Nach Tod eines Zugbegleiters: Ruf nach Konsequenzen
Aktuelle Stunde . 05.02.2026. 43:23 Min.. UT. Verfügbar bis 05.02.2028. WDR. Von Kristina Klusen.
Tod von Zugbegleiter: Betroffenheit in NRW - Konsequenzen gefordert
Stand:
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einer Regionalbahn ist das Entsetzen groß. Eine Zugbegleiterin aus NRW fordert: Das Personal dürfe in den Zügen nicht allein unterwegs sein. Auch Landesverkehrsminister Krischer sagt: Man müsse über Konsequenzen sprechen.
Wir wollen deine Meinung hören!
Jetzt mitdiskutieren"Wir haben natürlich gehofft und gebetet, dass er es überleben wird", sagt Zugbegleiterin Inna Lorenz dem WDR. Die Nachricht vom Tod des Kollegen Serkan C. nach einem Angriff in einem Regionalexpress bei Kaiserslautern, die "hat etwas mit uns allen gemacht".
Zugbegleiterin: bespuckt, beschimpft, getreten
Inna Lorenz, EVG, Zugbegleiterin
Angriffe auf Zugbegleiter sind keine Seltenheit. Man werde von Fahrgästen bespuckt, beschimpft, getreten, aus der Tür geschmissen oder auch mit Messern angegriffen, berichtet Lorenz, die sich auch in der Eisenbahngewerkschaft EVG engagiert, aus eigener Erfahrung. Sie macht sich schon lange Sorgen - weil "überhaupt nicht sicher ist, dass wir nach Hause kommen abends".
Laut Bundesinnenministerium gab es allein in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres tausende Angriffe auf das Personal der Deutschen Bahn:
- 2.987 Straftaten insgesamt
- darunter 1.555 Fälle von Körperverletzung
- sowie 324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung
Hinzu kommen noch die Straftaten gegen die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Bahnunternehmen.
In der Sicherheitsdatenbank Sidaba NRW sind für das Jahr 2024 6.678 Beleidigungen registriert - überwiegend gegen Kontroll- und Sicherheitspersonal. Außerdem wurden 905 Fälle von Körperverletzung und 124 Sexualdelikte registriert. In allen drei Bereichen ist das mehr als im Vorjahr. Auch die Bundespolizei berichtet von steigenden Zahlen bei Beleidigungen und Gewaltdelikten.
Zugbegleiter Serkan C. von Schwarzfahrer attackiert
Der 36-jährige Serkan C. hatte am frühen Montagabend in einem fahrenden Regionalexpress in Rheinland-Pfalz einen alleinreisenden Mann kontrolliert, der kein gültiges Ticket hatte. Nach Angaben der Polizei forderte der Zugbegleiter den Mann zum Aussteigen auf. Daraufhin schlug er offenbar auf den Zugbegleiter ein. Serkan C. musste reanimiert werden. Am Mittwoch starb er in einem Krankenhaus an einer Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf.
Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen.
Konsequenzen gefordert: Zugbegleiter sollten nicht allein sein
Das Zugpersonal müsse besser geschützt werden, fordert Inna Lorenz: "Dass die Züge doppelt besetzt werden. Dass der Zugbegleitdienst nicht allein unterwegs sein muss. Dass immer ein Kollege da ist." Denn es sei leider Standard, dass Zugbegleiter in Regionalzügen allein im Einsatz sind, berichtet Lorenz.
Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister
In NRW sei schon einiges getan worden, um Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr besser zu schützen, sagt Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) dem WDR: "Es sind viele Sicherheitsteams unterwegs. Wir haben Kameraüberwachung. Wir setzen Bodycams ein. Wir schulen das Personal, sich zu wehren."
"Aber diese Tat führt natürlich dazu, dass wir darüber sprechen müssen: Was können wir noch weiter tun?", so der Minister. Der tödliche Angriff auf Zugbegleiter Serkan C. "macht uns alle betroffen", sagt er. "Das ist unfassbar."
GDL-Chef: Angriffe müssen konsequenter geahndet werden
Mario Reiß, GDL-Chef
Es wäre schon mal "ein großer Schritt", wenn Angriffe auf Zugpersonal wirklich immer konsequent geahndet werden würden, sagt Mario Reiß, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, dem WDR. Das sei leider oft nicht der Fall.
Stattdessen sei es häufig umgekehrt, sagt Reiß und nennt ein Beispiel: "Vor Jahren wäre es keinem vorstellbar gewesen, dass ein Polizist angegriffen wird und er muss sich jetzt praktisch der Beweisaufnahme unterstellen, ob der Angreifer nicht eventuell durch den Polizisten provoziert wurde." Da laufe etwas schief. "Und das befördert natürlich, dass Straftäter sich sicher und unbeschadet fühlen."
Umstrittene Idee: Bodycams für Zugbegleiter
Von Bodycams für Zugbegleiter hält die GDL nichts. In einer Konfliktsituation sei nicht die Zeit, um die Kamera anzustellen und den Fahrgast darüber zu informieren, meint Reiß.
Ralf Damde, Gesamtbetriebsrat DB Regio
Anders sieht das Ralf Damde, der als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats DB Regio ebenfalls die Interessen der Beschäftigten vertritt. Er fordert sogar: "Wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt und nicht nur das Filmmaterial", sagt er dem WDR. So etwas dürfe nicht an Datenschutzbestimmungen scheitern.
Eine weitere Idee zum Schutz von Zugbegleitern, über die jetzt diskutiert wird: Ticketkontrollstationen mit Drehkreuzen oder anderen Sperren. Das würde schwarzfahren zumindest erschweren. Ob es dadurch aber auch weniger Angriffe von Fahrgästen gäbe?
Damde hält die Idee für nicht umsetzbar. So etwas sei zwar bei der Pariser Metro oder Hochgeschwindigkeitszügen möglich. "Aber wir haben freie Bahnsteigzugänge." Um solche Sperren einzubauen, müsste man Milliardensummen investieren und würde letztlich die Freiheit einschränken.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Zugbegleiterin Inna Lorenz von der Eisenbahngewerkschaft EVG für die Aktuelle Stunde am 04.02.2026
- WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
- WDR-Interview mit GDL-Chef Mario Reiß, WDR Fernsehen, "WDR aktuell, 04.02.2026., 21.45 Uhr
- WDR-Interview mit Ralf Damde, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats DB Regio Schiene/Bus, "Morgenecho" vom 05.02.2026
- Nachrichtenagenturen dpa und epd
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.02.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 05.02.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.02.2026, 18:45 Uhr
12 Kommentare
Kommentar 12: Anonym schreibt am 06.02.2026, 22:52 Uhr :
Der Täter ist laut griechischer Botschaft ein Syrer. Es wird gerade geprüft, ob der vorgelegte Pass echt ist oder wohlmöglich illegal besorgt. Interessant wäre zu wissen, warum nicht der Vorname des Täters genannt wird. Sicherlich gibt dieser auch einen Indiz zur Herkunft und/oder Hintergrund. Wieder einmal, zeigt das öffentlich rechtliche Fernsehen sein, meines Erachtens, Anti - Griechisches Gesicht.
Kommentar 11: Effrosyni schreibt am 06.02.2026, 21:29 Uhr :
Wenn sie behauptet das eine Grieche ist schreibt der Name der Täter..Aber nein schreiben sie nicht. Haben sie eine Griechische Pass gesehen und laut geschrieben. Bekommen sie mehr Informationen und dann schreiben sie auf eute Seite.
Kommentar 10: Rollgardina Pfefferminz schreibt am 06.02.2026, 10:33 Uhr :
Solche traurigen Meldungen bestätigen den Eindruck, dass Unzufriedenheit und Gewalt ganz allgemein zugenommen haben seit Corona und den Multikrisen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von diffusem Bedrohungsgefühl über soziale Not, aufgeheizte Social Media, mangelnde moralische Orientierung in der Erziehung, militaristische Kampfsprache in allen Medien, Spielen und vielen Kanälen, gesteuerter Zunahme toxischer Maskulinität, Suchtstoffe... In unseren Gesetzen gibt es ausreichend Bestrafungsmöglichkeiten, die hier konsequent angewendet werden sollten. Härtere Strafen werden das Problem ganz gewiss nicht verringern, sie verstärken bloß das Angstgefühl und bergen die Gefahr von missbräuchlicher autoritärer Staatsgewalt. Besonders kontraproduktiv ist, bei Erziehung, Bildung, gesellschaftlicher Integration, Minimalversorgung und Demokratieförderung zu sparen, während die Menschen immer härter arbeiten sollen.
Antwort von Kerckhoff Stephan , geschrieben am 07.02.2026, 08:31 Uhr :
Es ist doch letztlich egal, welche Nationalität der Täter hatte. Und wieso sollen härtere Strafen unbescholtene Bürger verängstigen? Wenn ich mich ordentlich benehmen passiert nichts, und was spricht gegen eine härtere Bestrafung von Verbrechern?
Kommentar 9: Tina B schreibt am 05.02.2026, 19:23 Uhr :
Bitte mal kerrehieren ;; Der Täter ist kein Grieche , sondern ein Syrer der über Griechenland nach Luxembourg einreiste und wohl dort lebt! Bitte um Korrektur ! Danke
Antwort von WDR.de , geschrieben am 06.02.2026, 11:30 Uhr :
Hallo Tina B.! Haben Sie eine Quelle zu dieser Information? Viele Grüße aus der Redaktion.
Kommentar 8: Anonym schreibt am 05.02.2026, 18:38 Uhr :
Wir brauchen nicht noch mehr Polizei , Security ,Fachkräfte aus der unterentwickelten 3. Welt, sondern konsequente Kontrolle der Grenzen , einen Befähigungsnachweis von sog Volksvertretern , Dummlaberverbot besonders in TV-talkshows .Man kann bald nicht mehr jeden Bürger mit persönlichen bodyguard, Polizei, Scharfschützen auf dem Dach schützen lassen.
Kommentar 7: Franziska 1 schreibt am 05.02.2026, 18:01 Uhr :
Bei Zeitenwende alles ummodeln was für Menschen mal sicherer war? Wir leben in einer Zeit, wo weniger Personal den Menschen glücklich macht? KI kann nicht alle Menschen vor Gefahren schützen, mancher Mensch hat einen bösen Kopf. Überfalle, Angriffe nehmen zu, mit wenig Personal werden sie nicht weniger. Welcher Job ist noch sicher, wenn kein Beschützer mehr an der Seite stehen soll, wie bei den Zugbegleitern die alleine gelassen werden. Heutzutage macht man sich eine Welt was nur der Wirtschaft, den Unternehmer finanziell gefällt? Schaut in den Alltag der Privatleute, die sind nicht allein und warum? Weil sie den Gefahren - Begleiter ausgesetzt werden, egal wohin sie gehen oder sich aufhalten. Mehr Schutzpersonal durch Menschen ist gefragt. Video nehmen nur auf, wenn tödliche Überfälle schon passiert sind. Teilweise werden sie erst von der Polizei/ Gericht nach einer Tat angeschaut. Das ist kein Schutz für Menschen, weder bei der Bahn noch woanders, ohne mehr Personal.
Kommentar 6: Anonym schreibt am 05.02.2026, 17:22 Uhr :
Diese Fälle , wie hier , die überhaupt in den Medien Erwähnung finden , sind nur die totale Spitze des Eisbergs . und täglich grüßt das Murmeltier ! D nimmt EU weit die mit Abstand meisten Migranten auf, die hier gem- Art. 16 a GG gar nicht hier sein dürften und alimentiert sie auch noch voll, natürlich geschenkt , wofür die Biodeutschen schwer schuften müssen !Eine gerechte Aufteilung der Migranten, die in die EU bei total open doors , unkontrolliert strömen , gibts nicht, weil D mit den höchsten Sozialleistungen für Ausländer lockt, eine Überprüfung der Identität kaum statt findet, und die EU-Nachbarn froh sind,daß D gelogen behauptet ja so wahnsinnig Fachkräfte brauche und Alle dort abschieben können.
Kommentar 5: Brigitta S. schreibt am 05.02.2026, 16:57 Uhr :
324 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, da ist jede zu viel. Sparmaßnahmen beim Personal für Menschen die öffentlich unterwegs sind, bringt Nachteile. Rationalisierung bedeutet zwar Kostensenkung, aber bringt Gefahren. Ob in NRW oder in ganz Deutschland, man spart beim Bahn- Personal und anderen Bereichen gefährlich ein. Ohne Schutzpersonal wird ein Risiko eingegangen, man stellt einen Zugbegleiter/in für viele Menschen in den Zug? Wie kann ein Einzelner im Dienst sich wehren bei einem Überfall wie im Artikel beschrieben? Bodycams für Zugbegleiter was sollen die bringen, wenn in Sekunden einem Zugbegleiter Gewalt angetan wird? Hilfe ist in Sekunden da? „Landesverkehrsminister Krischer sagt: Man müsse über Konsequenzen sprechen“. Sprechen ist zu wenig, es muss mehr gehandelt werden um Personal zu schützen. Reden, erst wenn wieder was passiert ist bei wenig Personal? Gras lässt man wieder darüber wachsen, bis zum nächsten Überfall mit Todesfolge.
Kommentar 4: Beppone schreibt am 05.02.2026, 16:37 Uhr :
Ich finde das mit den Bahnsteigsperren gar nicht schlecht. Das gibt es in den Niederlanden an allen großen Bahnhöfen. Sprich: Ohne Fahrkarte kommt man erst gar nicht in den Bahnhof rein. Dadurch werden all Diejenigen schon mal aussortiert, die kein Ticket haben oder nur im Bahnhof rumlungern möchten. Klar, an kleineren Bahnhöfen geht das nicht. Aber für die größeren Bahnhöfe wäre es sicher schhonmal ein guter Schritt.
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.02.2026, 23:06 Uhr :
@Beppone, in Moskau ist die Metro auch gut abgesichert. Vorher die Bahnkarte, ohne kommt man nicht an die Metro- Bahnsteige. Bei jeder Durchgangsperre stand der Security, dass erlebte ich vor 25 Jahren, ich bin überzeugt es ist heutzutage auch noch so. Was positiv ist als Schutz, darf ich hoffentlich hier bewerten, dass eine hat mit "dem anderen" nichts zutun!
Kommentar 3: Henry Müller schreibt am 05.02.2026, 16:18 Uhr :
Alle reden über Sicherheit wenn etwas passiert,aber es passiert nichts. Weil Sicherheit Geld kostet . Es gibt gut ausgebildete Sicherheitsmitarbeiter die gerade für solche Aufträge und Einsatzorte ausgebildet werden. Diese Firmen legen viel Wert auf die Aus und Weiterbildung und auch die Ausrüstung ihrer Mitarbeiter ist auf einem sehr hohen Niveau. Doch bei den öffentlichen Ausschreibungen werden sie Übergangen. Das Sicherheitsgefühl der Bürger und auch der Zugbegleiter oder Kontrolleure im ÖPNV sollte nicht nur Subjektiv dargestellt werden ,wie es die Politik fordert. Sicherheit muß Real sein und nicht nur ein Gefühl.
Kommentar 2: Anonym schreibt am 05.02.2026, 15:54 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)