Diese Wahl ist historisch: In Mecklenburg-Vorpommern scheitert die CDU an der Fünfprozenthürde und schafft es zum ersten Mal nicht in einen Landtag. In unserer Region ist die CDU von einem solchen Szenario zwar weit entfernt. Und trotzdem: Die Ergebnisse der Wahlen im Osten beschäftigen auch hier viele Menschen. Als wir uns auf den Straßen von Aachen umhören wird schnell deutlich: Ein Wunsch nach politischer Erneuerung liegt in der Luft.
Besonders deutlich formuliert das Orhan Dogan, Mitarbeiter im Demhat Shop am Alexianergraben. Der gebürtige Kurde aus der Türkei lebt seit 16 Jahren in Deutschland und verfolgt das politische Geschehen regelmäßig. Für ihn ist das Wahlergebnis keine Überraschung.
Aachener über CDU-Niederlage: "Braucht Neuanfang"
"Das ist die Reaktion des Volkes auf die erfolglosen Politiker und das, was sie in den letzten Jahren gemacht haben“, sagt er. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass sich ihre Lebenssituation verschlechtert habe. Dass Parteien an den politischen Rändern davon profitieren, überrascht ihn deshalb nicht. Gleichzeitig blickt er mit Sorge auf die Entwicklung:
"Ich finde, das ist wirklich traurig für Deutschland. Es ist so ein schönes Land und so viele vor uns haben so vieles aufgebaut.“ Orhan Dogan, Kiosk-Mitarbeiter aus Aachen
Leo Motta (18) ist Schüler aus Aachen.
Bildquelle: WDR/Birgitta BäckDie Frage, welche Konsequenzen die etablierten Parteien nun ziehen müssen, beschäftigt auch den 18-jährigen Aachener Leo Motta. Er sieht das Wahlergebnis als deutlichen Warnschuss für die Union. "Es ist überraschend. Es ist ein Zeichen dafür, dass die CDU einfach einen Neuanfang braucht und jetzt etwas an ihrer Politik ändern muss“, sagt der Schüler.
Befragte kritisieren Merz und äußern Sorge über AfD-Sieg
Martin Tappenbeck
Bildquelle: WDR/Birgitta BäckNoch schärfere Kritik kommt von Martin Tappenbeck. Der Aachener macht insbesondere CDU-Chef Friedrich Merz für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich. "Die Lügen, die Merz verbreitet hat, kommen jetzt auf ihn zurück“, meint Tappenbeck. Das Wahlergebnis müsse für die CDU eine Warnung sein. Er selbst sei "sehr enttäuscht von Merz“.
Valerie Rux, junge Mutter aus Aachen.
Bildquelle: WDR/Birgitta BäckSven, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, formuliert seine Sorgen unmissverständlich. "Wenn die AfD an die Macht kommt, dann haben wir nichts mehr zu lachen, da bin ich sicher“, sagt er. Auch die junge Mutter Valerie Rux besorgt die Situation. "Ich bin weder für die CDU noch für die AfD, aber es ist schon erschreckend, wie sich das alles entwickelt – in Richtung Rechtsruck“, sagt sie.
CDU in Aachen noch bei rund 30 Prozent: Zeit drängt dennoch
"Ich denke, das ist ganz normal, wenn rechte oder linke Parteien gewinnen und nicht mittlere, so wie wir es damals in der Demokratie erlebt haben", sagt Orhan Dogan über den Tresen im Kiosk am Alexianergraben. "Deutschland war ein starkes Land. Wir hatten Macht. Jetzt ist die Lage am Boden, egal in welche Richtung man guckt."
Mit Verlusten in Mecklenburg-Vorpommern hat die CDU-Fraktion auch hier in Aachen gerechnet. Nicht aber mit einem Abrutsch ihrer Kollegen in die Bedeutungslosigkeit. Die Enttschäuschung hier am Westrand der Republik ist daher groß. Holger Kiemes, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Aachener Stadtrat, verweist dagegen auf die Ergebnisse seiner Partei in Nordrhein-Westfalen.
Hier in NRW haben die Parteien der Mitte immer noch einen wesentlich größeren Zuspruch, als das im Osten der Fall ist. Holger Kiemes, CDU-Fraktionsvorsitzender der Stadt Aachen
Die Wahlergebnisse im Osten müssen jetzt auch am Rhein analysiert werden. Die Zeit dafür drängt. Am 25. April 2027 wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt.
Was macht die Wahl in MV mit den Menschen in der Region?
Bildquelle: WDR/Birgitta BäckWDR. 2 Min. 44 Sek.. Verfügbar bis 21.09.2028.
Unsere Quellen:
- WDR-Umfrage mit Menschen in Aachen
- WDR-Gespräch mit Holger Kiemes, CDU-Fraktionsvorsitzender der Stadt Aachen
Sendung: WDR.de, CDU-Debakel beschäftigt Aachen: "Es ist erschreckend", 21.09.2026, 19:28 Uhr