Solaranlage auf einem Einfamilienhaus

Solaranlage auf einem Einfamilienhaus

Bildquelle: Chromorange / newspixx vario ima

Strom aus Sonne Weniger neue Solarzellen im ersten Halbjahr in NRW

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Im Rekordsommer 2026 gibt es viele Sonnenstunden. Im ersten Halbjahr wurden aber weniger Solarzellen neu aufgebaut als im Vorjahr.

Der Neubau von Solaranlagen in Nordrhein-Westfalen gibt im zweiten Jahr in Folge nach. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 908 Megawatt (MW) Solarstrom-Leistung im Bundesland neu installiert. Das sind drei Prozent weniger als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters hervor, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) am Mittag veröffentlicht. Im Bundesländer-Vergleich liegt NRW damit beim Bau neuer Solarzellen hinter Bayern auf Platz zwei.

LEE NRW kritisiert Bundesministerin Reiche

Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW

Christian Vossler (LEE NRW)

Bildquelle: LEE NRW/Jochen Tack

Aus Sicht des Verbands ist diese Entwicklung auf bundespolitische Rahmenbedingungen zurückzuführen. "Mit der vorgesehenen Streichung der Förderung für neue kleine Solaranlagen ab 2027 gefährdet man gerade die Anlagen, die für viele Bürgerinnen und Bürger einen Einstieg in die Energiewende ermöglichen", sagt Christian Vossler, der Geschäftsführer des LEE NRW. Bundes-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte diese Maßnahme in den Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geschrieben.

"Auch die Mobilitäts- und Wärmewende wird dadurch verzögert, wenn weniger Sonnenstrom auf dem eigenen Dach produziert wird", kritisiert Vossler. Der LEE NRW vertritt die Interessen der Unternehmen in der Erneuerbare-Energien-Branche.

Neubaur: EEG-Novelle "dringend nachbessern"

Mona Neubaur (Grüne), stellvertretende Ministerpräsidentin äußert sich zum Gesetzespaket der Landesregierung zur Entlastung von Bürgern, Kommunen und Unternehmen.

Mona Neubaur (Grüne)

Bildquelle: Oliver Berg/dpa

Auch Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) kritisiert schwarz-rot in Berlin: Sie finde es angesichts von Hitze und niedrigen Pegelständen "unverständlich, dass die Bundesregierung ausgerechnet jetzt bei der Energiewende auf die Bremse tritt", so Neubaur. "Diese Unsicherheit ist Gift für Investitionsentscheidungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen." Der Bund müsse die EEG-Novelle "dringend nachbessern", sodass "die Menschen von bezahlbarer Solarenergie profitieren und dass kluge Lösungen wie Agri-Photovoltaik nicht an Wettbewerbsnachteilen scheitern".

Beim Solarausbau sei NRW "ein starker Motor - auch wenn wir zuletzt einen leichten Dämpfer sehen", so Neubaur.

Kreis Gütersloh liegt bei Solarzellen vorn

Die meiste neue Solarstrom-Leistung wurde im ersten Halbjahr in NRW in den Kreisen Kreis Gütersloh und Steinfurt installiert, es folgen die Städteregion Aachen und der Rhein-Sieg-Kreis. Als erste kreisfreie Großstadt steht auf Platz fünf Düsseldorf.

"Klimakrise wirkt"

Angesichts der Klimakrise hat sich Nordrhein-Westfalen ebenso wie der Bund verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dafür muss Strom aus Kohle oder Gas schrittweise durch Ökostrom ersetzt werden, der vor allem aus Solarzellen und Windrädern einfach und günstig zu gewinnen ist. Bis Ende 2030 hat sich NRW das Zwischenziel gegeben, "mindestens" 21 Gigawatt (GW) Solarstrom-Leistung installiert zu haben. Aktuell liegt dieser Wert bei 15,2 GW.

"Immer längere Trockenphasen, sinkende Pegelstände in den großen Flüssen und Wasserstraßen, Waldbrände und neue Hitzerekorde zeigen unübersehbar, wie stark die Klimakrise bereits heute wirkt", sagt Hans-Josef Vogel, der Vorstandsvorsitzende des LEE NRW. Aus seiner Sicht müssen deshalb Bund und Länder den Ökostrom-Ausbau "gemeinsam mit dem Netzausbau konsequent vorantreiben. Klimaschutz ist zugleich Wirtschaftsschutz", so Vogel.

17 Prozent der neuen Leistung auf der Freifläche

Ein Blick auf die PV-Anlage aus der Vogelperspektive.

Freiflächen-Solaranlage im Kreis Warendorf

Bildquelle: WDR / Tom Schneider

Bei Freiflächen-Anlagen tritt NRW derzeit auf der Stelle. Der Anteil dieser großen Solarparks liegt im ersten Halbjahr 2026 bei 17 Prozent. Im Gesamt-Vorjahr waren es noch 19 Prozent gewesen. Weil sie einfacher zu installieren sind als Dachanlagen, ist der Strom aus Freiflächen-Solarzellen meist besonders günstig. Durch ihre Größe ist es außerdem möglich, dass durch wenige Solarparks erhebliche Mengen Strom gewonnen werden können. Mittelfristig sollen 50 Prozent der Solarstrom-Leistung von der Freifläche kommen.

Besonderes Potenzial habe dabei die so genannte Agri-PV, bei der Bauern Solarzellen über ihren Anbauflächen installieren. "Gerade angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden zeigt sich ihr großes Potenzial: Die Teilbeschattung kann landwirtschaftliche Kulturen vor Hitzestress schützen und den Wasserbedarf senken", heißt es vom LEE. So gebe es "Landwirtschaft, Klimaanpassung, Biodiversität und erneuerbare Stromerzeugung auf derselben Fläche."

Jede zweite neue Solaranlage ist Balkonkraftwerk

Solarmodule für ein sogenanntes Balkonkraftwerk hängen an einem Balkon.

Ein Balkonkraftwerk

Bildquelle: WDR / picture alliance/dpa/Stefan Sauer

Weiter sehr beliebt sind Balkonkraftwerke: Mehr als 41.000 dieser so genannten steckerfertigen Anlagen gingen im ersten Halbjahr neu in Betrieb. Damit war jede zweite neue Solaranlage ein Balkonkraftwerk. Auf sie entfallen aber lediglich sechs Prozent der neu installierten Leistung. Denn die kleinen Anlagen sind eher ein Einstieg in die Solarstrom-Technik und erzeugen vergleichsweise wenig Strom.

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung LEE NRW
  • Zitate Mona Neubaur
  • Zitate Christian Vossler und Hans-Josef Vogel

Sendung: WDR.de, Neubau von Solaranlagen in NRW gibt nach, 11.08.2026, 12:00 Uhr

Neubau von Solaranlagen in NRW gibt nach

WDR Studios NRW 11.08.2026 00:37 Min. Verfügbar bis 10.08.2028 WDR Online

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