Ministerpräsident in der Türkei : Wüst trifft Erdogan
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Die Reise von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in die Türkei war erst wenige Stunden alt, da hatte sie bereits ihre erste Überraschung. Der Unionsmann aus Westfalen traf den mächtigsten Mann der Türkei, Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Diese Ehre ist bislang keinem anderen Ministerpräsidenten zuteil geworden.
In dem 50 Minuten langen Austausch im Präsidentenpalast in Ankara sei es vor allem um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei gegangen, so Wüst im Anschluss. "Nordrhein-Westfalen und die Türkei verbindet eine besondere Beziehung", sagte Wüst mit Blick auf die etwa eine Million Menschen in NRW mit türkischen Wurzeln.
Offener Dialog trotz Differenzen
Wüst hat nach eigenen Angaben auch kritische Themen, etwa die Lage der Menschenrechte in der Türkei, angesprochen.
"Gerade weil unsere Beziehungen so eng sind, müssen auch schwierige Fragen Teil eines offenen Dialogs sein." Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident
Worüber genau die beiden Politiker sprachen, blieb unbeantwortet. Vermutlich ging es aber auch um konkrete Fälle. Wüst zeigte sich angetan von Erdogans Kenntnissen der Politik in Deutschland.
"Er ist sehr interessiert an der innenpolitischen Lage und auch an der Frage, welche Wahlergebnisse es in jüngster Zeit in Deutschland gegeben hat." Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident
Gemeinsame Geschichte als Brücke
Mit der Reise will Wüst auch an das deutsch-türkische Anwerbeabkommen aus dem Jahr 1961 erinnern. Zum 65. Geburtstag dieses Programms, in dessen Folge viele Menschen aus der Türkei zum Arbeiten nach Deutschland und NRW gekommen waren, hatte er vor zehn Tagen bereits in Düsseldorf einstige Gastarbeiter und ihre Familien bei einem Festakt empfangen. Auch das, so ist zu hören, sei bei Erdogan auf ein positives Echo gestoßen.
Mehr als ein diplomatischer Termin
Der Besuch im Präsidentenpalast war das Thema, das den ersten Tag bestimmte. Viele mitreisende Journalisten beschäftigt seitdem die Frage, welche Motive für die Begegnung wohl Erdogan hatte - und welche Wüst.
Dass die Pflege der deutsch-türkischen Beziehungen Hendrik Wüst im herannahenden Wahlkampf in NRW nutzen könnte, ist angesichts der stattlichen Zahl von türkischstämmigen Wählerinnen und Wählern naheliegend.
Wüst und Erdoğan im Präsidentenpalast in Ankara
Bildquelle: dpa / Marcel KuschUnd womöglich wollte sich Erdogan persönlich ein Bild des Mannes machen, der in Deutschland schon als möglicher nächster Kanzler gehandelt wurde. Seit diesem Tag in Ankara ist auch klar, dass die Dauerkrise der Union Wüst bis in die Türkei verfolgt.
Die Kanzlerfrage reist mit
Dabei ist es unüblich, auf Auslandsreisen über die Innenpolitik zu reden. Zumindest öffentlich. Doch das nicht enden wollende Jammertal, aus dem Friedrich Merz und seine Koalition keinen Ausweg zu finden scheinen, heizt die Spekulationen um Wüst immer wieder an.
Wüst selbst versuchte in Düsseldorf zuletzt bei jeder Gelegenheit, den Gerüchten kein neues Futter zu geben. Er wolle Ministerpräsident bleiben, sagte er noch am Sonntag im WDR. Doch nach dem weltmännischen Auftritt vor großer Kulisse in der Türkei entfacht er selbst wieder das Feuer, das er eigentlich austreten wollte.
Nächste Station: Istanbul
Neben weiteren politischen Gesprächen stehen in den nächsten beiden Tagen Wirtschaftskontakte und die Verleihung der Mevlüde-Genç-Medaille an den Fußballer Ilkay Gündogan auf dem Plan.
Nach Ankara wird Istanbul die zweite Station der Reise sein. Die Türkei ist mit einem Volumen von elf Milliarden Euro nach Angaben der Staatskanzlei der drittgrößte Handelspartner von Nordrhein-Westfalen außerhalb Europas.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Angaben der Staatskanzlei NRW
Sendung: WDR 2, WDR 2 Abendmagazin, 28.09.2026, 19:00 Uhr
