Sonnenfinsternis am Mittwoch: So schützen wir unsere Augen
Bildquelle: picture alliance / M.i.S., Bernd FeilAktuelle Stunde . 10.08.2026. 14:49 Min.. UT. Verfügbar bis 10.08.2028. WDR. Von Maurice Flege.
Wer am 12. August die Sonnenfinsternis beobachten will, sollte unbedingt seine Augen schützen. Normale Sonnenbrillen sind zur Sonnenbeobachtung nicht geeignet.
"Man muss mit einer Sonnenfinsternisbrille in die Sonne schauen, sonst ist das gefährlich", warnt Susanne Hüttemeister, Institutsleiterin des Zeiss Planetariums Bochum. Die Sonne sei dann ungefähr eine Million Mal so hell, wie es Augen aushalten könnten.
Auf das CE-Symbol achten
Ausgewiesene Schutzbrillen müssen mit dem CE-Symbol versehen sein. Die aktuell gültige Norm für Sonnenfinsternisbrillen nach Angaben des Kuratoriums Gutes Sehen e. V. DIN EN ISO 12312-2:2015. Außerdem dürfen die Brillen keine Kratzer, Löcher oder Risse aufweisen.
Wichtig ist auch, dass die Brille gut am Gesicht anliegt, um den Einfall von Strahlung ins Auge zu reduzieren. Die Brille muss bereits vor dem Blick in die Sonne aufgesetzt und darf erst wieder abgesetzt werden, wenn man nicht mehr in die Sonne schaut.
"Wer bei der Auswahl, Kennzeichnung, Passform oder dem Zustand einer Sonnenfinsternisbrille unsicher ist, sollte sie nicht verwenden und sich rechtzeitig in einem augenoptischen Fachbetrieb beraten lassen", heißt es in einer Pressemitteilung vom Kuratorium Gutes Sehen e. V.
Schutzbrillen vom Optiker - oft schon ausverkauft
Optiker Johannes Avsar hat keine Schutzbrillen mehr.
Bildquelle: WDR/Gaby van den BoomVerlässliche Anlaufstellen, um eine passende Brille zu kaufen, sind Optiker oder der Fachhandel für Astronomiebedarf. So teilt beispielsweise die Optiker-Kette Fielmann auf WDR-Nachfrage mit, dass die Filialen in NRW zertifizierte Schutzbrillen anbieten - für 0,99 Euro pro Stück - solange der Vorrat reicht. Am Dienstagmittag hatten allerdings schon manche Optiker in Köln Schilder im Fenster, die Brillen seien ausverkauft.
In einigen Planetarien, Sternwarten und Museen, die Veranstaltungen zur Sonnenfinsternis anbieten, kann man auch am Mittwoch selbst noch Sonnenfinsternisbrillen kaufen. So bietet beispielsweise das Planetarium in Bochum Brillen für 3 Euro an.
Auch im Museumshop des LWL-Museums für Naturkunde in Münster kann man Sonnenfinsternisbrillen erwerben - solange der Vorrat reicht. Und auch die Volkssternwarte in Köln verkauft Schutzbrillen im Rahmen ihrer Veranstaltung.
300 Brillen in 40 Minuten weg
In Wuppertal ist bei vielen Optikern keine Schutzbrille mehr zu kriegen. Der Optiker Krass hat noch eine Lieferung erhalten - rund 300 Brillen. "Die waren innerhalb von 40 Minuten weg", sagt Optiker Johannes Avsar. Minütlich kämen neue Kunden und fragen nach Brillen. Inzwischen habe er daher ein Schild aufgestellt: "Sold out - ausverkauft".
"Meine eigene Schutzbrille habe ich einer verzweifelten Kundin gegeben. Sie meinte zu mir, dass das vermutlich ihre letzte Sonnenfinsternis ist. Da musste ich sie ihr geben - mir selbst ist das nicht so wichtig." Johannes Avsar, Optiker aus Wuppertal
Kein Verkauf aus ökologischen Gründen
Optikerin Simone Arlt verkauft diesmal keine Schutzbrillen.
Bildquelle: WDR/Gaby van den BoomAuch Simone Arlt ist Optikerin in Wuppertal. Sie und ihr Team haben sich bewusst entschieden, diesmal keine Schutzbrillen zu verkaufen. "Aus ökologischen Gründen bieten wir keine solchen Brillen an - es handelt sich um bedrucktes Papier und eine Folie, die nicht abgebaut werden kann."
1999 noch hat sie Tausende dieser Brillen verkauft. Der Ansturm sei damals so groß gewesen, dass sie sogar die Schutzgitter herunterfahren musste. Damals habe man sich über solche Sachen noch keine Gedanken gemacht, heute sei die Situation eine andere.
Alte Sonnenfinsternis-Schutzbrillen nicht mehr nutzen
Wer noch eine alte Sonnenfinsternis-Schutzbrille von 1999 im Keller hat, sollte aber besser die Finger davon lassen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt: "Bei Folienbrillen darf die Folie keine Kratzer, Löcher und Risse am Übergang zwischen Filterfolie und Pappe oder sonstige Beschädigungen aufweisen. Beschädigte Brillen dürfen keinesfalls verwendet werden."
Alternative zur Schutzbrille: Lochkamera aus Chipsrolle
Falls die Brillen vergriffen sind, gibt es eine Alternative: die Lochkamera. "Als sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung gilt die indirekte Betrachtung mittels Projektionsmethode durch eine Lochkamera (Camera obscura) auf einen Schirm", heißt es beim Bundesamt für Strahlenschutz.
Wer eine Lochkamera nutzt, blickt dabei nicht direkt in die Sonne, sondern auf ihr Abbild. Das erscheint auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt. Für die Beobachtung genügt es nach Angaben des Bundesamt für Strahlenschutz, die Kamera grob in Richtung des Ereignisses auszurichten. Lockameras sind für die indirekte Projektion gedacht: Das Licht fällt durch ein kleines Loch auf der ansonsten geschlossenen Seite ein; und die Sonne wird auf der Projektionsfläche abgebildet.
Mit einfachsten Mitteln kann man so eine Lochkamera selbst bauen: Dazu braucht es eine leere Chips-Dose, Schere und Klebeband, Butterbrotpapier oder weißes Backpapier und einen Reißnagel. Und so geht's: Oberes Teil der Chips-Dose abschneiden, in den größeren Teil mit dem Reißnagel in die Mitte des Bodens ein kleines Loch stechen. Dann Butterbrotpapier dahin klemmen, wo der Deckel draufkommt. Am Schluss beide Teile der Chips-Packung wieder zusammenkleben. Auf seiner Internetseite zeigt das Bundesamt für Strahlenschutz das auch in einem Video.
Partielle Sonnenfinsternis in NRW | WDR aktuell
Bildquelle: picture alliance / M.i.S., Bernd FeilWDR. 02:05 Min.. Verfügbar bis 12.08.2028.
Auch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft warb am Dienstag für die Lochkamera, wenn keine Schutzbrillen mehr verfügbar sein sollten. Sie unterstreicht die Methode der indirekten Beobachtung, "bei der man nicht unmittelbar auf die Sonne schaut, sondern nur das Abbild der Sonne betrachtet". Ophthalmologie ist die Augenheilkunde.
Unsere Quellen:
- Bundesinstitut für Strahlenschutz
- Zeiss Planetarium Bochum
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 10.08.2026, 18:45 Uhr