Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu einer Zunahme von Sterbefällen - so heißt es im Klimaatlas NRW. Statistisch gesehen kommt es dieser Berechnung zufolge zu 600 hitzebedingten Todesfällen in NRW im jährlichen Mittelwert. Meist sei eine Kombination aus Hitze und Vorerkrankung ursächlich. Damit rücken Krankenhäuser und Pflegeheime besonders in den Fokus.
Zusätzliche Fördergelder verlangt
"Wir werben für einen Klimaschutzfonds", sagt Klein, um die Kliniken in die Lage zu versetzen, die Umbaumaßnahmen vorzunehmen. Einen solchen Fonds sieht auch der NRW-Koalitionsvertrag vor - gespeist aus Mitteln des Landes und des Bundes. Noch sei das aber nicht umgesetzt, kritisiert Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen. Er nennt den Regierungswechsel in Berlin "eine neue Chance", um sich der Sache anzunehmen.
Pflegeheime und häusliche Pflege auf Hitzestress vorbereiten
Der Sozialverband VdK NRW sieht das ganz ähnlich. "Viele Gebäude stammen aus einer Zeit, in der Hitzeschutz noch nicht im Fokus stand, und eine Nachrüstung ist für die meisten Träger kaum zu stemmen." So Präsident Horst Vöge. Neben Krankenhäusern bräuchten Senioren- und Pflegeheime dringend mehr Unterstützung: "Gebäude von gestern, Gefahr von heute".
Vöge nimmt auch das Sondervermögen des Bundes für die Infrastruktur in den Blick und fordert darüber hinaus eine bessere Schulung von Pflegekräften, "um Anzeichen von Hitzestress zu erkennen und entsprechend zu handeln". Der weitaus größte Teil der Pflegebedürftigen in NRW lebt allerdings zu Hause und wird von Angehörigen betreut. Deshalb, so der Sozialverband, müsse Hitzeschutz auch für diesen Bereich ein Thema sein. Gegebenenfalls brauche es "eine individuelle Beratung für mögliche Anpassungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld".
NRW-Gesundheitsministerium: Umbaukosten kaum zu beziffern
Das NRW-Gesundheitsministerium (MAGS) spricht von einem "sicher erheblichen Investitionsbedarf für Klimaanpassung". Der lässt sich aus Sicht des MAGS allerdings nicht wirklich beziffern - zu unterschiedlich seien Gebäudebestand und Umbauanforderungen.
Das Ministerium verweist neben Mitteln aus dem Krankenhausplan auf jährliche Zahlungen für Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur (765 Millionen Euro) und eine Fördersumme aus dem Jahr 2023 in Höhe von 100 Millionen Euro. Allerdings hat der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW von Kosten im Milliarden-, nicht im Millionenbereich gesprochen.
Infoportal Hitze und Gesundheit der Landesregierung
Das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz bietet über das Infoportal Hitze und Gesundheit auch Tipps für pflegende Menschen - das reicht von Flüssigkeitszufuhr über kühlende Maßnahmen ("wie z. B. Duschen, Hand-/Fußbäder, Auflegen feuchter Tücher, Pulskühler, Kühlpacks oder Fächer") bis hin zur Kontrolle der Körpertemperatur (mehrmals täglich). Das Infoportal versteht sich als Angebot für die Bevölkerung wie für bestimmte Zielgruppen, darunter auch die Ärzteschaft. Außerdem soll es die Städte und Gemeinden bei ihren Hitzeaktionsplänen unterstützen.
Über dieses Thema berichten wir am 02.07.2025 auch im WDR Hörfunk, u.a. im WDR 5 Morgenecho.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Vize-Präsidenten der Krankenhausgesellschaft NRW, Sascha Klein
- Interview mit dem Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW, Matthias Blum
- Stellungnahme des MAGS
- Stellungnahme des Sozialverbandes VdK NRW
- Koalitionsvertrag der NRW-Landesregierung
- eigene Recherchen
