Wild West E-Scooter: Was kann das strengere Gesetz?
Aktuelle Stunde . 09.07.2026. 20:17 Min.. UT. Verfügbar bis 09.07.2028. WDR. Von Ann-Kathrin Stracke.
Links vorbei, rechts vorbei - und dann geht es doch nicht mehr weiter, weil der nächste E-Scooter den Weg komplett versperrt. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Elektroroller in den Städten rasant. In Köln fahren inzwischen knapp 20.000 E-Scooter. In Düsseldorf sind es 8.000, in Wuppertal 4000. Für viele Fußgänger und Radfahrer sind vor allem die falsch geparkten E-Scooter ein Problem. Sie blockieren Geh- und Radwege und führen zu Unfällen.
Wie Städte gegen wild abgestellte E-Scooter vorgehen
Viele Städte haben das Problem von falsch abgestellten Scootern erkannt und Maßnahmen ergriffen.
Viele Gehwege werden durch achtlos abgestellte E-Scooter blockiert.
Besonders groß ist der Handlungsbedarf in Köln. In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der Miet-Scooter dort auf 20.000 verdoppelt. Nächstes Jahr will die Stadt wieder zurück auf maximal 10.000 Roller. Bis dahin läuft eine Scooter-Patrouille durch die Altstadt und kontrolliert, ob die Roller richtig abgestellt wurden.
Andere Städte haben eigene Parkplätze für E-Scooter eingeführt. Die Roller dürfen nur innerhalb des Parkplatzes abgestellt werden. Außerhalb können die Roller nicht zurückgegeben werden. Das Konzept wird beispielsweise in Essen oder Düsseldorf umgesetzt. Auch Bochum und Mönchengladbach arbeiten daran.
In vielen Städten dürfen E-Scooter nur in eingzeichneten Zonen zurückgegeben werden
Interessant ist auch ein Ansatz aus Dortmund. Dort gibt es ein Ausgabelimit für die Scooter-Anbieter. In den drei Innenstadtbezirken dürfen alle Anbieter jeweils maximal 100 Scooter ausgeben. Jede Firma darf also insgesamt nur 300 Elektroroller in der Innenstadt anbieten.
Sind E-Scooter teil der Mobilitätswende oder nur Stolperfallen?
Die Meinungen zu den Rollern gehen auseinander. Die meisten E-Scooter-Fahrenden geben an, dass es ihnen vor allem Spaß bringen würde, mit dem Scooter unterwegs zu sein. Kritiker sagen, dass dadurch keine Autos ersetzt würden, sondern Fußgänger. Auf der anderen Seite sieht der Mobilitätsforscher Andreas Knie aber einen positiven Aspekt, weil der Weg zur nächsten Haltestelle für Bus und Bahn überbrückt werden kann.
"Die Möglichkeit, dass der Öffentliche Verkehr dadurch mehr Fahrgäste bekommt, ist da und die kann man auch nachweisen. Da sollten wir ein bisschen mehr Optimismus reinpacken. Das ist wirklich ein interessantes neues Verkehrsmittel." Andreas Knie, Mobilitätsforscher
Unfallzahlen mit E-Scootern nur teilweise erfasst
Alleine mit fahrenden E-Scootern sind in Nordrhein-Westfalen im letzten Jahr knapp 4500 Personen verunglückt. 46 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Das liegt aber vor allem daran, dass es immer mehr Scooter gibt.
"Einer Verdoppelung der Unfälle steht eine Vervierfachung der Scooter gegenüber", sagt Mobilitätsforscher Knie. Relativ gesehen sei die Zahl der Unfälle also in den letzten Jahren sogar gesunken.
Was bisher nicht statistisch erfasst wird, ist die Zahl der Unfälle mit abgestellten E-Scootern. Auch ist unklar, wie viele Unfälle es gibt, weil beispielweise Personen mit Kinderwagen oder Rollstuhl nicht über den Gehweg kommen und stattdessen über die Straße gehen müssen.
Bundestag beschließt neue Haftungsregeln bei E-Scootern
Der Bundestag hat gestern über die Frage entschieden: Wer haftet bei Unfällen mit E-Scootern? In Zukunft gelten für E-Scooter die gleichen Regelungen wie beispielsweise für Autos. Das bedeutet, dass zunächst die Fahrenden haften, sollten diese nicht entlastet werden können. Und in einem weiteren Schritt stehen die Halter der Fahrzeuge jetzt in der Verantwortung. Damit haften auch die großen Verleiher häufiger für Schäden, die durch ihre Fahrzeuge verursacht werden.
Wer mit der Vermietung von E-Scootern Geld verdient, muss auch Verantwortung für die Schäden übernehmen, die mit seinen Fahrzeugen verursacht werden. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig
Auch die Beweispflicht wird umgekehrt, wodurch Geschädigte häufiger Schadenersatz bekommen sollen.
Ob die Anbieter durch die neuen Regelungen mehr darauf achten werden, dass ihre Scooter nicht im Weg stehen, bleibt offen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Mobilitätsforscher Andreas Knie
- Stadt Köln
- Stadt Essen
- Stadt Düsseldorf
- Stadt Dortmund
- Deutsche Presseagentur
- Statista: Wieso nutzen Sie einen E-Scooter?
Sendung: WDR 5, Tag um zwölf, 09.07.26, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 09.07.2026, 18.45 Uhr