Eine Angestellte eines Fotofachhandelsgeschäfts hat eine Sonnenfinsternis-Brille an

Sonnenfinsternis in NRW Augenarzt warnt vor "irreparablen Schäden"

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Heute ist auch in NRW eine Sonnenfinsternis zu sehen, vorausgesetzt man verfügt über das richtige Equipment. Ansonsten kann es gefährlich werden, warnt Augenarzt Daniel Pleger.

Eine partielle Sonnenfinsternis ist an sich nichts Außergewöhnliches - weltweit gibt es dieses Phänomen zwei- bis dreimal im Jahr. Die letzte in Deutschland gab es im März 2025. Allerdings wurde die Sonne damals lediglich zu 15 bis 23 Prozent vom Mond verdeckt.

Heute Abend schiebt sich in NRW der Mond zu fast 90 Prozent vor die Sonne. In dieser Form wird das in Deutschland erst wieder am 3. September 2081 erwartet. Kein Wunder, dass so viele Leute dieses Ereignis miterleben wollen.

Die speziellen Schutzbrillen sind in NRW jedoch vielerorts bereits vergriffen. Ohne Schutz sollte man die Sonnenfinsternis aber nicht beobachten, sagt Augenarzt und Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) Daniel Pleger zum WDR. Denn das könne zu ernsthaften Schäden an den Augen führen, die sich nicht heilen lassen.

Wie gefährlich ist es, ohne Schutzbrille die Sonnenfinsternis zu beobachten?

Portrait von Augenarzt Daniel Pleger

Daniel Pleger, Augenarzt und BVA-Vorsitzender

Bildquelle: BVA

Daniel Pleger: Es kommt darauf an, ob ich den richtigen Schutz für die Augen habe. Wenn man eine Schutzbrille nach DIN EN ISO 12312-2 hat und diese intakt ist, dann kann man damit die Sonnenfinsternis beobachten. Hat man keine Brille, dann kann es für das Auge sehr gefährlich sein und es kann zu irreparablen Schäden an der Netzhaut kommen.

Durch die lichtbrechenden Strukturen im Auge wird das Sonnenlicht gebündelt und trifft dann mit dem Brennpunkt die Mitte der Netzhaut. Dort entsteht unser Seheindruck. Diese zentrale Stelle wird durch das starke Sonnenlicht dann geschädigt, was bleibende Schäden hinterlassen kann.

Welche Schäden können am Auge entstehen und wie schnell geht das?

Pleger: Wenn wir hellem Licht ausgesetzt sind, haben wir einen Schutzreflex und schauen weg, schließen die Augen. Das kennt jeder, wenn die Sonne hell ist. Daher klappen wir im Auto dann die Sonnenblende runter oder setzen eine Sonnenbrille auf. Dadurch kommt es dann in der Regel zu keinen dauerhaften Schäden.

Bei der Betrachtung der Sonnenfinsternis schauen wir direkt und fokussiert in die Sonne. Dadurch setzen wir uns dann einer hohen Lichtenergie aus und vermeiden den natürlichen Schutzreflex. Das ist ähnlich wie bei einem heißen Gegenstand, wo wir auch reflexartig loslassen.

Zwingen wir uns, den Gegenstand festzuhalten, kommt es zu schweren Verbrennungen. Gefährlich wird es, wenn man keine zertifizierten Brillen nutzt und sich damit in Sicherheit wiegt. Daher weisen wir so explizit auf den richtigen Schutz hin.

Ist eine Sonnenfinsternis ohne Schutz für Kinder besonders gefährlich?

Pleger: Kinder sind oft unbedarfter und daher besonders zu beaufsichtigen. Sie sollten nur mit entsprechenden Schutzbrillen das Naturschauspiel betrachten. Die Linse von Kindern ist sehr jung und damit klar und transparent und somit ist das Sonnenlicht unmittelbar auf der Netzhaut. Es muss bei Kindern besonders auf den richtigen Sitz der Brille geachtet werden, da die käuflichen Brillen oft eine Einheitsgröße haben.

Sonnenbrillen, Kameras, Schutzdecken - gibt es andere Gadgets, die helfen?

Pleger: Sie können die Sonnenfinsternis gefahrlos im Internet in verschiedenen Livestreams verfolgen. Andere selbstgebaute und online propagierte Mittel können keinen sicheren Schutz garantieren und sind daher keinesfalls zu empfehlen.

Vielerorts sind die Schutzbrillen vergriffen. Doch manche Menschen haben noch welche von der Sonnenfinsternis 1999. Haben Schutzbrillen ein Ablaufdatum und was ist beim Kauf zu beachten?

Pleger: Zu alten Sonnenschutzbrillen gibt es keine validen Tests, ob diese Brillen nach über 25 Jahren noch dem Schutzniveau entsprechen. Zudem müssen auch die aktuellen Brillen intakt sein, und das ist vermutlich bei den alten Brillen nicht sicher gewährleistet. Daher kann man keine valide Empfehlung zu den alten Brillen aussprechen.

Und was kann man tun, wenn man doch ohne Schutz in die Sonne geschaut hat?

Pleger: Wenn Sie Sehbeschwerden merken, sollten Sie zeitnah eine Augenärztin beziehungsweise einen Augenarzt aufsuchen. Es muss natürlich sofort eine weitere Lichtexposition beendet werden. Schauen Sie also nicht weiter in die Sonne und suchen Sie zeitnah eine Praxis oder eine Klinik auf.

Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, also tut ein Schaden nicht weh, was besonders hervorzuheben ist. Daher muss bei Sehstörungen egal welcher Art eine Abklärung erfolgen. Die Störungen können auch erst nach einigen Tagen auftreten.

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporter Lukian Ahrens.

Unsere Quellen:

Partielle Sonnenfinsternis: Was man wissen muss

WDR 12.08.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 11.08.2028 WDR Online

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Sendung: WDR 5, Morgenecho, 12.08.2026, 6:04-9:45 Uhr

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