Was das Wahlergebnis für NRW bedeutet | Westpol

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WDR 4 Min. 45 Sek. Verfügbar bis 06.09.2028

Wahl in Sachsen-Anhalt Was das Wahlergebnis für NRW bedeutet

Stand:

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar, die CDU halbiert ihr Ergebnis. Für Nordrhein-Westfalen ist das mehr als ein Wahlabend in einem anderen Bundesland: Die Wahl könnte die Kanzlerdebatte um Hendrik Wüst neu in Gang bringen, sieben Monate vor der eigenen Landtagswahl.

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Noch am Dienstagabend war Hendrik Wüst in Magdeburg unterwegs. Der Ministerpräsident aus dem Westen warb nochmal für seinen CDU-Amtskollegen Sven Schulze.

Auf den ersten Blick liegt das auf der Hand, Wüst ist einer der beliebtesten Politiker in Deutschland insgesamt, vielleicht der beliebteste, den die CDU insgesamt hat. Gleichzeitig steht Wüst für einen Kurs von Maß und Mitte und eine Koalition mit den Grünen. Für nichts davon gibt es in den CDU-Landesverbänden im Osten viel Sympathie: Schließlich ist die Union gerade hier massiv unter Druck, und zwar von rechts.

Hendrik Wüst (l, beide CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, sprechen während eines Bürgergesprächs

Hendrik Wüst und Sven Schulze bei einem Bürgergespräch

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Dass Wüst das Ruder für Schulzes CDU nicht rumreißen würde, war allen klar. Dass das Ergebnis am Ende so ausfällt, dürfte alle in der Union trotzdem erschüttern. Die CDU holt laut ARD-Hochrechnungen von 21:08 Uhr nur noch 17,8 Prozent, die AfD 44 Prozent. Vor fünf Jahren waren es in Sachsen-Anhalt unter Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent für die CDU.

NRW als letzte CDU-Bastion?

In Nordrhein-Westfalen steht die CDU in Umfragen bei 32 Prozent. Das ist mit Abstand der beste Wert, den die Partei irgendwo in Deutschland hat.

Doch auch hier ist die Lage nicht so ruhig, wie es die Zahl aussehen lässt. Bei der Kommunalwahl 2025 holte die CDU in NRW 33 Prozent. Sie blieb stärkste Kraft und fuhr trotzdem ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt ein. 2022 waren es bei der Landtagswahl noch 35,7 Prozent.

Die NRW-AfD schaut Richtung Osten

Bei der NRW-AfD dürfte man sich über den Wahlsieg der Parteikollegen im Osten freuen. Bei der Kommunalwahl 2025 kam sie in NRW auf rund 15 Prozent - dreimal so viel wie 2020. In aktuellen Umfragen liegt sie in NRW bei rund 17 Prozent.

Auch hier sind die Verhältnisse also anders als vor vier Jahren. Bei der Landtagswahl 2022 holte die AfD in NRW 5,4 Prozent, bei der nächsten NRW-Landtagswahl im April 2027 könnte sie nach aktuellen Umfragen dreimal so stark sein. Um die Macht geht es für den NRW-Parteivorsitzenden Martin Vincentz in sieben Monaten trotzdem nicht, dafür ist der Abstand aktuell zu groß.

Die SPD hält, was sie noch hat

9,1 Prozent holt die SPD in Sachsen-Anhalt, vor fünf Jahren waren es 8,4. Die Partei hat an diesem Abend also fast nichts verloren, sie hat aber auch kaum etwas gewonnen. In der NRW-SPD liest man das Ergebnis entsprechend.

Frederick Cordes (SPD)
"Unser großer Dank gilt den vielen engagierten SPD-Mitgliedern in Sachsen-Anhalt. Sie haben unter schwierigen Bedingungen gekämpft und das Ergebnis der SPD in einer für unsere Partei schwierigen Zeit stabil gehalten." Frederick Cordes, Generalsekretär NRW-SPD

"Stabil" ist die Lesart einer Partei, die sich daran gewöhnt hat, dass es schlimmer kommen kann. In NRW steht die SPD massiv unter Druck: Jochen Ott will im April Ministerpräsident werden, seine Partei steht in der Landesumfrage allerdings gleichauf mit der AfD bei 17 Prozent. Bei der Kommunalwahl 2025 hat sie mit 22 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt geholt. Und im Ruhrgebiet, früher SPD-Hochburg, wurde die AfD stärkste Kraft.

Die Grünen gewinnen - und das im Osten

Neben der AfD ist es nur eine Partei, die an diesem Abend deutlich zulegt: die Grünen. 8,7 Prozent in einem Land, in dem sie 2021 mit 5,9 gerade so in den Landtag kamen, aus den Landtagen in Brandenburg und Thüringen flogen sie zuletzt sogar raus.

In Nordrhein-Westfalen läuft die Kurve allerdings andersherum. Bei der Kommunalwahl stürzten die Grünen von 20 auf 13 Prozent, in aktuellen Umfragen in NRW stehen sie bei 15. Und das, obwohl sie gemeinsam mit der CDU weitgehend ohne politischen Streit in NRW regieren. Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur betont die sachorientierte Zusammenarbeit:

"Wir in NRW tun dies jeden Tag. Ohne ständigen öffentlichen Streit und mit klarem Kompass. Mona Neubaur, stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin

Die FDP fliegt aus dem Landtag

2,4 Prozent holt die FDP, vor fünf Jahren waren es 6,4 - und sie saß in Magdeburg mit am Kabinettstisch. Jetzt ist sie aus dem Landtag verschwunden. Auch für den NRW-Parteivorsitzenden ist das "eine Zäsur und für die Freien Demokraten eine Enttäuschung."

Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP NRW und stellv.r Bundesvorsitzender
"Ich danke Lydia Hüskens und den Wahlkämpfern für den großen Einsatz, ihr Ausscheiden tut mir leid. Wir kämpfen weiter um das Comeback der FDP, als nächstes in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern!" Henning Höne, Landesvorsitzender der FDP NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender

Auch in Nordrhein-Westfalen, Stammland der Liberalen, dürfte es schwer werden. Bei der Kommunalwahl 2025 kamen sie auf 3,6 Prozent, in aktuellen Umfragen in NRW stehen sie bei 5 Prozent. Höne führt seine Partei im April also an genau der Hürde entlang, die sie in Sachsen-Anhalt gerade aus dem Parlament geworfen hat.

Diskussion über einen "Kanzlertausch"

Vier Bundesländer besucht der NRW-Ministerpräsident in diesen Tagen und ist damit im September das, was die CDU sonst von ihrem Kanzler erwarten würde: ein Zugpferd. Im Sommer gab es schon einmal die Debatte um Wüst als "Einwechselkanzler".

Vergangene Woche wurde Hendrik Wüst auf einer Pressekonferenz gefragt, ob er 2027 uneingeschränkt als Spitzenkandidat und auch als Ministerpräsident zur Verfügung stehe. "Wenn meine Partei das möchte", antwortete er knapp. Aber was, wenn sie ihn als Kanzler will?

Albrecht von Lucke, Jurist, Politikwissenschaftler und politischer Publizist.
"Gegenwärtig ist Hendrik Wüst kein Kandidat, weil er seine Landtagswahl im April gewinnen will. Gelingt es Friedrich Merz aber bis dahin nicht, den Turnaround zu schaffen, dann ist die Personalie Hendrik Wüst absolut wieder ein Thema." Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler

Erst einmal schauen in Berlin alle auf Sachsen-Anhalt und die anstehende schwierige Regierungsbildung, danach auf die anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Wenn die Fliehkräfte in der Union und der Bundesregierung weiter zunehmen, werden sich die Blicke danach auf NRW und wohl auch auf den Ministerpräsidenten fokussieren.

Unsere Quellen:

  • Infratest dimap
  • Interview mit Albrecht von Lucke
  • Statements von SPD NRW, FDP NRW

Sendung: WDR, Westpol, 06.09.2026, 19:30 Uhr

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