Die Jusos in Nordrhein-Westfalen wollen, dass die SPD "mehr Klassenkampf" und "mehr Sozialdemokratie wagt". "Der Wohlstand, der momentan bei wenigen Prozenten in diesem Land liegt, wurde nicht von denjenigen erarbeitet, die ihn jetzt besitzen", sagte die neue Juso-Landesvorsitzende Michelle Gnatzy am Montag im WDR. Zudem forderte sie eine Verjüngung der SPD.
Gnatzy rief ihre Partei und die schwarz-rote Bundesregierung nach den jüngsten AfD-Wahlerfolgen dazu auf, wieder stärker denen zu helfen, die den Wohlstand erarbeiteten. "Eine schlechte ökonomische Situation ist ein Nährboden für faschistische Ideen", so die Juso-Landeschefin. Das sei "kein Ostproblem", sondern diese "Gefahr" sieht sie auch in NRW.
Die 20-jährige Dortmunderin Gnatzy ist seit dem Wochenende neue Landesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) in der SPD. Auf einer Landeskonferenz der SPD-Jugendorganisation in Köln wurde Gnatzy mit knapp 82 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Nina Gaedike gewählt.
Ott als Gast bei Juso-Kongress
SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl: Jochen Ott
Bildquelle: ddpGaedike hatte die NRW-Jusos seit 2022 geführt. Zu den Gästen der Landeskonferenz in Köln gehörte der sozialdemokratische Landtags-Fraktionsvorsitzende Jochen Ott, der auch Spitzenkandidat der NRW-Sozialdemokraten für die Landtagswahl im April 2027 ist.
Michelle Gnatzy ist nach Angaben des Verbandes die bisher jüngste Landesvorsitzende der Jusos. SPD-Mitglied ist sie seit 2021. Gnatzy studiert Wirtschaftswissenschaften. Sie arbeitet als studentische Mitarbeiterin in der SPD-Ratsfraktion in Dortmund.
Juso-Frust über Schwarz-Rot im Bund
Auf der Juso-Landeskonferenz am Wochenende in Köln sagte Gnatzy: "Die Sozialdemokratie muss raus aus der Defensive." Sie forderte ein "weg von der Erbengesellschaft". Die Jungsozialisten treten für eine stärkere Besteuerung hoher Erbschaften und Vermögen ein - bisher ohne Erfolg.
Dass der Jugendverband der Sozialdemokraten mit dem Kurs der SPD hadert, gehört zur DNA der Jusos. In NRW hatte der damalige Juso-Bundeschef Kevin Kühnert bereits Ende 2017 viel Unterstützung für seinen No-Groko-Kurs bekommen. Mittlerweile regiert die SPD im Bund erneut - wie bereits damals - als Juniorpartner der CDU. Und wieder ist der Juso-Frust groß.
Der aktuelle Juso-Bundeschef Philipp Türmer sagte unlängst in Richtung Doppelspitze Lars Klingbeil und Bärbel Bas: "Die Sozialdemokratie ist in einer Krise und wir brauchen jetzt dringend die Antworten. Und da ist natürlich auch die Spitze gefragt, voranzugehen." Türmer rief die Regierung Merz/Klingbeil dazu auf, "Grausamkeiten" bei Sozialreformen wieder zu streichen.
Unsere Quellen:
- Gnatzy im Westblick-Interview
- Jusos NRW auf Instagram und laut Mitteilungen
- Türmer laut Nachrichtenagenturen AFP und dpa
Sendung: WDR 5 Westblick, Neue Juso-Landesvorsitzende Michelle Gnatzy im Interview, 28.09.2026, 18:07 Uhr
