Das Umspannwerk ist nur durch einen Zaun und einen Stgacheldraht gesichert
Bildquelle: WDR / Johannes RaschWie verwundbar kritische Infrastruktur ist, hatte sich Anfang Januar in Berlin gezeigt: Nach einem Brandanschlag auf eine Stromtrasse waren rund 45.000 Haushalte bei winterlichen Temperaturen ohne Strom. Erst nach Tagen konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden.
Auch in NRW ist die Infrastruktur angreifbar. Das hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) kurz darauf im WDR-Interview betont.
Wir haben eine Infrastruktur, die angreifbar ist. Wir haben über viele Jahre das Thema auch nicht ernst genommen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
Im NRW-Landtag stellte Reul nun eine Bilanz von Angriffen auf die kritische Infrastruktur im vergangenen Jahr vor. Demnach wurden 2025 in NRW bislang 126 politisch motivierte Straftaten registriert, die im polizeilichen Meldedienst der Politisch motivierten Kriminalität dem Oberangriffsziel "Infrastruktur" zugeordnet wurden. Dazu zählen in der Statistik unter anderem Delikte gegen Datennetze/IT-Systeme sowie Energie- und Verkehrseinrichtungen.
Die Erfassung und Prüfung der Fallzahlen sei jedoch noch nicht abgeschlossen und wegen möglicher Nachmeldungen bis zum Abgleich mit dem Bundeskriminalamt veränderlich, so das Innenministerium. Ein belastbarer Vergleich mit Vorjahren sei deshalb aktuell nicht sinnvoll.
Viele Daten nicht zugänglich
Ob die registrierten Straftaten tatsächlich zu sicherheitsrelevanten Störungen oder Ausfällen geführt haben, lasse sich laut Bericht nicht valide auswerten, weil das kein Erfassungsparameter sei. Zudem liefen Ermittlungen weiter. Details zu einzelnen Verfahren lägen bei den Staatsanwaltschaften.
Auch zu Tatzeitpunkten und konkreten Orten macht das Innenministerium in dem Bericht keine Angaben, um Rückschlüsse etwa auf schutzrelevante Örtlichkeiten zu verhindern.
Keine Meldepflichten für Infrastruktur-Betreiber
Besonders ein Umstand stieß im Landtag bei der Vorstellung des Berichts auf Unverständnis: Betreiber kritischer Anlagen müssen sicherheitsrelevante Vorgänge, Ausfälle oder Angriffe derzeit nicht an die Landesregierung melden. Entsprechende Regelungen sieht zwar das "KRITIS-Dachgesetz" vor, das wird im Bund jedoch derzeit beraten und ist noch nicht in Kraft getreten.
Grundsätzlich sind für die Resilienz kritischer Infrastruktur die Betreiberinnen und Betreiber zuständig. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
"Dass wir keine Meldepflichten haben, ist eigentlich komplett absurd", erklärte Julia Höller, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag. Auch Innenminister Reul bezeichnete das Warten auf das Bundesgesetz hierbei als "Hauptproblem". Denn erst danach könne das Land handeln.
Bis dahin habe die Landesregierung geregelt, dass jedes Ressort für die Berichterstattung über seine kritischen Infrastrukturbereiche zuständig sei, so Reul. Das alles werde dann im Lagebild über die kritische Infrastruktur zusammengetragen.
Unterstützung für Berlin aus NRW
Im Innenausschuss lobte Reul auch die Unterstützungsmaßnahmen aus NRW im Fall des Berliner Anschlags auf die Stromleitung. Noch am Samstag, dem Tag des Anschlags, hätte NRW fünf Energieeinheiten angeboten. Doch erst am Montag wäre die mündliche Anforderung aus Berlin gekommen. "Wir haben nicht verstanden, warum das so lange dauert", führte Reul aus.
Montagabend gingen laut Reul die ersten Generatoren in Berlin in Betrieb. Insgesamt konnten mit den Geräten aus NRW 1.240 Haushalte mit Strom versorgt werden. 26.880 Kilowattstunden wurden dabei ins Stromnetz eingespeist - so viel, wie ein Zwei-Personen-Haus in zehn Jahren verbrauche, rechnete Reul vor.
99 meist ehrenamtliche Personen waren seinen Ausführungen nach vor Ort gewesen, hinzu kämen unzählige Helferinnen und Helfer in NRW. Die Zusammenarbeit habe "tipptopp" funktioniert, so Reul. "Die haben alle Hand in Hand gearbeitet."
Unsere Quellen:
- Sitzung des Innenausschusses im Düsseldorfer Landtag
- Bericht des Innenministeriums "Bilanz Angriffe auf KRITIS 2025"
Sendung: WDR 5 Westblick, 22.01.2026, 17:05 Uhr
