Schulferien: Warum "diktieren" die Bayern eigentlich den Plan?

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Aktuelle Stunde 15.07.2025 29:27 Min. UT Verfügbar bis 15.07.2027 WDR Von Per Quast

Ferienzeit-Debatte: Besser späte als frühe Sommerferien in NRW?

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Die schönste Zeit des Jahres gehört fast schon traditionell zu den größten Streitthemen in der Bildungspolitik. Wann geht welches Bundesland in die Sommerferien? Das wird langfristig zwischen den Ländern vereinbart, aber jedes Mal gibt es bei den Verhandlungen darüber Streit.

Auch jetzt kommt es wieder zu Kritik, nachdem die Langfristplanung für die Ferientermine ab 2030 begonnen hat. Diesmal wurde die Debatte von NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) angestoßen. Am Montag schlug sie vor, das sogenannte "rollierende System" der Ferienzeit-Aufteilung zu überarbeiten. "NRW hätte auch gerne mal einen späteren Ferienstart", erklärte Feller.

Dorothee Feller, CDU, Ministerin für Schule und Bildung, NRW

Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU)

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Doch für den NRW-Vorschlag gab es gleich eine Absage aus Bayern. "Wir haben unseren Ferienrhythmus, der ist sozusagen fest in der DNA der Bayern drin", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Außerdem würden sich die Sommerferien an anderen Ferien in Bayern orientieren.

Doch worum geht es bei der Debatte? Und was sind die Vor- und Nachteile von frühen beziehungsweise späten Sommerferien?

Warum haben nicht alle Bundesländer gleichzeitig Ferien?

Bildung ist Sache der Bundesländer. Sie stimmen die Ferientermine jedoch miteinander ab, damit nicht alle gleichzeitig in den Urlaub starten. Dadurch sollen beispielsweise Staus, überfüllte Züge und knappe Unterkünfte während der Urlaubszeit vermieden werden. Das geht zurück auf das sogenannte Hamburger Abkommen von 1964 und weitere Nachfolgevereinbarungen zwischen den Ländern.

Die Zeiträume für die Sommerferien werden durch eine gemeinsame Vereinbarung der Kultusministerkonferenz geregelt. Die Sommerferientermine gelten dann für einen Zeitraum von mehreren Jahren - die aktuelle Planung gilt bis 2030.

Was ist das sogenannte "rollierende System"?

Das sogenannte "rollierende System" ist Kern der Sommerferienregelung. Dabei sind die Länder in fünf Gruppen eingeteilt, die in etwa zur gleichen Zeit Ferien haben. Diese Gruppen "rollieren". Heißt: Sie wechseln sich mit früheren und späteren Ferienterminen ab. So beginnen die Ferien jedes Jahr in einer anderen Woche zwischen Mitte Juni und Ende Juli. Dabei müssen die Ferien aber immer zwischen dem 20. Juni und dem 15. September liegen. NRW hat also mal früh und mal spät Ferien.

Bayern und Baden-Württemberg machen bei diesem "rollierenden System" allerdings nicht mit. Stattdessen gehen die beiden Bundesländer immer als letzte in die Ferien.

Welche Vor- und Nachteile haben die späten Ferien?

Ein Vorteil ist, dass das Ende der Ferien im September oft auf die Nebensaison fällt. In dieser Zeit sind die Ferienunterkünfte oft günstiger. Außerdem sind auch die Temperaturen im September oft angenehmer.

Andererseits können die späten Sommerferien aber auch ein Nachteil sein. Die Schülerinnen und Schüler verpassen auf diese Weise im Juli möglicherweise die heißeste Zeit des Jahres. Anstatt zum See zu fahren, sitzen sie in dieser Zeit im Klassenzimmer. Ein weiterer Nachteil: Bei den hohen Temperaturen können sie sich auch nicht mehr so gut aufs Lernen konzentrieren.

Mit welcher Begründung machen Bayern und Baden-Württemberg nicht mit?

Früher wurde der späte Ferienstart in Bayern mit der Erntezeit begründet. Die Schülerinnen und Schüler würden in dieser Zeit bei der Ernte gebraucht. Dieses Argument ist jedoch inzwischen überholt und wird auch nicht mehr angebracht.

Das Hauptargument heute: Bayern und Baden-Württemberg planen immer rund um Pfingsten zwei Wochen Ferien ein, die manchmal erst Mitte Juni vorbei sind. Da mache es keinen Sinn, gleich wieder in die Sommerferien zu starten, heißt es. Um einen größtmöglichen Abstand zwischen die Pfingst- und Sommerferien zu bringen, würde man den spätesten Termin der Sommerferien benötigen, heißt es von Bayerns Kultusministerin Anna Stolz.

Dieses Argument löst jedoch noch eine weitere Diskussion aus. Denn: Viele Eltern in NRW würden sich auch eher Pfingstferien wünschen als zwei Wochen Herbstferien.

Kann Bayern das einfach so entscheiden?

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, spricht in der CSU-Parteizentrale in München.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

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Angesichts der klaren Ansagen aus Bayern müssen die anderen Länder das Ganze wahrscheinlich akzeptieren, schreibt die "Frankfurter neue Presse". Dort heißt es: Da "Söders Widerstand groß ist, der Beschluss in der Kultusministerkonferenz einstimmig gefasst werden muss und der Bund nicht eingreifen kann, wird sich nichts ändern".

"Wenn die Baden-Württemberger gerne tauschen würden mit den NRW-lern dann wäre mir das völlig egal. Aber wir bleiben bei unseren Ferien." Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern
Portrait von Ministerpräsident Hendrik Wüst

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst

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Schulministerin Dorothee Feller bekommt für ihre Forderung zurzeit jedoch Rückendeckung. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst stellt sich hinter Feller. Er sagt, NRW habe ein Interesse daran, dass die Schulzeit zwischen den Ferien nicht allzu kurz sei. "Dann haben sie unglaublich viel Druck", erklärt Wüst, "bei den Kindern, bei den Schülerinnen und Schülern, bei Lehrern, auch bei Eltern". Er wolle sich das Thema deshalb noch mal genau anschauen, um eine Lösung zu finden.

"Wir haben natürlich schon Interesse daran, dass wir nicht so extrem kurze Schuljahre haben und wir werden uns auch anschauen auf welchem Weg wir das hinkriegen." NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst

Und auch die nordrhein-westfälische SPD-Opposition stellt sich klar hinter die Forderung der NRW-Landesregierung gestellt. "Selbstverständlich müssen die Ferientermine verhandelt werden", sagte SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott in Düsseldorf.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller hätten in der Frage seine völlige Unterstützung, so der SPD-Oppositionsführer. Wüst dürfe sich aber nicht wieder von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "durch die Manege ziehen lassen", sagte Ott. "Sondern hier muss es Neuverhandlungen geben, ganz klar."

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
  • SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott

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