Eine kleine Modellfigur sitzt auf einem Münzstapel aus Euro-Cent-Münzen

Kabinett beschließt Rentenpaket: Was bedeutet das für Millennials?

Stand:

Die Bundesregierung hat ein Rentenpaket zur Absicherung des Rentenniveaus und zur Ausweitung der Mütterrente auf den Weg gebracht.

Das Kabinett billigte am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzesentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). "Gerade in unsicheren Zeiten sendet das Rentenpaket 2025 eine klare Botschaft an alle Generationen: Die Rente bleibt stabil und gerecht", erklärte Sozialministerin Bas nach dem Kabinettsbeschluss.

Doch das Rentenpaket sorgt auch für Kritik: "Der heutige Kabinettsbeschluss ist ein Fehler mit langfristigen Folgen", sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. "Das geplante Rentenpaket wird zum Boomerang für kommende Generationen."

Was bringt das neue Rentenniveau? Wer profitiert von der Mütterrente? Und welche Auswirkungen hat das neue Rentenpaket auf Menschen, die um die 30 Jahre alt sind?

Was bedeutet die Absicherung des Rentenniveaus?

Die Regierung will das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 bei mindestens 48 Prozent eines Durchschnittslohns stabilisieren. Diese sogenannte Haltelinie verhindert, dass die Renten langsamer steigen als die Löhne. Ohne die neue Regelung würde das Niveau nach aktuellen Prognosen bis 2031 auf 47,0 Prozent und bis 2040 auf 45 Prozent sinken.

Die Stabilisierung des Rentenniveaus sorgt dem Arbeitsministerium zufolge dafür, dass die Altersbezüge insgesamt um rund zwei Prozent höher ausfallen als ohne die Reform. Eine Rentnerin mit einer Monatsrente von 1.500 Euro hätte demnach im Jahr 2031 rund 30 Euro im Monat mehr zur Verfügung.

Für wen steigt die Mütterrente?

Die Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder werden um sechs weitere Monate auf insgesamt drei Jahre angehoben. Das gilt seit längerem schon für später Geborene. Von dieser Ausweitung sollen rund zehn Millionen Eltern profitieren, überwiegend Frauen. Die Neuregelung soll spätestens 2028 umgesetzt, aber dann rückwirkend ab 2027 gezahlt werden.

Ganz konkret: Durch die Ausweitung der Mütterrente steigt die monatliche Rente für jedes vor 1992 geborene Kind um rund 20 Euro.

Mütterrente: Umstrittene Reform – Lob und Kritik

WDR 5 Mittagsecho 06.08.2025 12:31 Min. Verfügbar bis 06.08.2026 WDR 5

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Was bedeutet das Rentenpaket für die heute 30-Jährigen?

Auch Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin findet es wichtig, das Rentenniveau zu stabilisieren. "Das ist schon sinnvoll", sagt er. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Kosten für ein solches Paket schnell in zweistellige Milliardenbereiche gingen. Das bestätigt der Gesetzentwurf: Laut diesem erhöhen sich die zusätzlichen Ausgaben für den Bund zunächst um rund neun Milliarden Euro im Jahr 2027. Bis zum Jahr 2030 steigen sie auf 14,5 Milliarden Euro jährlich und bis 2040 steigt der Betrag auf knapp 20 Milliarden Euro an.

Dr. Johannes Geyer, Stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Staat

Johannes Geyer

Die Kosten für das neue Rentenpaket werden vollständig aus dem Bundeshaushalt und damit von den Steuerzahlern getragen. Johannes Geyer erklärt, dass dadurch vermutlich auch die Steuerlast zunehmen wird - davon seien dann alle betroffen, auch die 30-Jährigen.

Und obwohl die Verbesserungen mit Steuergeld bezahlt werden sollen, müssen sich auch Arbeitnehmer und Arbeitgeber laut Gesetzentwurf auf etwas höhere Kosten einstellen: Ab 2027 soll der Rentenbeitrag von heute 18,6 auf 18,8 Prozent des monatlichen Bruttolohns steigen - etwas mehr als erwartet.

"Die Rentenbeiträge werden so oder so steigen. Die Frage ist eher, wie stark sie steigen", sagt Geyer. Auf alle und damit auch auf die heute 30-Jährigen komme eine jährliche Steigerung des Beitragssatzes für die Rentenversicherung zu - unabhängig vom neuen Rentenpaket.

Gibt es für heute 30-Jährige jetzt Handlungsbedarf?

Für die junge Generation sei es wichtig, frühzeitig auch privat für das Alter vorzusorgen, sagt Geyer. Das sei jedoch nicht ganz einfach: Es gebe viele Angebote, aber nicht alle davon seien gut. Wichtig sei es, sich von unabhängiger Seite - zum Beispiel von Verbraucherzentralen - beraten zu lassen, welche Anlageprodukte sinnvoll sind. 

In anderen Ländern wäre das viel einfacher, erklärt Geyer. Dort sei die private Altersvorsorge zum Teil viel zentralisierter geregelt. In einigen Ländern biete der Staat privatfinanzierte, aber staatlich regulierte Modelle an. Also eine Art staatlich geprüftes Standardprodukt, durch das man zusätzlich privat für das Alter vorsorgen kann. Solche Modelle sind laut Geyer sinnvoll, stehen jedoch aktuell bei der Regierung nicht im Plan.

Quellen:

  • Interview mit Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin
  • Nachrichtenagentur DPA
  • Nachrichtenagentur AFP
  • Rentenbeginn- und Rentenhöhenrechner der Deutsche Rentenversicherung

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