Als das Ergebnis verkündet wirft, lässt jemand laut den "Imperial March" durch den Saal klingen. Jenes Lied aus der Filmsaga Star-Wars, das die Dunkle Seite der Macht symbolisiert. Es soll anscheinend illustrieren, wie einige die Macht Weidels bewerten. Wer dafür verantwortlich ist bleibt nebulös, hinter Vorhängen wird mindestens eine Bluetooth-Box gefunden.
Was war passiert? Der NRW-Landtagsabgeordnete Sven Tritschler wurde mit knappen 50,7 Prozent zum stellvertretenden Bundeschef gewählt. Er setzte sich gegen den bisherigen Amtsinhaber Kay Gottschalk durch, ebenfalls aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen.
Tritschler wurde persönlich von Alice Weidel vorgeschlagen, kurz nachdem sie mit rund 81,3 Prozent im Amt der Bundeschefin bestätigt wurde. Anscheind ein Akt, den größten Landesverband weiter im Machtkampf verharren zu lassen.
Zwei unversöhnliche Lager in NRW
In einer Woche wählt die NRW-AfD ihre Liste zur Landtagswahl. Zwei Seiten stehen sich gegenüber. Das des Landeschefes Martin Vincentz, der noch knapp die Mehrheit hat. Er hatte versucht, den rechtsextremen AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich aus der Partei werfen zu lassen. Das jedoch scheiterte in dieser Woche endgültig. Um Helferich herum positioniert sich das zweite Lager.
Er genießt besonders den Rückhalt des Parteinachwuchses, der "Generation Deutschland". Vincentz wiederum stolpert seit einiger Zeit über parteiinterne Auseinandersetzungen. Leute wie Sven Tritschler, obwohl inhaltlich weit entfernt von Helferich, wechselten das Lager, weg vom amtierenden Landeschef.
Tritschler greift in Rede Konflikt auf
Vor über einem Jahr war es Tritschler, der mit einem internen Brief einen Skandal in der Landespartei auslöste. Er warf in dem Papier einem engen Vertrauten des Landeschefs Ausspäh-Methoden vor.
Im Gegenzug wurden und werden immer wieder Gerüchte über Tritschler gestreut, sogar bis vor dem Parteitag in Erfurt. Tritschler sprach das in seiner Rede offen an. Er bezog sich auf einen Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach seine Kandidatur "ein Affront" sei und er nicht mehr für den Landtag aufgestellt werde. "Doch ich werde mir den Schneid nicht abkaufen lassen", kündigte Tritschler an.
In einer Woche wichtige Wahl zur AfD-Liste
Auch wenn das Dementi des Landeschefs Vincentz - er war aus persönlichen Gründen nicht in Erfurt - prompt folgte, er stecke hinter der Aussage in der FAZ: Es zeigt, wie tief die Gräben in NRW weiterhin sind. Es ist ein offenes Geheimnis, dass zwischen Tritschler und Vincentz das Tischtuch zerschnitten ist.
Entsprechend nüchtern fallen die Gratulationen des Landeschafs an seinen jetzt wichtigsten Vertreter im Bundesvorstand aus. Er nennt noch nicht einmal Tritschlers Namen: "Ich gratuliere meinem Kollegen zur Wahl und hoffe weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Land und Bund", so der AfD-Landeschef. Auch Tritschler betonte auf Rückfrage nach seiner Wahl nur knapp, dass die Zusammenarbeit weiter konstruktiv laufen werde.
Auch das zweite Mitglied im AfD-Bundesvorstand aus NRW dürfte die internen Diskussionen anheizen. Der Bundestagsabgeordnete Maximilian Kneller wurde zu einem der sechs Beisitzer gewählt, auch er war der Wunsch Weidels, ohne dass der Landesverband selber hätte mitentscheiden können.
Welche Auswirkungen das haben kann, wird sich nächste Woche zeigen: In Marl stellt die AfD ihre Liste zur Landtagswahl 2027 auf. Bisher gibt es keine zwischen den Lagern geeinigte Liste. Einzig die Wahl Martin Vincentzs zum Spitzenkandidat scheint klar zu sein. Wobei auch das nach dem Bundesparteitag nicht mehr gänzlich sicher ist.
Unsere Quellen:
- Eigene Recherche
- AfD-Bundesparteitag in Erfurt
- Reporter vor Ort
- Statement AfD-Landeschef Martin Vincentz
Sendung: WDRaktuell 16:00 Uhr, NRW auf dem AfD-Bundesparteitag, 04.07.2026, 16:00 Uhr.
