Jessica Frieß aus NRW engagiert sich für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Jessica Frieß aus NRW engagiert sich für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

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Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl Wahlhelfer aus NRW in Magdeburg

Stand:

Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt geht in die Endphase. Auch Menschen aus Nordrhein-Westfalen sind als freiwillige Helfer vor Ort.

Flyer verteilen, Menschen auf der Straße ansprechen, wir sind im Straßenwahlkampf in Magdeburg. Hier steht auch Jessica Frieß in der Innenstadt, macht Wahlkampf für die Grünen. Dafür ist sie extra aus Krefeld angereist.

Jessica Frieß ist sogenannte Wahlkampf-Urlauberin, eine von mehr als 850, die die Partei vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt unterstützt. Für eine Woche ist sie gekommen, schläft bei einer Parteifreundin aus Magdeburg, auf deren Couch. Noch ist unklar, ob die Grünen es bei der Wahl in den Landtag schaffen. Für die Freiwilligen eine ungewohnte Situation. In NRW sind die Grünen Regierungspartei.

Wahlkampf in Sachsen-Anhalt statt Strandurlaub

Jessica Fließ
"Ich finde es sehr erschreckend, wie viele Menschen hier die AfD wählen. Und ich habe festgestellt, dass auch in Krefeld viele Menschen AfD wählen. Und mich interessiert, was die Leute umtreibt und wie man die überzeugen kann." Jessica Frieß über ihre Motivation

Sie hätte sich in ihrem Urlaub auch an einen Strand legen können, erzählt sie uns. Ihr sei aber wichtig, sich politisch zu engagieren. Und das höre eben nicht an einer Landesgrenze auf.

Und auch er ist aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen-Anhalt gereist, um hier im Wahlkampf mitzumachen: der Kölner Bernhard Weitzell. "Die einen klopfen mir auf die Schulter, finden das toll, dass ich das vermeintliche Meinungsmonopol, breche. Die anderen verfluchen mich. Einer ist jetzt gerade mit dem Fahrrad um mich rumgefahren und hat gerufen: Hau ab nach Köln, hau ab nach Köln", sagt der emeritierte Lehrer.

Selfies mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Landtagswahlkampf

Wir fahren ein paar Kilometer weiter, wollen wissen, was die Menschen hier bewegt. Im von Hochhäusern geprägten Magdeburger Stadtteil Kannenstieg sehen wir Menschen die Schlange stehen: Für Autogramme und Selfies mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Manche sind eigens zum Infostand angereist. So wie zwei Frauen, die ihren Namen nicht sagen wollen. Sie sind bekennende Ulrich Siegmund-Fans. Der sei menschlich, nicht so fernab wie andere Politiker, einfach cool, erzählen sie uns begeistert.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schüttelt die Hand einer Frau im Wahlkampf

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Bildquelle: WDR

Fragt man die Frauen, beide in Sachsen-Anhalt geboren, nach ihrem Leben, wird die Stimmung gedrückter. 1.000 Euro Rente bekomme sie, nach 45 Jahren als Köchin, sagt die eine. Die andere erklärt, im Monat für 300 Euro Sprit zu tanken, um zu ihrer Arbeitsstelle im Einzelhandel zu kommen. Von Kanzler Friedrich Merz halten die beiden nichts, umso mehr dagegen von der AfD. Auf Siegmunds Wahlplakat steht, er wolle "das Land retten". Damit spricht er die beiden Frauen offenbar an.

Was sich in Sachsen-Anhalt aus Sicht vieler ändern muss

Zweihundert Meter vom Wahlkampfstand entfernt, vor einem Mehrfamilienhaus, treffen wir das Ehepaar Ingrid und Wolfgang. Seit 1978 leben sie im Magdeburger Stadtteil Kannenstieg. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt in Umfragen auf 42 Prozent kommt, wundert Wolfgang nicht. "Ich glaube, das ist die Zukunft." Was sich draus ergebe, sei eine andere Frage. Aber es müsse sich dringend etwas ändern im Land: "Wir sind noch die ersten, die hier eingezogen sind in diese Wohnhäuser damals. Und wir sterben aus. Und die Wohnungen werden aufgefüllt mit Ausländern. Und das ist schlimm", sagt Wolfgang.

Das Ehepaar Ingrid und Wolfgang im Gespräch

Sagen, es müsse sich dringend etwas ändern in Sachsen-Anhalt - Ingrid und Wolfgang aus Magdeburg

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In Magdeburg-Kannenstieg liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei etwa 32 Prozent. In ganz Sachsen-Anhalt sind es etwa 12 Prozent. Das ist niedrig im bundesweiten Vergleich. Ganz anders als NRW: Hier ist der Anteil, mit 35,4 Prozent, so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Aber: Migration ist in Sachsen-Anhalt ein Thema, das die Menschen vor der Landtagswahl bewegt, zeigen Umfragen.

Schaut man sich die anderen Statistiken an, dann ist die Kriminalitätsrate in Sachsen-Anhalt heute niedriger als in den neunziger Jahren, ebenso die Arbeitslosigkeit. Viele Städte sind saniert. Gleichzeitig haben überdurchschnittlich viele Menschen das Bundesland verlassen, dafür sind Menschen aus anderen Ländern hinzugezogen. Und das scheint vielen hier Angst zu machen.

Zwischen Wahlkampf und Wunsch nach Wechsel

Bildquelle: IMAGO/Agentur Matthias Wehnert / M. Gränzdörfer

WDR 4 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 18.08.2028

Strukturwandel in Sachsen-Anhalt und Parallelen zu NRW

Sachsen-Anhalt hat einiges mit NRW gemeinsam und doch wissen wir so wenig. Wie bei uns gibt es auch hier eine wichtige Chemieindustrie und Tagebau. Der Strukturwandel ist dort nicht nur ein wirtschaftliches Thema, sondern für viele Menschen eine persönliche Erfahrung: Arbeitsplatzverlust, Abwanderung der Kinder, geschlossene Geschäfte, weniger Busverbindungen, Ärztemangel oder das Gefühl, dass die eigene Region politisch wenig Aufmerksamkeit bekommt. Sachsen-Anhalt hat seit der Wiedervereinigung rund ein Viertel seiner Bevölkerung verloren und zählt heute nur noch etwa 2,12 Millionen Einwohner.

Wo in Halberstadt und Sachsen-Anhalt der Schuh drückt

Wir fahren weiter. Etwa eine Stunde Fahrtzeit von Magdeburg entfernt, in Halberstadt, einer 35.000-Einwohnerstadt im Harz, wirbt Alexander Luft als Direktkandidat um Stimmen für die Partei Die Linke, seit zwei Jahren ist er im Stadtrat seiner Heimatstadt Halberstadt. Luft ist 36 Jahre alt, Steinmetzmeister und studierter Informatiker.

Die Altstadt von Halberstadt ist geprägt von sanierten Fachwerkhäusern. In der Umgebung gibt es Natur und UNESCO-Welterbestätten. Alexander Luft lebt gerne hier, fühlt sich nicht benachteiligt, viele andere Menschen in Sachsen-Anhalt aber schon. Und das habe viel mit der Geschichte des Bundeslandes zu tun, sagt er.

Alexander Luft
„Wir haben nach der Wende hier im Osten überall viel Arbeitsverlust gehabt. Viele Leute mussten sich neu erfinden, weil ihre Jobs nicht mehr existierten.“ Alexander Luft

Die Löhne und Renten sind in Sachsen-Anhalt im Schnitt niedriger als im Westen, die Ersparnisse der Menschen ebenfalls, dafür kosten Butter und Benzin genauso viel. Alexander Luft: "Die Menschen sagen, wo der Schuh drückt, aber sie haben das Gefühl, dass das bei der Politik nicht ankommt. Und das sorgt für Verdruss."

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Stadt Magdeburg
  • Statistisches Bundesamt

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 30.08.2026, 18:45 Uhr
Sendung: wdr.de, Zwischen Wahlkampf und Wechsel, 31.8.2026, 5.00 Uhr
Sendung: wdr.de, Sachsen-Anhalt, wer bist du, 31.8.2026, 5:00 Uhr

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