Abkühlung nach extrem heißen Tagen und tropischen Nächten: Mit der Hitze ist es in NRW erst einmal vorbei. Doch angeblich nicht für lange. Laut Medienberichten ist die nächste Hitzewelle im Anmarsch. Demnach deuten sich ab Sonntag wieder Spitzenwerte bei den Temperaturen an: Sowohl das amerikanische als auch das europäische Wettermodell sähen für Mitte nächster Woche wieder Werte jenseits der 35 Grad vor. Doch wie seriös ist das überhaupt?
Tim Gotsch vom ARD-Wetterkompetenzzentrum sagt, in den Wettermodellen gebe es "Signale" für eine mögliche Erwärmung. "Die Wetterlage, die wir zuletzt hatten, mit einem beständigen Hochdruckgebiet, das sich von Südwesteuropa bis nach Deutschland ausbreitet und dabei eigene Hitze produziert beziehungsweise heiße Luftmassen aus südlicher Richtung mitbringt, könnte sich wiederholen", so Meteorologe Gotsch. Allerdings:
"Details sind noch überhaupt nicht abzusehen - ob es überhaupt so kommt und wenn ja, ob es 30 bis 35 Grad oder 35 bis über 40 Grad geben wird." Tim Gotsch vom ARD-Wetterkompetenzzentrum
Wetter ist ein "chaotisches System"
Das liege daran, dass das Wetter als ein "chaotisches System" beschrieben werden kann, da sehr viele Parameter mit hineinspielten. Vereinfacht gesagt berechneten die Wettermodelle, auf deren Grundlage die Wettervorhersage betrieben wird, ihre Prognosen anhand von Anfangsbedingungen. Das seien tatsächlich gemessene Werte von sämtlichen Wetterstationen über den Globus verteilt, die dort eingehen.
Durch den sogenannten chaotischen Effekt, also wenn sehr viele physikalische Größen zusammenwirken, könnten selbst kleine Änderungen an den Startbedingungen schon nach kurzer Zeit zu großen Änderungen in der Prognose führen. Das ist auch bekannt als Schmetterlings-Effekt. Liegt die Temperatur beispielsweise zu Beginn einer Berechnung etwas höher, so könne das im Endeffekt zu mehr Regen führen, da die Luft bei höheren Temperaturen mehr Wasserdampf enthält, der wiederum ausgeregnet werden kann.
Weitere Hitzewellen könnten kommen - Sicher ist das aber nicht
Meteorologe Tim Gotsch
"Jedes Wettermodell arbeitet etwas anders und wurde mit nahezu unzähligen Berechnungen programmiert, die sich je nach Wetterdienst etwas unterscheiden", so Gotsch. Damit trete der Schmetterlingseffekt nicht nur bei einem Modell von Berechnung zu Berechnung ein, sondern auch bei zwei verschiedenen Modellen. "Beachtlich an der vergangenen Hitzewelle ist, dass sich diese extreme Hitze schon im Juni aufgebaut hat und deshalb sämtliche Rekorde pulverisiert hat", sagt Gotsch. Denn üblicherweise gebe es die heißeste Zeit des Jahres mit den größten Hitzewellen zwischen Mitte/Ende Juli und Mitte August.
"Wir haben die bisher größte Hitzewelle im Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen überstanden, jedoch geht der meteorologische Sommer noch über zwei Monate und die statistisch wärmste Zeit des Jahres könnte weitere Hitzewellen bereitstellen", so Gotsch. Und: Ohnehin ist in Zeiten der Klimaerwärmung ein überdurchschnittlich warmer Sommer wahrscheinlicher als ein unterdurchschnittlicher.
Unsere Quelle:
- Tim Gotsch vom ARD-Wetterkompetenzzentrum
Sendung: WDR.de, Kommt die nächste Hitzewelle? 29.06.2026, 19:44 Uhr
