Instagram, TikTok und Snapchat - laut dem Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) sind das die beliebtesten Social-Media-Plattformen bei den 14- bis 29-Jährigen in Deutschland.
Bilder und Videos aus dem Alltag, Nachrichten, Comedy, Tipps und Tricks - die Plattformen bieten eine Menge Unterhaltung. Um selbst Klicks und Aufmerksamkeit zu bekommen, gehen Jugendliche immer wieder Risiken ein.
Für Klicks bei Social Media? Jugendliche klettern auf Kronenturm
Jüngstes Beispiel: Am Montag kletterten drei Jugendliche auf den Dortmunder Kronenturm und lösten einen stundenlangen Polizeieinsatz aus. Der 65 Meter hohe Turm steht auf dem brachliegenden Gelände der Kronenbrauerei.
Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen auf den Turm klettern - oft, um Videos für Instagram oder TikTok zu machen, so ein Pressesprecher der Polizei Dortmund.
TikTok-Trends an Schulen: Blackout- und Choking Game
Auch an Schulen kommt es in NRW immer wieder zu TikTok-Challenges. Erst Mitte Juni hatte ein 14-Jähriger einen Mitschüler an einem Gütersloher Gymnasium gewürgt. Offenbar einvernehmlich und als Teil einer Mutprobe für TikTok. Beim sogenannten "Choking Game" versuchen sich Jugendliche, bis zur Ohnmacht zu würgen.
Bei einem ähnlichen Fall verletzte sich in Aachen ein Schüler am Kopf, weil er ohnmächtig wurde. Die Polizei warnte daraufhin ausdrücklich davor, solchen Trends zu folgen, und bittet Eltern und Erziehungsberechtigte, ihre Kinder über die Gefahren aufzuklären.
Im November musste ein Schüler aus Petershagen nach einem Sturz auf den Kopf sogar schwer verletzt ins künstliche Koma versetzt werden. Auch wegen einer missglückten TikTok-Challenge.
Gefährliche Social-Media-Trends: Medienpädagogin ordnet ein
Medienpädagogin Selma Brand
Medienpädagogin Selma Brand von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) betont aber, dass man zwischen TikTok-Challenges und Aktionen wie in Dortmund unterscheiden müsse. Um auf den Kronenturm zu klettern, "muss Social Media nicht unbedingt der Auslöser sein. Vielleicht hatten die Jugendlichen auch einfach eine riskante Idee und wollten diese Aktion festhalten, wie sie auch alles andere aus ihrem Alltag festhalten." Solche Aktionen habe es schon lange vor Social Media gegeben.
TikTok-Challenges seien aber etwas anderes, sagt Brand. "Da geht es tatsächlich um eine Herausforderung oder eine Form der Mutprobe, wo die Jugendlichen sehen, dass andere das ja auch schaffen." Ziel sei, dass der Post viral geht und viele Klicks erhält. "Das kann für die Jugendlichen schon attraktiv sein." Dass nach manchen Challenges der Krankenwagen kommen müsse, würde bei TikTok dann auch nicht mehr gezeigt.
Medienpädagogin: "Ein Social-Media-Verbot bringt nichts"
Grundsätzlich seien nicht alle Challenges schlecht, sie sollten vor allem Spaß machen, so Brand weiter. Eine Untersuchung der Landesanstalt für Medien NRW zeigt ebenfalls, dass nur etwa ein Drittel der Challenges potenziell schädlich ist - und nur ein Prozent lebensgefährlich. Eltern sollten also nicht grundsätzlich dagegen sein, sondern genau schauen, was ihre Kinder im Netz machen.
Aber was sollten Eltern, Schulen und die Politik gegen gefährliche Challenges tun? "Kein Social-Media-Verbot kann solche Dinge verhindern", sagt die Medienpädagogin. Es gebe genügend andere Möglichkeiten, um gefährliche Aktionen aufzunehmen und ins Netz zu stellen. Vielmehr müsse es Orte geben, an denen sich die Jugendlichen ausprobieren können. "Da geht es um coole Aktivitäten in einem sicheren Rahmen, wo die Jugendlichen auch animiert werden können, das zu filmen und online zu stellen." Die Schulen müssten dafür mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden.
In NRW setzen bereits viele Schulen sogenannte Medien-Scouts ein. Das sind ältere Schülerinnen und Schüler, die den Jüngeren erklären, wie sie sich sicher im Netz bewegen.
Eltern haben Vorbildfunktion: "Medienerziehung beginnt zu Hause"
Zusätzlich gehe es aber auch um frühe Medienkompetenz, so Brand. "Medienerziehung beginnt zu Hause. Die Jugendlichen gucken sich auch vieles von ihren Eltern ab." Man müsse sich daher auch als Erwachsener hinterfragen, welche Vorbildfunktion man einnehme, wenn man dauernd Urlaubsfotos bei WhatsApp teilen würde. Am wichtigsten sei aber, sich mit seinen Kindern auszutauschen. "Wir müssen mit der Viralität leben, aber können Räume schaffen, um über die Challenges zu reden."
Das Beispiel in Dortmund könne man dafür super heranziehen und gemeinsam mit den Kindern einfach mal die KI fragen, ob es gefährlich ist, auf den Kronenturm zu klettern. "Da bekommt man ziemlich schnell die Antwort, dass das sehr gefährlich ist und auch finanzielle Konsequenzen hat." Außerdem kann man gemeinsam die zahlreichen positiven Challenges hervorheben, auch, wenn man diese nicht versteht. Denn Social Media wird bleiben.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Selma Brand, Medienpädagogin bei der GMK
- IZI: Grunddaten Jugend und Medien 2026
- Studie der Landesanstalt für Medien NRW zu TikTok-Challenges, Februar 2024
Sendung: WDR.de, TikTok-Challenges - das können Eltern tun, 07.07.2026, 14:51 Uhr
