Das letzte russische Generalkonsulat in Bonn
Bildquelle: WDR/ Max SchlösserWDR. 30 Sek.. Verfügbar bis 02.09.2028.
Um Viertel vor acht ist es noch relativ ruhig in der Waldstraße in Bonn Bad Godesberg. Vor dem Zaun zum Russischen Generalkonsulat warten drei Menschen auf ihren Termin. Hinter dem Zaun ist es menschenleer: Keine Mitarbeiter, ein paar parkende Autos, die Rollos an einigen Gebäuden sind unten.
Wie und ob es hier heute weitergeht, scheint auch den Wartenden vor dem Konsulat unklar zu sein. Etwas ziellos laufen sie zwischen den drei Eingängen hin und her, versuchen etwas durch den Zaun zu erkennen. Mit uns reden möchten sie nicht.
Großer Andrang – wenig Verständnis
Viele Anliegen vor der Schließung des Konsulats
Bildquelle: WDR/ Max SchlösserGegen halb neun wird es schlagartig voller. Immer mehr Autos mit unterschiedlichen Kennzeichen kommen an, auch der Bus bringt weitere Menschen. Kurze Zeit später warten bereits um die 30 Personen.
Viele von ihnen haben Mappen und Ordner mit Unterlagen dabei, um ihre offiziellen Angelegenheiten zu klären. Einige unterhalten sich auf Russisch. Die Stimmung ist genervt bis resigniert. Ein paar der Neuankömmlinge sind bereit, ohne Kamera mit uns zu sprechen.
Zum Teil sind sie weit angereist. Ein Mann erzählt, dass er heute schon 500 Kilometer gefahren sei, um seinen Pass zu erneuern. Von der Meldung, dass das Konsulat geschlossen wird, wusste er nichts. "Sonst wäre ich heute Morgen gar nicht losgefahren,“ berichtet er. Wenn er hier seinen Pass nicht bekommt, müsse er bis nach Berlin fahren. Das sei noch weiter weg.
Problem mit den Pässen
Um kurz vor neun tut sich dann doch was: Ein Mitarbeiter der Botschaft kommt an das Tor und macht eine kurze Ansage. Anschließend klimpert ein Schlüssel, das Tor geht auf. Doch die Wartenden kommen nur bis zu einem kleinen Vorplatz, bevor sie der nächste Zaun aufhält.
Nach kurzer Zeit verlassen die ersten das Gelände. Sie berichten uns, dass man aktuell nur bereits fertige Pässe und Rentenbescheide abholen könne. Alle anderen Angebote des Konsulats, wie den Pass verlängern, gäbe es nicht mehr. Für einige hier ist das ein Problem, denn ihr Pass läuft bald ab. Wie es für sie weiter geht, wissen sie nicht.
Mini-Demo gegen Krieg
Russland in der Kritik
Bildquelle: WDR/ Max SchlösserPlötzlich gesellt sich ein Mann mit weißem Pappschild zu den Wartenden. Auf dem Schild steht: "Der Krieg schadet auch Russland selbst…“. Schnell wird er von einem Mitarbeiter des Konsulats weggeschickt. Er stellt sich auf die andere Straßenseite.
Sein Name ist Manfred Westermayer. Er sei Mitglied bei den Grünen und demonstriere hier zwei Mal die Woche mit ein paar anderen gegen den Krieg in der Ukraine. Heute ist er wegen der aktuellen Situation ein drittes Mal gekommen, in der Hoffnung, mit ein paar Russlanddeutschen ins Gespräch zu kommen.
Er selbst liebe Russland und sei schon mehrfach dort gewesen: "Ich finde es nachvollziehbar, dass das Konsulat zugemacht wird. Aber irgendwie ist es auch eine weitere Eskalation in diesem Konflikt. Das ist nicht schön.“
Mitleid mit den Menschen
Manfred Westermayer tun vor allem die normalen Menschen hier leid. Sie hätten es jetzt noch schwieriger, an wichtige Unterlagen zu kommen. Gegen halb elf hat sich die Lage am Konsulat entspannt, die Schlange ist kürzer geworden. Vor dem Zaun stehen kleine Grüppchen, die sich angeregt über die Situation austauschen.
Die ersten steigen in ihre Autos und treten die teils hunderte Kilometer lange Rückreise an. Viele von ihnen hoffen, dass das Konsulat doch erhalten bleibt. Der Aufwand, bis nach Berlin zu fahren, ist für sie zum Teil schwer machbar.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz der Deutschen Regierung vom 01.09.2026
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Andrang vor dem Russischen Konsulat, 02.09.2026, 17:15 Uhr