Bei Routineuntersuchungen haben die Stadtwerke Auffälligkeiten entdeckt. Reparaturen sind notwendig, weil es sonst zu Materialermüdungen kommen könnte.
Die Straßenbahn-Bau und Betriebsordnung schreibt regelmäßige Prüfungen vor, aber kein Höchstalter.
Die betroffenen Bahnen in Bonn sind aus den 1970er- bis 1990er-Jahren. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie längst hätten ausgemustert werden müssen. Entscheidend für die Verkehrsbetriebe ist immer, ob die Fahrzeuge noch sicher und wirtschaftlich betrieben werden können.
Nach etwa 30 Jahren Betriebszeit steht bei vielen Baureihen eine grundsätzliche Entscheidung an: modernisieren oder ersetzen? Nach einer Modernisierung können Bahnen noch viele Jahre weiter betrieben werden. Aber auch nicht jedes alte Fahrzeug sei direkt untauglich, sagte ein Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und gibt Einblick in den Modernisierungszyklus der Verkehrsbetriebe.
Neue Bahnen für Bonn
Von der Ausmusterung betroffen sind so genannte Hochflurfahrzeuge. Sie haben einen höheren Einstieg von bis zu einem Meter und benötigen für Barrierefreiheit hohe Bahnsteige. Die Bonner Stadtwerke haben bereits 37 neue Hochflurbahnen bestellt beim spanischen Hersteller CAF. Die ersten Fahrzeuge werden voraussichtlich erst 2027 in Betrieb gehen.
Neue Fahrzeuge mit tiefem Einstieg sind nicht betroffen.
Außerdem gibt es eine Niederflurflotte. Sie hat einen tiefen Einstieg, knapp über dem Boden auf Bordsteinkantenhöhe und ist nicht von der Überprüfung betroffen. 28 neue Fahrzeuge hat die Firma Skoda bereits nach Bonn geliefert.
Viele NRW-Betriebe erneuern gleichzeitig ihre Bahnen
In zahlreichen NRW-Verkehrsnetzen müssen die Betriebe zurzeit ihre alten Fahrzeuge erneuern oder modernisieren. Denn viele Baureihen stammen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren so wie in Bonn.
"In NRW sind ca. 27% der Fahrzeuge älter als 30 Jahre. Derzeit befinden sich viele Verkehrsbetriebe in Neubeschaffungsprozessen, die diese Fahrzeuge ablösen sollen." Vanessa Nolte, Pressesprecherin bei der Bezirksregierung Düsseldorf
Allerdings gibt es nur wenige Hersteller auf dem Markt, die Stadt- und Straßenbahnen produzieren. Solche Projekte sind aufwendig und langwierig, denn die Bahnen müssen oft auf die jeweiligen Netze angepasst werden: Wagenbreite, Bahnsteighöhe, Achslast bei Brücken oder bauliche Unterschiede der Tunnel sind einige der Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Nach Angaben der Kölner Verkehrsbetriebe KVB dauert es vom Projektbeginn bis zum Einsatz neuer Bahnen etwa sieben Jahre. Die Düsseldorfer Rheinbahn spricht von mindestens sechs Jahren.
Köln wartet seit vier Jahren auf neue Bahnen
Im Kölner Stadtteil Weidenpesch werden alte Bahnen instandgesetzt.
Selbst diese lange Planungszeit hat in Köln nicht gereicht. Die KVB wartet seit Jahren auf neue Fahrzeuge. Die erste, rund 60 Meter lange Bahn will Hersteller Alstom mit vier Jahren Verspätung im Herbst 2027 liefern. Wegen der Verzögerung musste Köln seine rund 30 Jahre alten Fahrzeuge für rund 40 Millionen Euro generalsanieren, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Der französische Hersteller Alstom verweist auf die besondere Länge der Bahnen, offene Konstruktionsfragen und Probleme mit Zulieferern. Bereits vor zwei Jahren musste Alstom einräumen, man habe keine Erfahrung mit dem Bau von einteiligen Langzügen, so wie sie die KVB bestellt hat.
Verzögerungen sind möglich, aber nicht zwangsläufig
Auch die Duisburger Verkehrsgesellschaft DVG berichtet bei ihrer Alstom-Bestellung von massiven Verzögerungen. Vor neun Jahren hat die DVG rund 50 Niederflurbahnen bestellt. Der Großteil ist mittlerweile da, aber die Lieferung ist immer noch nicht abgeschlossen.
Dass es auch anders geht, zeigt das Projekt der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen. Die BOGESTRA hat beim Schweizer Hersteller Stadler bestellt, um einen Teil ihrer Flotte zu erneuern. Das lief weitestgehend planmäßig ab. Bei der Ruhrbahn in Essen und Mühlheim ist zumindest der Start der Beschaffung im grünen Bereich. Die Ruhrbahn hat 51 Hochflurbahnen beim spanischen Hersteller CAF bestellt. Der hat die ersten Fahrzeuge pünktlich ausgeliefert.
Unsere Quellen
- WDR-Anfrage bei der Düsseldorfer Rheinbahn
- WDR-Anfrage bei der Essener Ruhrbahn
- WDR-Anfrage bei den Dortmunder Stadtwerken DSW21
- WDR-Anfrage Bezirksregierung Düsseldorf - Technische Aufsichtsbehörde, landesweit zuständig für die Straßenbahn- und Obusbetriebe in NRW
- Blogeintrag der KVB Stadtbahnen kauft man nicht von der Stange – Menschen bewegen (2022)
Sendung: WDR5, Das Wirtschaftsmagazin, 21.07.2026, 13:34 Uhr