Situation soll sich Ende der Woche bessern

WDR 07:06 Min. Verfügbar bis 21.07.2028

Wegen Sicherheitsrisiko Bonn prüft 60 Stadtbahnen auf Materialschäden

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Ein weiterer Schock für die Pendler in Bonn - die Stadtwerke haben mitgeteilt, dass ab heute 60 der insgesamt 75 SWB-Stadtbahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB) nicht fahren können. Nun sollen die Bahnen wegen möglicher Ermüdungsschäden überprüft werden.

Es war eine Botschaft, die am Montagabend in Bonn für viel Wirbel gesorgt hat - in einer Stadt, die durch die Sperrung der Nordbrücke und verschiedene Einschränkungen im ÖPNV in den letzten Wochen und Monaten in Sachen Verkehr ohnehin bereits gebeutelt ist.

Erste Bahnen sollen diese Woche zurück auf die Bahnen

Am Mittag teilen die Stadtwerke Bonn jetzt mit, sie seien zuversichtlich, dass die betroffenen Bahnen so schnell wie möglich wieder auf der Schiene sind. Die ersten Fahrzeuge will die SWB nach der Prüfung "noch in dieser Woche allerspätestens" wieder auf die Gleise rausschicken.

"Wir werden unsere schönen Stadtbahnen wieder auf die Straße bekommen, das garantiere ich zusammen mit der Betriebsleitung."  Gregor Frohne, Bereichsleiter der Schienenfahrzeuge der Stadtwerke Bonn

Lage am Hauptbahnhof morgens noch relativ ruhig

Die Bahnen fuhren am Dienstagmorgen zwar regelmäßig, allerdings meistens nur mit einem Wagen statt mit zweien. Für die Fahrgäste hat der Platz aber ausgereicht. Allerdings gab es dazu nur wenige Informationen am Bonner HBF. Die WDR-Reporterin vor Ort konnte nur zwischendurch ein Information auf den Anzeigen entdecken.

Nur in der App und auf der Website der SWB wurde über die fehlende Wagenanzahl und die kurzfristigen Einschränkungen informiert. Auf WDR-Anfrage hieß es von den Stadtwerken Bonn, dass sie die Fahrgäste nicht beunruhigen wollten, da ja alles funktioniere.

"Wir können heute alle Fahrten anbieten bis auf die der Linie 68." Stefanie Zießnitz, Pressesprecherin SWB

Die Stadtwerke setzen laut eigener Aussage darauf, dass jetzt in der Ferienzeit weniger Fahrgäste unterwegs sind und die Stadtbahnwagen dadurch nicht so voll sein werden. Falls es aber doch mal eng wird, sei zusätzliches Personal an den Stationen im Einsatz, um die Fahrgäste zu navigieren.

Das sagt Stefanie Zießnitz von den Stadtwerken zu den Straßenbahn-Problemen

WDR 21.07.2026 01:24 Min. Verfügbar bis 20.07.2028 WDR Online

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Gelassenheit oder Frust bei den Pendlern

Tatsächlich bleiben am Dienstag viele Fahrgäste, mit denen der WDR gesprochen hat, entspannt und haben teilweise noch gar nichts von den Änderungen mitbekommen. "Ich bin optimistisch, dass gleich eine Bahn kommt und ich zur Arbeit fahren kann", sagt uns ein Pendler im WDR-Interview.

Teilweise sorgen aber auch verspätete Züge für Unmut. "Eigentlich hätte die Bahn vor 2 Minuten fahren müssen, jetzt kommt sie wohl in 10 Minuten. (...) Ich lasse mich überraschen", erzählt uns eine andere Pendlerin. Und auch die große Unsicherheit, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, sorgt für Frust bei den Pendlern - auch aus der Erfahrung der letzten Wochen mit teils eingeschränktem ÖPNV in Bonn.

"Eine Katastrophe"

Auch am Mittag zeichnet sich kein eindeutiges Stimmungsbild ab. Ein Pendler am Bahnhof berichtet uns: "Mir ist es heute noch gar nicht aufgefallen, dass die Bahnen unregelmäßig fahren. (...) Aber vielleicht ändert sich das gleich." Pessimistischer hingegen ist ein anderer Mann, der eigentlich mit der Bahn fahren wollte: "Eine Katastrophe: Mit dem Auto kann man nicht fahren, mit der Bahn kann man nicht fahren. (...) Heute hatte ich nur Verspätungen."

Eine weitere Pendlerin berichtet: "Jetzt im Moment geht es ja, aber heute Morgen war es ganz schlimm."

Prüfer warnten offenbar vor Versagen von Bremsen und Rädern

Quellen des WDR sprechen gar von dramatischen Schäden an einigen Bahnen. Genau diese hätten auch zu der kurzfristigen Stilllegung geführt. Betroffen seien demnach sicherheitsrelevante Bestandteile an den Stadtbahnen aus den 1970er bis 90er Jahren. Neben Schäden an Rädern sollen Prüfer eine lange Liste mit weiteren Mängeln erstellt haben.

Zwei Stadtbahnen der Stadtwerke Bonn stehen auf den Gleisen der Haltestelle Stadthaus. Auf dem Bahnsteig laufen Menschen.

Es gibt Sicherheitsbedenken bei älteren Bahnen der SWB

Die SWB hat dem WDR bestätigt, dass bei einer Routineuntersuchung der älteren Bahnen Auffälligkeiten an Bauteilen gefunden wurden und Reparaturen nötig seien. Es hätte also sein können, dass es zu einer Materialermüdung gekommen wäre. Deshalb sei es besonders wichtig, auf Nummer sicher zu gehen und die Bahnen direkt aus dem Verkehr zu ziehen und zu überprüfen. Dass ein solcher Vorfall sich auch in anderen Städten ereignet, halten die jeweiligen Verkehrsbetriebe dem WDR gegenüber für unwahrscheinlich.

Nach WDR-Informationen nicht zugelassene Bauteile

Laut WDR-Quellen soll festgestellt worden sein, dass nicht zugelassene Bauteile verwendet wurden und die Arbeiten an den Bahnen nicht vollständig dokumentiert sind. Es bestehe die Gefahr, dass Bremsen und Teile des Fahrwerks unvermittelt ausfallen könnten. Die SWB konnte uns das nicht bestätigen.

Gegenüber dem WDR erklärte Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bonn, am Abend:

"Es liegt nicht am gleichen Mangel bei allen Fahrzeugen. Es kann sein, dass bei einer Untersuchung, (...) ein Mangel auffällt, der vorher nicht bekannt war. Dann müssen wir es genauer untersuchen, wenn es die gleichen Bauteile in anderen Fahrzeugen gibt." Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bonn

Reaktion der Aufsichtsbehörde

Zuständig für die Kontrollen an den Bahnen ist die Bezirksregierung Düsseldorf als Technische Aufsichtsbehörde. Am Dienstagnachmittag nahm die Pressesprecherin der Behörde schriftlich gegenüber dem WDR Stellung. Auf die Vorwürfe angesprochen schreibt sie, dass ihre Entscheidung dafür, die Bahnen aus dem Verkehr zu ziehen, "nicht auf einem einzelnen technischen Mangel, sondern auf der Gesamtheit der festgestellten sicherheitsrelevanten Sachverhalte" liege.

"Kein sicherer Weiterbetrieb gewährleistet"

Die Bezirksregierung bestätigt, dass es bei der temporären Stilllegung der Bahnen um Sicherheit geht:

"Dabei ist man gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass ein sicherer Weiterbetrieb der betroffenen Fahrzeuge in der bisherigen Form nicht mehr verlässlich gewährleistet werden konnte. Deshalb wurde entschieden, die Fahrzeuge vorsorglich außer Betrieb zu nehmen."   Vanessa Nolte, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf

Sie sieht vor allem die Verkehrsbetriebe selbst, in dem Fall also die Stadtwerke Bonn, in der Verantwortung, einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Linien 18, 63 und 68 betroffen

Die 60 Bahnen werden laut SWB alle gleichzeitig am Dienstag (21.7.2026) aus dem Betrieb genommen. Die Linien, die teilweise auch durch Köln, Hürth, Brühl und Bornheim fahren, können nach Angaben der Stadtwerke trotzdem in üblicher Taktung bedient werden. Allerdings werden die Bahnen kürzer sein, anstatt zwei Waggons werden sie dann nur einen haben.

Die Linien 18 und 63 werden mit Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) bedient. Auf der Linie 16 gibt es aktuell sowieso Bahnersatzverkehr und die Linie 68 wird wegen der geringeren Nachfrage in den Ferien in den kommenden Tagen nicht fahren.

KVB hilft aus, viele Bonner ahnen nichts

WDR-Reporter Sebastian Tittelbach berichtete am Montagabend live aus Bonn. Er sagte, viele Bonner ahnten nichts von den anstehenden Einschränkungen. Ein Laufband etwa auf den digitalen Abfahrtsinformationen fehlte zum Zeitpunkt seines Berichts vollständig.

Die Kölner Verkehrsbetriebe werden 20 ihrer Stadtbahnen ausleihen, damit ein Teil der ausfallenden Bahnen ersetzt werden kann. Dafür dünnt die KVB ihren eigenen Fahrplan etwas aus. Sie bittet bei den Fahrgästen um Verständnis. "Wir haben intern geprüft, in welchem Umfang das betrieblich möglich ist und haben eine Lösung gefunden, die wir angesichts der sinkenden Nachfrage in den Sommerferien unseren Fahrgästen gegenüber für vertretbar halten", so KVB-Vorstandsvorsitzender Marcel Winter.

So wird ab sofort die Linie 5 in Köln nur noch mit einem Einzelwagen fahren. Außerdem verkehrt die Linie 18 in der Hauptverkehrszeit morgens und nachmittags auch nur noch im Zehn-Minuten-Takt.

Kein Schienenersatzverkehr

Die Stadtwerke Bonn haben auf WDR-Nachfrage erklärt, dass sie keinen Schienenersatzverkehr für die betroffenen Bahnen einrichten werden. Einerseits gehen die SWB davon aus, dass durch die Unterstützung der KVB der normale Takt auch so gehalten werden kann. Andererseits möchten die Stadtwerke "weniger Verkehr auf den staubelasteten Straßen verursachen", deshalb setzen sie keine zusätzlichen Busse ein.

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung Stadtwerke Bonn
  • Mailverkehr mit den Stadtwerken Bonn
  • Beobachtungen und Recherchen des WDR-Reporters
  • WDR-Interview mit Stefanie Zießnitz, Pressesprecherin SWB
  • Statement der Bezirksregierung Düsseldorf

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 21.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Das sagt Stefanie Zießnitz von den Stadtwerken zu den Straßenbahn-Problemen, 21.07.2026, 08:15 Uhr

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