In NRW haben die Jugendämter 2025 bei 18.647 Kindern und Jugendlichen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren gut acht Prozent mehr als im Vorjahr.
Damit hat sich die Zahl in NRW seit 2012 mehr als verdoppelt. Damals registrierten die Jugendämter 8.822 Fälle. Die Entwicklung im Land entspricht damit dem langfristigen Trend in Deutschland.
Von einer akuten Gefährdung sprechen die Jugendämter, wenn eine erhebliche Schädigung bereits eingetreten ist oder eindeutig droht. Als latent gilt ein Fall, wenn sich der Verdacht weder eindeutig bestätigen noch ausschließen lässt.
Deutlich mehr latente Kindeswohlgefährdungen
2025 stellten die Jugendämter in NRW insgesamt 10.661 akute Gefährdungen fest. Damit sank die Zahl gegenüber dem Vorjahr um knapp drei Prozent. Die Zahl der latenten Gefährdungen stieg dagegen um rund 28 Prozent.
Aus den gestiegenen Zahlen lässt sich nicht unmittelbar schließen, dass Kinder tatsächlich im gleichen Umfang häufiger gefährdet sind. Das Statistische Bundesamt nennt als mögliche Gründe auch eine höhere Aufmerksamkeit und Meldebereitschaft, eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Stellen, zusätzliche Qualifizierungen sowie gesetzliche Änderungen.
Vernachlässigung bleibt häufigste Gefährdungsart
Am häufigsten stellten die Jugendämter in NRW Anzeichen von Vernachlässigung fest. Danach folgten psychische und körperliche Misshandlungen. Fälle sexueller Gewalt wurden deutlich seltener registriert. Ein Kind kann dabei von mehreren Gefährdungsarten gleichzeitig betroffen sein, weshalb sich die Angaben nicht zu einer Gesamtzahl addieren lassen.
Bundesweit vierter Höchststand in Folge
Bundesweit registrierten die Jugendämter im vergangenen Jahr rund 79.800 Kindeswohlgefährdungen. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr und der vierte Höchststand in Folge. In NRW als bevölkerungsreichstem Bundesland wurden die meisten Fälle registriert.
Gut jedes vierte betroffene Kind war höchstens vier Jahre alt. Im Schnitt lag das Alter der Kinder laut Statistischem Bundesamt bei 8,5 Jahren. In fast drei Vierteln der Fälle ging die Gefährdung nach Einschätzung der Jugendämter hauptsächlich oder ausschließlich von einem Elternteil aus.
Die Statistik erfasst nur Fälle, die den Jugendämtern bekannt geworden sind. Unentdeckte Fälle sind nicht enthalten.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung in NRW, 13.08.2026, 12:00 Uhr
