Die Hitze drückt seit Wochen, vor allem in den Städten NRWs ächzen immer mehr Menschen unter den hohen Temperaturen. Abkühlung ist vielerorts schwer zu finden.
Laut Robert Koch-Instituts (RKI) sind in diesem Jahr deutschlandweit bislang fast 10.000 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben (Stand Mitte Juli). Auch für NRW meldet das Statistische Landesamt einen traurigen Rekord: In der Woche zwischen dem 22. und 28. Juni 2026 seien in NRW insgesamt 6.335 Menschen gestorben. In den vergangenen 25 Jahren lag die höchste wöchentliche Sterbefallzahl im Juni bei 4.883.
Umweltstaatssekretär: "Lektion gelernt"
Jochen Flasbarth (SPD), Staatssekretär im Bundesumweltministerium, hatte zuletzt im ZDF gesagt, er halte für den nächsten Sommer einen nationalen Hitzeaktionsplan für notwendig. Das sei "die Lektion, die wir aus diesem Sommer gelernt haben".
Dass Kommunen sogenannte Hitzeaktionspläne aufstellen sollen, hatte das Bundesumweltministerium schon 2017 beschlossen - und auch Handlungsempfehlungen dafür veröffentlicht. Dennoch läuft es bislang zäh mit diesen Plänen.
Laut Gesundheitsministerium NRW haben derzeit erst 25 Kommunen von insgesamt 427 im Land einen fertigen Hitzeaktionsplan. Das klingt wenig - allerdings liegt NRW damit bundesweit schon weit vorne: Insgesamt gibt es laut Ministerium bundesweit erst 73 kommunale Hitzeaktionspläne. Außerdem hätten 44 der insgesamt 53 Kreise und kreisfreien Städte in NRW "hitzebezogene Maßnahmen" ergriffen.
Kommunen in NRW unterschiedlich aufgestellt
Die Pläne fallen sehr unterschiedlich ambitioniert aus. Manche Städte setzen auf städtebauliche Veränderungen: Etwa, dass Gebäude nicht mehr in wichtigen Frischluftschneisen geplant werden sollen, dass es mehr kleine Grünflächen im Stadtgebiet gibt, dass asphaltierte Flächen, die die Hitze speichern, durch Pflaster oder Rasengittersteine ersetzt werden.
Andere setzen auf Verhaltenstipps für die Bürger, auf Infos zu schattigen Plätzen oder Trinkbrunnen in der Stadt.
Nach Ansicht des Umweltstaatssekretärs geht es aber insgesamt nicht schnell genug nach vorn. Ein nationaler Hitzeplan soll da offenbar mehr Tempo und mehr Druck machen. Laut Bundesumweltministerium haben sieben der 16 Bundesländer bereits einen landesweiten Hitzeaktionsplan. NRW gehört nicht dazu.
Das Bundesumweltministerium gibt an, derzeit in einem Forschungsprojekt zu prüfen, wie ein nationaler Hitzeaktionsplan für Deutschland aussehen könnte, der die Eigenheiten der Bundesländer berücksichtigt.
NRW will keinen landesweiten Hitzeaktionsplan
Auf WDR-Nachfrage verweist das zuständige Landesgesundheitsministerium auf die Zuständigkeit der Kommunen: "Die Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne liegt in Nordrhein-Westfalen in der Verantwortung der Gemeinden." Konkrete Präventionsmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit müssten "unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten" konzipiert und umgesetzt werden, sagt ein Sprecher. Eine "landesweite Schablone" könne dem nicht gerecht werden, "mitunter sogar zu negativen Folgen führen".
Rheinland-Pfalz hat einen Plan
In Rheinland-Pfalz beispielsweise richtet sich der landesweite Hitzeaktionsplan mit festen Vorgaben an die Kommunen. Unter anderem soll die Bevölkerung bei bevorstehenden Hitzewellen über festgelegte "Kommunkationsketten" sensibilisiert werden. Das Ministerium gibt Flyer für Arztpraxen heraus, Informationen zum Hitzeschutz sollen auch in Pflegeheimen, Kitas, Schulen und an Arbeitgeber verteilt werden.
Aufnahme einer Wärmebildkamera von einem sommerlichen Platz in Zürich
Gebiete, in denen sich besonders gefährdete Menschen aufhalten - wie Pflegeeinrichtungen - sollen identifiziert werden, um sie mit Unterstützung und Information zu versorgen. Schließlich gehört auch die Stadtplanung dazu: Baulicher Hitzeschutz für Gebäude, Mitplanung von Klimageräten, Einrichtung kühler Bereiche im öffentlichen Raum, Beschaffung von Kühlbussen für Obdachlose.
Nationaler Hitzeaktionsplan könnte Regeln vorgeben
Nicole Kauke vom Landesumweltamt
Hitzeaktionspläne - auch von höherer Ebene - hält Nicole Kauke vom Landesumweltamt generell für sinnvoll. Ein nationaler Hitzeaktionsplan allerdings könne womöglich nicht ausreichend auf individuelle, örtliche Gegebenheiten eingehen, meint sie. Etwa, wenn die Wetterwarnung des DWD große Hitze voraussagt, die aber in einer Stadt ganz andere Auswirkungen hat als auf dem Land.
Andererseits, sagt sie, könne ein von oben verordneter Hitzeaktionsplan ein guter Rahmen sein, um den Betroffenen vor Ort "Hilfestellung" zu geben: Wenn beispielsweise ein Sportverein überlegen muss, eine Veranstaltung abzusagen. Auf den Verantwortlichen liegt dann ein großer Druck. "Wenn es von oben klare Regeln für solche Fälle gibt, kann das sehr helfen", sagt Kauke.
Die aktuelle Hitzewelle, glaubt sie, habe sicherlich auch die Behörden auf allen Ebenen noch einmal sensibilisiert dafür, dass es nun schneller gehen muss mit Hitzeschutzmaßnahmen.
Hitzeaktionspläne auch für Krankenhäuser
Hitzeaktionspläne sind derzeit nicht nur für Kommunen vorgesehen. Auch in Krankenhäusern sollen bei großer Hitze künftig feste Reaktionspläne ablaufen. Darauf hatte sich das Gesundheitsministerium unter anderem mit der Pflegekammer NRW und der Krankenhausgesellschaft NRW verständigt.
Demnach sollen die standardmäßigen Notfallpläne der Krankenhäuser künftig auch den Punkt "Hitze" enthalten. Bei Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) will das Gesundheitsministerium ab sofort Verhaltenstipps veröffentlichen. Bei Warnstufe zwei des DWD sollen dann automatische Hitzeaktionspläne in den Kliniken wirksam werden. Manche Kliniken lagern dafür inzwischen zusätzliche Kühlmaterialien, statten Fenster mit Sonnenschutzfolien oder außenliegendem Sonnenschutz aus oder investieren in Klimaanlagen.
Dennoch hatte die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) Ende vergangener Woche noch gemahnt: Den NRW-Kliniken fehlten oft das Geld zum Hitzeschutz. "Es gibt leider für NRW – und auch bundesweit – bis heute kein flächendeckendes Investitionsprogramm für Hitzeschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen", sagte KGNW-Präsident Ingo Morell.
NRW-Gesundheitsminister: Arbeiten an Förderprogramm
"Müssen uns an Hitze gewöhnen": Gesundheitsminister Laumann
In den Krankenhäusern in NRW seien "in der Regel" keine Klimaanlagen vorhanden - das hatte auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vergangene Woche im WDR eingeräumt, "das kann man von heute auf morgen auch nicht ändern". Man arbeite jetzt aber daran, "weil wir uns ja an diese Hitzewellen gewöhnen müssen".
Jedes Jahr bekämen die Krankenhäuser in NRW vom Land insgesamt 700 Millionen Euro für Maßnahmen, über die sie selbst entscheiden könnten. "Davon kann man natürlich auch Klimatechnik machen", sagte Laumann. Derzeit werde angesichts der extremen Wetterereignisse an einem Förderprogramm für die nächsten Jahre gearbeitet.
Unsere Quellen:
- Bundesumweltministerium
- Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz
- IT-NRW
- Stellungnahme des NRW-Gesundheitsministeriums
- Interview mit Nicole Kauke, Leiterin Fachgebiet Klimaatlas und Kommunalberatung beim LANUK
- Interview mit NRW-Gesundheitsminister Laumann
Sendung: WDR.de, Hitzeaktionspläne in NRW, 03.08.2026, 17:00 Uhr