Ein Junge sitzt 2020 in einem Park auf der Wiese und schaut auf ein Handy.

Tiktok & Co. SPD fordert mehr Schutz für Kinder auf Social Media

Stand:

Neue Runde in der Debatte über Gefahren von Social Media besonders für junge Menschen. Die SPD will, dass schnell etwas passiert.

Seit Monaten verschärft sich die Diskussion über die Gefahren durch soziale Medien, KI und endlose Bildschirmzeiten. Die SPD im NRW-Landtag fordert jetzt in einem Antrag konkrete Maßnahmen von der schwarz-grünen Landesregierung, aber auch von Bund und EU. Der Antrag liegt dem WDR vor.

"Alles ist gesagt - jetzt muss gehandelt werden. Die großen Plattformen müssen an die kurze Leine", sagt der SPD-Fraktionschef im Landtag, Jochen Ott. Aktuell gibt es in den USA neue Vorwürfe gegen den Facebook-Mutterkonzern Meta, junge Nutzer zu schädigen. Es gehe um "die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen", sagt Ott. Er sieht die Verfahren in den USA als "Weckruf".

SPD will mehr Regeln und mehr Prävention

Jochen Ott (26.02.2026).

SPD-Fraktionschef im Landtag, Jochen Ott

Bildquelle: dpa

Der erste Schritt müsse "definitiv der Kinder- und Jugendschutz" sein, so Ott. "Wir wollen Social Media für Kinder unter 13 wirksam ausschließen und für 13- bis 16-Jährige eine altersgerechte Version verbindlich machen: ohne personalisierte Werbung, ohne Endlos-Scrolling und ohne Algorithmen, die junge Menschen immer tiefer in problematische Inhalte ziehen. Dafür brauchen wir eine unabhängige und datenschutzkonforme Altersprüfung."

Das Land soll laut SPD in Nordrhein-Westfalen "eine verbindliche Regelung zur privaten Nutzung von Smartphones an Schulen schaffen und dabei klare und einheitliche Vorgaben festlegen". Die Sozialdemokraten wollen "handyfreie Vormittage an allen Schulen in NRW".

Außerdem fordert die SPD-Landtagsfraktion, dass die Landesregierung mehr Elternberatung und Familienbildung zum digitalen Jugendschutz an den Start bringt. Die SPD will unter anderem auch das Verständnis für Künstliche Intelligenz bei Kindern fördern - altersgerecht in Form eines "KI-Seepferdchens".

Experte: Jugendliche sind offen für das Thema

"Jugendliche sind sehr ansprechbar für das ganze Thema Medien und Medienkompetenz", sagt der Medientrainer Johannes Wentzel. Wenn man Kindern und Jugendliche erkläre, dass es um ihr digitales Lebensumfeld gehe, und wenn man nicht nur den pädagogischen Zeigefinger hebe.

Im Juni waren Ergebnisse einer Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" auf Bundesebene veröffentlicht worden. Zahlreiche der SPD-Forderungen basieren auf den Vorschlägen der Fachleute.

Ministerin: Mit jungen Leuten reden

Familienministerin Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen)

Familien-, Kinder- und Jugendministerin in NRW: Verena Schäffer (Grüne)

Bildquelle: dpa / Bernd Vennenbernd

Die Landesregierung werte die Empfehlungen der Expertenkommission sorgfältig aus und werde sie in den Abstimmungen auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene berücksichtigen, sagt eine Sprecherin von NRW-Familienministerin Verena Schäffer (Grüne). Die Ressortchefin will mit jungen Leuten über das Thema reden. "Mich interessiert zum Beispiel, wie oft und wie viel sie Social Media nutzen, wo sie sich besseren Schutz wünschen und welche Funktionen kinder- und jugendgerechte Angebote haben sollten", so Schäffer.

NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) sagt: "Als Landesregierung machen wir generationsübergreifende Angebote, Chancen und Risiken digitaler Mediennutzung eigenständig zu erkennen und die Logik von Algorithmen zu verstehen."

Nathanael Liminski, CDU

Staatskanzleichef und Medienminister Nathanael Liminski (CDU)

Bildquelle: WDR

Liminski weiter: "Angesichts der Marktmacht der großen Social-Media-Plattformen brauchen wir eine gemeinsame europäische Linie. Genau dies schlägt auch die Expertenkommission vor. Unser Ziel: nicht nur über Pauschalverbote sprechen, sondern gemeinsam Wege finden, wie sich insbesondere junge Menschen sicher und selbstbestimmt im digitalen Raum bewegen können."

Länder, Bund und EU reden mit

Gefordert wird viel, angekündigt auch. Dass mehr reguliert werden soll, ist politisch weitgehend Konsens. Aber die Umsetzung ist schwierig - zumal Länder, Bund und EU bei diesem Thema eben jeweils eigene Kompetenzen haben.

Die Bundesländer regeln unter anderem den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz wiederum wacht zum Beispiel über Meldebuttons im Netz. Und das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) versucht, die Macht von Meta, Tiktok und Co. zu begrenzen.

Im SPD-Antrag wird die Landesregierung noch aufgefordert, sich für eine Weiterentwicklung des Länder-Staatsvertrags einzusetzen. Risiken durch KI sollen ausdrücklich berücksichtigt werden. Und von der EU wird im Antrag eine "Schließung bestehender Schutzlücken im Digital Services Act" verlangt. Der NRW-Landtag debattiert demnächst über den Forderungskatalog der größten Oppositionsfraktion.

SPD fordert mehr Schutz bei Social-Media

WDR Studios NRW 24.08.2026 01:01 Min. Verfügbar bis 23.08.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Ott auf WDR-Anfrage
  • Schäffer auf WDR-Anfrage
  • Liminski auf WDR-Anfrage
  • eigene Recherchen
  • Tagesschau.de
  • Nachrichtenagentur dpa und KNA

Sendung: WDR online, SPD fordert mehr Schutz bei Social-Media, 25.08.2026, 05:00 Uhr.

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