50 Jahre Kölner Frauenhäuser
WDR. 05:52 Min.. Verfügbar bis 16.07.2028.
Ramona, 45, sitzt sicherheitshalber noch immer mit dem Rücken zur Kamera. Denn obwohl Ihr Aufenthalt im Kölner Frauenhaus bereits viele Jahre her ist, die Angst bleibt. Ein ganzes Jahr lang hat sie gemeinsam mit damals zehn anderen Frauen an einem geheimen Ort in Köln gewohnt.
Wäre das Frauenhaus nicht gewesen, wären sie und ihre Tochter heute wohl nicht mehr am Leben. "Für mich war diese Entscheidung damals lebenswichtig. Denn es bestand die Gefahr, dass er noch schlimmer zuschlägt und auch mein Kind zusammenschlägt."
"Ich bin dankbar, dass er mich bis heute nicht gefunden hat" Ramona
Gewalt gegen Frauen nimmt zu
Für Ramona und ihre damals dreijährige Tochter begann eine Odyssee. Denn einen freien Platz in einem Frauenhaus zu finden, war schon immer eine große Herausforderung. Der Bedarf an freien Plätzen ist laut Claudia Schrimpf, unter anderem langjährige Mitarbeiterin der Autonomen Frauenhäuser Köln, eher noch gestiegen als gesunken. "Dabei sind wir damals angetreten, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden." Das liegt auch an inzwischen anderen Gewaltformen, als "nur" rein körperliche Gewalt.
Claudia Schrimpf engagiert sich bei dem Verein Frauen helfen Frauen.
"Durch die Digitalisierung, Handys, Internet sind ganz andere Dimensionen von Gewalt dazugekommen" Claudia Schrimpf
Frauen helfen Frauen e.V.
Allein in Köln müsste es 103 Plätze geben
Geht man nach der 2008 in Kraft getretenen Istanbul-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, müsste alleine die Stadt Köln 103 Frauenhaus-Plätze anbieten. Tatsächlich gibt es in den derzeit zwei Kölner Frauenhäusern lediglich 26 Plätze für Frauen und 34 Plätze für Kinder.
Ein für 2028 geplantes drittes Frauenhaus würde weitere 16 Plätze für Frauen und 18 Plätze für Kinder bieten. Noch immer viel zu wenig, so Claudia Schrimpf. Denn der Bedarf ist groß und ebbt nicht ab, ganz im Gegenteil.
"Bis zu 500 Frauen müssen jedes Jahr alleine in Köln abgelehnt werden" Claudia Schrimpf
Frauen helfen Frauen e.V.
Auch die Kinder sind Opfer
Und nicht nur die Mütter benötigen Schutz. Auch für deren Kinder ist dieser Schutzort lebenswichtig. Denn oft haben sie selbst Gewalt erlebt. Und benötigen ebenfalls viel Unterstützung, um körperlich und seelisch wieder stabil zu werden. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit 70 landesgeförderte Frauenhäuser.
Ramona ist dankbar, für sich und ihre Tochter damals einen Platz bekommen zu haben. Auch wenn dies mit dem Leben in einer neuen Stadt verbunden war. "Ich glaube, wenn ich keinen bekommen hätte, wäre ich heute tot. Sogar bei der Polizei hat mein damaliger Mann gesagt, dass er mich umbringt, wenn er mich findet."
Feier zum Jubiläum
1976 wurde das erste autonome Frauenhaus in Köln gegründet. Bundesweit war es nach Berlin die zweite Einrichtung, die Frauen Schutz gewährt. Am 12. September diesen Jahres wird es deshalb zum 50-jährigen Jubiläum eine große Feier im Bürgerhaus Kalk geben.
In der Hoffnung, dass der erst vor einem Jahr verankerte Rechtanspruch auf Schutz und Beratung auch bald landes- und bundesweit umgesetzt wird. Das zumindest wünschen sich nicht nur die Mitarbeiterinnen der Kölner Frauenhäuser. Sondern vor allem betroffenen Frauen wie Ramona, die dringend Schutz vor Gewalt benötigen.
Quellen:
- Autonome Frauenhäuser Köln, Frauen helfen Frauen e.V.
- Interview mit Ramona, Opfer von häuslicher Gewalt
- Interview mit Claudia Schrimpf, Frauen helfen Frauen e.V.
- Stadt Köln
- Bundeskriminalamt
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 16.07.2026, 19.30 Uhr
