Laumann stellt Hitzeschutzkonzept vor

Bildquelle: WDR / Jörg Sauerwein

Aktuelle Stunde 04.09.2026 21 Min. 3 Sek. UT Verfügbar bis 04.09.2028 WDR Von Anne Bielefeld

Reaktion auf Hitzetote Kliniken und Heime in NRW sollen kühler werden

Stand:

NRW will Lehren aus dem Hitzesommer 2026 ziehen. Mit Geld vom Land soll der Hitzeschutz in Kliniken und Heimen besser werden. Die Opposition hält die Ankündigungen für unzureichend.

Nordrhein-Westfalen will den Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeheimen ausweiten. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach am Freitag in Düsseldorf von einem "großen Förderprogramm von rund 286 Millionen Euro" bis 2029.

Keine Klimaanlagen-Pflicht

Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Gesundheitsminister

NRW-Gesundheitsminister Laumann (CDU)

Bildquelle: ddp/Sven Simon/Malte Ossowski/SVEN SIMON

In Krankenhäusern sollen laut Laumann mit 200 Millionen Euro "Umbauten zur Klimatisierung" gefördert werden. Laut Laumann müssen die Kliniken nicht unbedingt Klimaanlagen anschaffen, es gebe auch andere Maßnahmen wie Verschattungen und weitere Kühlkonzepte.

Für den "Akut-Hitzeschutz" in Pflegeheimen stehen 50 Millionen Euro bereit. Der Öffentliche Gesundheitsdienst soll rund 36,6 Millionen bekommen, um Menschen besser über die Hitzeschutz zuhause aufklären zu können. Weitere 20 Millionen Euro fließen nach Angaben des Ministers an Einrichtungen im Bereich der Behindertenhilfe - dieses Geld kommt aber nicht vom Land, sondern von der Sozialstiftung NRW.

Das Land will das Geld durch Umschichtungen bei Förderprogrammen im Haushaltsplan bereitstellen. Mittel, die anderswo erst später benötigt werden, sollen laut Laumann vorrangig in den Hitzeschutz fließen. Ob die Finanzmittel ausreichen, bleibt abzuwarten. Auch die Laufzeit ist angesichts der bevorstehenden Landtagswahl unklar. In NRW gibt es über 500 Krankenhausstandorte und über 2.300 Pflegeheime.

Kritik an späten Maßnahmen

Der Chef der Krankenhausgesellschaft NRW, Ingo Morell, begrüßte die Pläne der Landesregierung, sprach von einem "Einstieg" in die Finanzierung eines umfassenden Hitzeschutzes in den Kliniken. In einem Gutachten des Verbandes war allerdings schon vor Jahren ein Investitionsbedarf in Milliardenhöhe gegen das Aufheizen von Gebäuden sowie für technische Lüftungsanlagen in Kliniken ermittelt worden.

Ein älterer Mann mit Brille und weißen Haaren sitzt auf einem Stuhl vor einem Haus. Er lächelt in die Kamera.

Altenheimbewohner leiden oft besonders unter Extremhitze

Bildquelle: WDR/Andreas Wiese

"Die jetzt angekündigten Maßnahmen kommen spät", hieß es vom Sozialverband Deutschland in NRW, der das Land und auch den Bund aufrief, Hitzeschutz stärker zu finanzieren. Besonders dringend sei der Handlungsbedarf bei sozialen Diensten wie Pflegeeinrichtungen oder Kitas.

Opposition rügt "Etikettenschwindel"

SPD-Fraktionsvize Lisa Kapteinat bemängelte, dass Laumann "kein zusätzliches Geld" für den Hitzeschutz in die Hand nehme. Damit werde der Investitionsmangel nicht behoben, sondern zwischen unterschiedlichen Bedarfen verschoben. "Hitzeschutz darf nicht auf Kosten anderer notwendiger Investitionen in unsere Krankenhäuser gehen", so Kapteinat. Der nächste Hitzesommer dürfe NRW nicht wieder unvorbereitet treffen.

Die FDP-Gesundheitsexpertin im Landtag, Susanne Schneider, warf Laumann "Etikettenschwindel" vor. Durch die vorgestellten Maßnahmen fließe "kein zusätzlicher Euro in die Krankenhäuser". Dabei wäre eine wirklich wirksame Offensive für mehr Klimaanlagen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens dringend notwendig.

Kritik an fehlenden Hitzeplänen

Seit der extremen Hitzewelle Ende Juni steht Laumann unter Druck, die Aktivitäten des Landes für mehr Hitzeschutz auszuweiten. Fehlende Hitzeaktionspläne und mangelhafte Förderprogramme für Klimaanlagen waren in den letzten Monaten Auslöser von viel Kritik.

Millionen für den Kampf gegen Hitzewellen

WDR 5 Westblick - aktuell 04.09.2026 4 Min. 26 Sek. Verfügbar bis 04.09.2027 WDR 5

Mehr als 3.100 Menschen sind wegen der hohen Temperaturen in diesem Jahr nach Schätzung des Robert Koch-Instituts allein in NRW gestorben. Der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle entfällt auf die Altersgruppen ab 75 Jahren. Laumann betonte, dass Hitzetote in vielen Fällen nicht in Kliniken und Heimen, sondern zuhause gestorben seien.

Die Extremhitze von Ende Juni sei ein "Stresstest" für das Gesundheitssystem im Land gewesen, sagte Laumann. "Hochhitze ist ein Unwetter." Darauf müssten sich alle besser einstellen.

Klinik-Räume meist nicht klimatisiert

Eine WDR-Recherche zeigte im Juli: Viele Krankenhäuser in NRW sind nur teilweise klimatisiert. Gekühlt werden meist nur besonders sensible Bereiche wie Operationssäle oder Intensivstationen.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Krankenhausgesellschaft NRW. Lediglich zwei Drittel der Kreißsäle verfügen demnach über eine Klimatisierung oder Kühlung, weitere elf Prozent nur teilweise. Bei rund 23 Prozent fehlen Klimaanlagen ganz.

OP-Säle der Krankenhäuser sind zu mehr als 96 Prozent komplett gekühlt oder klimatisiert sind. Auf den Intensivstationen stehen knapp 83 Prozent der Intensivbetten in klimatisierten Räumen.

Unsere Quellen:

  • Laumann bei Pressekonferenz in Düsseldorf
  • Mitteilung der Landesregierung
  • Mitteilung der Krankenhausgesellschaft NRW
  • Sozialverband Deutschland in NRW auf Anfrage
  • SPD und FDP laut Mitteilungen

Sendung: WDR.de, NRW will mehr Hitzeschutz in Kliniken und Heimen, 04.09.2026, 16:32 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.09.2026, 18:45 Uhr

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2