Coesfelder Liste - LKA überprüft Ausreisepflichtige | WDR aktuell

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WDR 28 Sek. Verfügbar bis 28.08.2028

LKA überprüft Ausreisepflichtige Was wir zur Coesfelder Liste wissen

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Eine Liste mit ausreisepflichtigen Personen bringt die Stadt Köln seit Anfang August in Erklärungsnot. Inzwischen prüfen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Coesfelder Liste.

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Was ist die Coesfelder Liste?

Die Liste ist ein Hilfsangebot des Landes an die Kommunen. Im November 2024 meldet die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) in Coesfeld den Ausländerbehörden in NRW 1.247 vollziehbar ausreisepflichtige Personen und bietet an, für sie Passersatzpapiere und EU-Ausweise zu beschaffen. An Köln werden 471 Namen übermittelt.

In Auftrag gegeben hat die Liste das NRW-Fluchtministerium nach dem Anschlag von Solingen im August 2024. Anlass war auch eine praktische Beobachtung: Die geplanten Abschiebeflüge aus NRW blieben auffällig leer.

1.247 Menschen auf der Coesfelder Liste

Insgesamt gibt es in NRW 56.604 ausreisepflichtige Menschen (Stand 30. Juni 2026). Die fünf Zentralen Ausländerbehörden des Landes sind landesweit jeweils für bestimmte Herkunftsländer zuständig. Coesfeld hat den Schwerpunkt Westbalkan, daher stehen auf der Liste Menschen aus diesem Herkunftsgebiet. Rückführungen in den Westbalkan gelten als vergleichsweise unproblematisch, weil die Herkunftsländer häufiger kooperieren als andere Staaten.

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Was wird der Stadt Köln vorgeworfen?

Die Stadt ist auf das Angebot aus Coesfeld nicht eingegangen. Nur eine einzige der zuständigen Abteilungen in der Kölner Ausländerbehörde antwortete überhaupt. Die Abteilung, die für das Rückführungsmanagement zuständig ist, reagierte nicht.

Öffentlich wurde der Fall am 6. August, wenige Tage nach einer Auseinandersetzung zweier Großfamilien in Köln-Mülheim. Vier Menschen wurden dort durch Schüsse und Messerstiche verletzt.

Beteiligt soll auch ein 16-Jähriger gewesen sein, der auf der Liste stehen soll. Gegen ihn laufen außerdem Ermittlungen wegen schwerer Vergewaltigung und er ist wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. 

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Wie erklärt sich die Stadt Köln zur Coesfelder Liste?

Die Stadt Köln kritisiert, dass die Coesfelder Liste sie ungewöhnlicherweise direkt erreichte und nicht, wie sonst üblich, via Ministerium und Bezirksregierung. Die Kölner Behörde wusste daher nach eigenen Angaben nicht, wie damit umzugehen sei, und fragte im November 2024 die Bezirksregierung an. Die wollte wiederum im Ministerium nachhören. Eine Antwort kam nach Angaben der Stadt nicht.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat Stadtdirektorin Dörte Diemert mit der Prüfung beauftragt. Ihre Zwischenbilanz vom 19. August: "denkbar unglücklich" sei es gelaufen, die Kommunikation "missverständlich und unglücklich".

Abgeschoben wurde in Köln unabhängig von der Liste: 229 Menschen im Jahr 2024, 245 im vergangenen Jahr, 115 in diesem Jahr. Wer davon auf der Coesfelder Liste stand, ist nicht bekannt.

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Wie viele Straftaten stehen im Raum?

Die Kölner Polizei hat die Liste ausgewertet und dem Innenministerium gemeldet: 152 der 471 Personen, also rund jede dritte, sollen seit November 2024 insgesamt 568 Straftaten begangen haben.

Zu den schwersten Vorwürfen zählen vier Raubüberfälle, vier Vergewaltigungen, ein Fall von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern und zweimal das Verbreiten von Kinderpornografie. 14 Verdächtige ordnet die Polizei der Organisierten Kriminalität zu. Die meisten Tatverdächtigen wurden wegen Allgemeinkriminalität aktenkundig.

Die Stadt Köln hat die Zahlen zunächst nicht bestätigt, inzwischen liegen sie aber auch der Stadt vor.

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Wieso werden jetzt 6.800 Personen überprüft?

Neben der Coesfelder Liste mit Personen aus dem Westbalkan gab es im Herbst 2024 auch eine Liste, die die ZAB Unna anfertigte. Die Behörde ist für den Irak zuständig und listete damals alle geduldeten Personen aus dem Irak: mehr als 5000 Menschen. Beide Listen werden nun vom Landeskriminalamt auf mögliche Straftäter untersucht.

Fluchtministerin Verena Schäffer (Grüne) hat dafür Innenminister Herbert Reul (CDU) um Amtshilfe gebeten und Berichte bei der Stadt Köln und der ZAB Coesfeld angefordert. In der nächsten Sitzung des Integrationsausschusses im Landtag will Schäffer außerdem einen Bericht zum Sachstand und zu weiteren Schritten beim Thema Duldungen vorlegen.

Bei der Staatsanwaltschaft Köln sind zehn Strafanzeigen eingegangen. Sie prüft, ob der Stadt ein ahndungswürdiges Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Das städtische Rechtsamt erwägt, dafür eine externe Kanzlei einzuschalten.

Im Landtag haben die FDP-Abgeordneten Marcel Hafke und Alexander Steffen zwei Kleine Anfragen gestellt. CDU-Fraktionsvize Gregor Golland sieht ein "strukturelles Problem" der Kölner Stadtverwaltung und will, dass sich die Bezirksregierung als zuständige Kommunalaufsicht einschaltet. Die SPD-Fraktion im Landtag hat eine Sondersitzung des Integrationsausschusses beantragt.

Unsere Quellen:

  • Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKJFGFI)
  • Stadt Köln
  • Landtag NRW
  • Kölner Staatsanwaltschaft

Sendung: WDR aktuell Coesfelder Liste - LKA überprüft Ausreisepflichtige, 28.08.2026, 12:45 Uhr

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