Als CDU und Grüne ihren Koalitionsvertrag präsentierten, definierten sie die Gleichberechtigung von Mann und Frau als "zentrale Leitlinie". Vier Jahre später sagt die SPD-Opposition im Landtag, dass davon so gut wie nichts zu sehen sei.
Vor allem bei der Bezahlung und bei den Spitzenpositionen in Verwaltung und Privatwirtschaft habe sich wenig verbessert. So wuchs das Vermögen bei den Männern zwischen 2018 und 2023 um 21,9 Prozent. Bei den Frauen waren es dagegen nur 4,8 Prozent.
NRW bei Spitzenposten unter Bundesschnitt
Grund sei unter anderem die große Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern, da Frauen weiterhin deutlich mehr in Teilzeit arbeiten würden. Besonders in der Kritik der Opposition steht der Frauenanteil bei Spitzenposten. In der Privatwirtschaft liegt NRW mit 26 Prozent Frauen in der ersten Führungsebene deutlich unter dem Bundeschnitt.
In der Landesverwaltung - wie zum Beispiel in Ministerien - werden nur 27,8 Prozent der Abteilungen von Frauen geleitet. Dabei habe die Landesregierung genau hier die direkte Möglichkeit, den Anteil deutlich zu erhöhen, heißt es von der SPD.
Zusätzliches Elterngeld für die Gleichstellung
"Wir stehen da wirklich katastrophal schlecht dar in Nordrhein-Westfalen", sagt die stellvertretende Fraktionschefin Lisa Kapteinat. Die Sozialdemokratin fordert daher mehr Anreize für wirtschaftlich gleiche Bedingungen. So sollen Paare 300 Euro monatlich zusätzlich bekommen, wenn sie ihre Elternzeit gleich aufteilen.
Lisa Kapteinat (SPD)
Bildquelle: dpa/Rolf Vennenbernd"Wenn Paare sagen: wenn ich nach NRW gehe und hier eine Familie gründe, habe ich dadurch tatsächliche Vorteile", dann sei das für den Standort wichtig, so Kapteinat. Ein noch größeres Ärgernis stellt aber für die SPD jedoch das Sicherheitsempfinden vieler Frauen dar.
So ergab eine Befragung des Landeskriminalamtes 2024 deutliche Unterschiede, wie sicher sich Frauen und Männer im Land fühlen. Nur elf Prozent der Frauen sagten, dass sie sich an den Bahnhöfen im Land wohl fühlten. In Parks sind es sogar nur 9,1 Prozent. In nahezu allen Bereichen gibt es hier große Unterschiede zwischen Frauen und Männer.
Frauen fühlen sich in NRW deutlich unsicherer als Männer
Hier müsse ganz konkret an der Infrastruktur der Städte gearbeitet werden. So will die SPD sogenannte "Safety-Walks" in den Kommunen installieren, bei denen Polizei, Ordnungsbehörden und Politik gezielt für Frauen unangenehme Orte identifizieren. Diese sollen dann in einem nächsten Schritt anders gestaltet werden.
Dass die Stadtgestaltung ein so enormes Problem darstellt, "hat auch damit zu tun, dass an den entscheidenden Schaltstellen immer noch Männer sitzen", formuliert es Kapteinat abschließend für viele der von ihr genannten Probleme. Denen fehle halt oft auch der Blick für Sicherheitsrelevanz, so die Politikerin.
Unsere Quellen:
- Pressegespräch bei der SPD-Fraktion
- Interview Lisa Kapteinat (SPD)
Sendung: WDR 5 Westblick, SPD beklagt mangelnde Gleichstellung in NRW, 12.08.2026, 17:05 Uhr
