Darum geht's
Die Finnin Saga und ihr britischer Ehemann Jon sind entschlossen: Gemeinsam lassen sie ihr Stadtleben in London hinter sich und ziehen ins abgelegene, geerbte Haus von Sagas Oma mitten im finnischen Wald.
Dass die Böden morsch sind und Schrottberge vor der alten Villa liegen, kann die Begeisterung der beiden zunächst nicht schmälern. Ihr Glück scheint perfekt.
Das ändert sich jedoch, als Saga ein Kind zur Welt bringt. Der kleine Junge ist stark behaart und schreit animalisch. Muttermilch lehnt das rasch wachsende Baby ab, es bevorzugt Blut und rohes Fleisch.
Auch wenn sich der gutmütige Jon mit aller Kraft dagegen stemmt: Die Paaridylle bekommt tiefe Risse. Was ist das für ein Wesen, das da mit ihnen lebt? Ist das Kind das Problem oder die Beziehung der Mutter zu ihrem Baby?
Darum geht's wirklich
Die finnische Regisseurin Hanna Bergholm erzählt in ihrem Psychothriller einmal anders über Mutterschaft.
Die spielen mit
Seidi Haarla spielt die Ehefrau Saga, Rupert Grint, der Rothaarige aus den Harry-Potter-Filmen, hat die Rolle des Ehemanns Jon übernommen.
Das sagt Kinokritikerin Andrea Burtz
Regisseurin Hanna Bergholm fackelt nicht lang, sondern kommt gleich auf den Punkt: Nach der Geburt des Babys ist zwischen den jungen Eltern Saga und Jon nichts mehr, wie es war.
Vater Jon versucht lange Zeit, ruhig zu bleiben, Saga fühlt sich schon am ersten Tag bedroht vom neuen Familienmitglied und scheint darüber langsam den Verstand zu verlieren. Dicke Ränder unter den Augen, ein paar Kilo zu viel auf den Hüften, wunde Brustwarzen – jeder Blick in den Spiegel schmerzt die junge Mutter.
Ein abendliches Treffen mit ihren Arbeitskolleginnen entpuppt sich für sie als purer Stress. Denn Saga ist nicht die überglückliche Mutter, die in ihrer neuen Rolle aufgeht, sondern komplett ausgelaugt.
Als sie noch hören muss, dass ihre Vertretung beliebt ist und den Job gut wuppt, flieht sie zurück nach Hause – und klaut für ihr Baby von der Restauranttheke noch ein rohes Stück Fleisch. Denn das ist für den monströsen Nachwuchs das höchste Glück, auch wenn sein Vater das nicht wahrhaben will. Oder bildet sich Saga all das Grauen nur ein?
In ihrem zweiten Film zeigt Hanna Bergholm (nach "The Hatching"), dass echter Grusel nicht zwingend in dunkler Nacht spielen muss – ihr Horror funktioniert durchgehend im Tageslicht. Die Waldidylle mit ihren riesigen Bäumen, die plötzlich Gesichter und Arme zu haben scheinen, wird zum bedrohlichen Umfeld.
Besondere Spannung entsteht dadurch, dass das titelgebende Kind erst am Ende komplett zu sehen ist. Vorher gibt es nur Bilder seines stark behaarten Rückens, begleitet von animalischem Schreien, und Gesichter von Verwandten, deren Lächeln nach dem ersten Blick in den Kinderwagen versteinert.
Was ist das für ein Satansbraten, der mit aller Kraft den Schmuck aus Omas Ohrläppchen reißt und die Cousine beim Spiel in den Finger beißt?
Der Spielort Finnland mit seinen Sagen über Trollen und nebelverhangenen Wäldern verleiht der gradlinig erzählten Story etwas Märchenhaftes.
Nightborn - eine düstere Fabel über Mutterschaft, die unter die Haut geht.
Die Bewertung auf einen Blick
Vier von fünf Sternen
Genre, Land Jahr (z.B. Drama, USA 2018)
Regie: Hanna Bergholm
Länge: 90 Minuten
Ab 16 Jahren
Kinostart: 06.08.2026
Sendung: WDR 2 Sommerradio, 06.08.2026, ab 15:05 Uhr