.2026 verboten:

  • das Befüllen von privaten Schwimmbecken, Pools und Planschbecken
  • das Betreiben von Springbrunnen und Füllen von Wasserbehältern
  • das Gießen und Bewässern von Haus- und Kleingärten
  • das Bewässern von Grünflächen, Parks, Sport- und Spielplätzen sowie Golfanlagen
  • das Waschen und Abspritzen von Autos und anderen Fahrzeugen
  • das Befeuchten von Baustraßen und Baustellen
  • das Reinigen von Terrassen, Wegen und Dächern

Nur wenige Ausnahmen möglich

Die Regeln gelten für alle, die im Kreis Siegen-Wittgenstein leben. Das sind fast 280.000 Menschen. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Zum Beispiel können Übungen der Feuerwehr weiter stattfinden. Auch neu gepflanzte Bäume dürfen weiter gegossen werden. Darüber hinaus können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.

Ein gelber-schwarzer Hochdruckreiniger.

Wer seine Terrasse sauber macht, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Bildquelle: WDR/Mike Külpmann

Das Verbot tritt am Montag, den 24.08.2026, in Kraft und gilt bis zum 02.10.2026.

1.000 Euro Bußgeld für alle, die sich nicht an Verbot halten

Wer sich nicht an die Regeln hält, muss laut dem Kreis Siegen-Wittgenstein mit einem Bußgeld rechnen. Verstöße können mit bis zu 1.000 Euro geahndet werden.

Hannes Gieseler, Bürgermeister der Gemeinde Wilnsdorf
"Wir werden nicht in die Hinterhöfe marschieren und jeden einzelnen kontrollieren. Aber unsere Ordnungsbeamten werden mit offenen Augen durch die Gegend gehen und da, wo es offensichtliche Verstöße gibt, die Menschen ansprechen." Hannes Gieseler, Bürgermeister Wilnsdorf

Appell zum Wassersparen hat nichts gebracht

Grund für das Trinkwasserentnahme-Verbot ist die anhaltende Trockenheit im Kreis Siegen-Wittgenstein. Bereits letzten Winter hatte es zu wenig geregnet. Dadurch sind die Pegel der Trinkwassertalsperren stark gesunken.

Die Obernautalsperre ist nur noch zu 47,6 Prozent gefüllt, die Breitenbachtalsperre nur noch zu 57 Prozent.

Obernautalsperre in der unteren Mitte des Bildes, im Hintergrund grüne Hügel und ein wolkiger Himmel

Die Obernautalsperre ist nur noch zu 47,6 Prozent gefüllt.

Bildquelle: WDR/Gerrit Saßmann

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein hat deshalb schon vor Monaten gewarnt und zuletzt zum Wassersparen aufgerufen. Das hat aber nicht den gewünschten Effekt gebracht. Auch wegen der extremen Temperaturen diesen Sommer. Der Regen in den letzten Tagen hat die Situation nicht verbessert.

"Der Regen verdunstet oder wird von den Pflanzen aufgenommen. Er führt nicht zu einem Anstieg des Wasserpegels in den Talsperren." Dirk Müller, Geschäftsführer und Technischer Leiter des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein

Trinkwasserversorgung auch 2027 sicherstellen

Mit den neuen Regeln soll die Trinkwasserversorgung langfristig gesichert werden. "Unsere Talsperren kommen langsam in die Situation, dass sie das Wasser für nächstes Jahr nicht mehr vorhalten können", sagt Wilnsdorfs Bürgermeister Hannes Gieseler. Man müsse dafür sorgen, dass auch 2027 noch Trinkwasser aus dem Hahn kommt.

Ähnlich argumentiert auch Landrat Andreas Müller. Das Verbot sei eine starke Einschränkung jedes Einzelnen, aber es gebe eine konkrete Gefahr. "Das Tiefenwasser, aus dem wir das Trinkwasser gewinnen, wird Anfang Oktober wahrscheinlich zu Ende gehen", sagt Müller.

Andreas Müller, Landrat Kreis Siegen-Wittgenstein
"Wenn wir Weihnachten noch genug Wasser haben wollen zum Kochen und zum Duschen, dann müssen wir jetzt anfangen wirklich zu sparen." Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein

Temperatur des Trinkwassers könnte steigen

Für die Trinkwasser-Aufbereitung wird normalerweise kaltes Wasser genutzt. Das könnte laut dem Wasserverband Siegen-Wittgenstein aber bald aufgebraucht sein. Heißt: Aus dem Wasserhahn würde dann deutlich wärmeres Wasser kommen.

Um einen starken Temperatursprung zu verhindern, mischt der Wasserverband schon jetzt kaltes Wasser mit wärmerem Wasser.

Auch in Ostwestfalen ist Trinkwasser-Lage angespannt

Auch in anderen Teilen von NRW ist die Trinkwasser-Lage angespannt. In Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne galt ab Juni eine ordnungsbehördliche Verordnung, die die Wasserversorgung vor dem Kollaps schützen sollte. Die Verbote wurden dort nach einem Monat aufgehoben.

Die Lage bleibt jedoch angespannt: Die Wasserampel steht weiter auf Rot. Statt auf Verbote setzt der Wasserbeschaffungsverband nun auf freiwilliges Sparen und die Verantwortung aller. Und auch in Minden werden Menschen dazu aufgerufen, Trinkwasser nicht zu verschwenden.

Unsere Quellen:

  • Kreis Siegen-Wittgenstein
  • Wasserverband Siegen-Wittgenstein
  • Eindrücke der WDR-Reporterin auf der Sondersitzung des Kreistages

Sendung: WDR.de, 1.000 Euro Bußgeld fürs Blumengießen, 21.08.2026, 15:44 Uhr

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