Er will nicht nur spielen. Nordrhein-Westfalens "Games-Minister" Nathanael Liminski will gewinnen: Gamesland Nummer Eins will NRW sein - unterliegt an der Spitze aber seit 2025 den Bayern. "Wettkampf belebt das Geschäft", lacht Liminski, der unter anderem der zuständige Minister für Medien ist. "Die Gamesbranche ist ein Innovationstreiber", sagt er. "Die Kreativität dieser Branche ist nicht nur gut für Spiele, Unterhaltung an sich, nicht nur für Bildung, die dort vermittelt wird, sondern auch als Treiber für die klassische Industrie." Stichwort: "Gamification".
NRW beherbergt führende Spiele-Entwickler
Das Land gehört zu den umsatzstärksten Standorten der deutschen Branche. Auf NRW fällt nicht nur der größte regionale Teil des 9,4 Milliarden Euro-Umsatzes, den der Verband der deutschen Spieleindustrie 2025 deutschlandweit ermittelt hat. Zwischen Rhein, Ruhr und Lippe gibt es über 210 registrierte Unternehmen in der Games-Branche. Die zehn größten Studios und Publisher beschäftigen zusammen rund 750 Menschen.
Unterstützung für die "Jungen Wilden"
Nathanael Liminski (CDU), NRW-Medienminister
Bildquelle: ddp/Geisler/Robert SchmiegeltTragende Säulen sind nicht nur große internationale Publisher wie Electronic Arts in Köln und Ubisoft in Düsseldorf. Die Branche lebt von einem lebendigen Ökosystem kleiner, unabhängiger Studios im ganzen Land. Beim Streben nach Exzellenz sei dieses breite Spektrum wichtig, betont Liminski.
"Es sind selten nur die großen Konzerne, die die Games-Branche am Laufen halten," erklärt er. "Wir brauchen auch die jungen Wilden, die jungen Tüftler, die jungen unabhängigen Studios." Während sich der Bund vor allem auf die großen Projekte konzentriert, soll die Landesförderung vorrangig den kleinen Studios eine Perspektive zu geben - nicht nur bei der Entwicklung, sondern auch bei der Vermarktung ihrer Spiele. Vier Millionen Euro lässt sich das Land diese Förderung jährlich kosten. Sie wird über die Film- und Medienstiftung NRW abgewickelt.
Spiele für Demokratie und gegen Desinformation
Einen immer größeren Wert bekommt das Thema "Serious Games", mit denen Bildungs- und Präventionsarbeit gemacht wird. Im Frühjahr hat die Landesregierung beispielsweise mit dem interaktiven Mobile Game "Wer ist Bilal?“ ein neues digitales Bildungsangebot zur Prävention von islamistischer Radikalisierung und Desinformation gestartet. Entwickelt wurde es gemeinsam mit dem Verfassungsschutz und der Berliner Agentur "Paintbucket Games".
Minister Reul und Liminski (beide CDU) mit der Videospielfigur "Bilal"
Bildquelle: dpa/Wolf von DewitzDas Spiel soll am Beispiel eines Protagonisten zeigen, wie schnell, spielerisch und fließend die Übergänge sind, wenn es um Radikalisierung im Netz geht. Es wird an Schulen eingesetzt und das Land stellt die Unterrichtsmaterialien. Fast 50.000 Mal wurde es bereits aus dem App-Store heruntergeladen.
Längst kein Rückzugsraum im Dunkeln mehr
Das alte Klischee, nach dem Games ein Rückzugsraum sind, in denen Menschen vereinsamen und sich hinter herabgelassenen Rollläden dem sozialen Leben entziehen, sei längst nicht mehr haltbar. Digitale Spiele seien vielmehr Treiber für gesellschaftliche Teilhabe, vermittelten Medienkompetenz und auch Demokratieverständnis, betont Liminski, der auch Chef der Staatskanzlei ist.
Wenige Monate vor der Landtagswahl in NRW passt dazu auch das Leitthema der Messe Gamescom: "Games machen Lust auf Zukunft". Felix Falk, der Geschäftsführer des Branchenverbands "Game" verweist auf jüngste Umfragen:
"Das Stereotyp, dass gerade Jüngere in der Welt nicht so stark an die Zukunft denken, das zeigt sich hier nicht." Felix Falk, Geschäftsführer "Game"
Gerade die unter 25-Jährigen geben an, dass Games sie dafür motivieren, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen, sagt er. Dass sich zur diesjährigen Gamescom, die am 26. August startet, erstmals mit Frank-Walter Steinmeier (SPD) ein Bundespräsident angesagt hat, wird als Zeichen dafür gewertet, dass endlich der Wert der Gaming-Branche für die Gesellschaft erkannt wird.
"Die Gamescom wächst in einer Zeit, in der die Welt und mit ihr die internationale Games-Branche vor großen technologischen, wirtschaftlichen aber auch geopolitischen Veränderungen steht", betont der Chef der Koelnmesse, Gerald Böse. Erwartet werden mehr als 1.600 Aussteller und damit so viele wie noch nie.
NRW unterstützt Steueranreize
Zwei weitere angekündigte Besucher aus Berlin machen NRW-Medienminister Liminski Hoffnung darauf, dass der Spiele-Standort NRW bald ein neues Level erreicht: Technologie-Ministerin Dorothee Bär (CSU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Im Gespräch sind nämlich auch mögliche Steueranreize für die Branche, wie es sie bislang in Deutschland nur bei der Forschungsförderung gibt. Das Modell werde zum einen bei der Filmförderung, zum andern bei der Games-Förderung diskutiert, erklärt NRW-Minister Liminski. Er glaubt, "dass es für diese beiden Branchen, die zum einen von hoher Internationalität und zum zweiten von hoher technologischer Dynamik geprägt sind, geeignete Fördermodelle wären, wenn es darum geht, irgendwann auch mal der Standort zu werden, an dem die großen Blockbuster produziert werden."
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz Gamescom 2026
- Interview mit NRW-Medienminister Nathanael Liminski
- Eigene Recherchen
Sendung: WDR 5, Westblick, 18.08.2026, 17:05 Uhr
