Das Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche hat in den letzten Jahren besonders online deutlich zugenommen. 7.645 Verstöße gegen den Kinder- und Jugendschutz hat es nach aktuellen Zahlen der Fachstelle Jugendschutz.net gegeben – das ist im Vorjahresvergleich ein Zuwachs von knapp 300 Fällen.
Eigentlich sollen Kinder und Jugendliche vor Gefahren, unangemessenen Inhalten und ungewollter Kommunikation mit Fremden besonders geschützt werden. Das sollte das Jugendschutzgesetz regeln – doch im Internet greift es oft nicht richtig.
Sexualisierte Gewalt macht den größten Anteil der Delikte aus. So versuchen z. B. beim Cybergrooming Erwachsene, sich das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erschleichen, indem sie unter Pseudonymen auf Plattformen oder bei Spielen gezielt Kontakt aufnehmen. Wenn Kinder oder Jugendliche auf diese Kontaktaufnahmen eingehen, kommt es nicht selten zu sexueller Belästigung oder Missbrauch. Aber auch pornografische Inhalte, mit denen Kinder ungewollt in Kontakt kommen, sind ein Problem.
Extremismus, Fake News und Hassnachrichten werden ein immer größeres Problem. KI-Inhalte machen es zudem immer schwerer, Realität und Fälschung zu unterscheiden.
Auf Tiktok trendete vor kurzem der Hashtag #Skinnytok. Darunter zu sehen: sehr dünne, junge Frauen, die Abnehmtipps geben, abgemagerte Körper zum Schönheitsideal erheben und Magersucht und Essstörungen verharmlosen. TikTok hat den Hashtag mittlerweile gesperrt, doch die Inhalte sind noch immer auffindbar. Eine Gefahr, denn immer mehr Mädchen werden wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelt.
Kinder und Jugendliche kommen meist unreguliert mit solchen Inhalten in Kontakt. Zwar gilt das Jugendschutzgesetz, die Plattformen reagieren aber meist nicht angemessen. Oft fehlt eine zuverlässige Altersprüfung. Nicht selten müssen Eltern selbst Lösungen finden – zum Beispiel durch die Installation von Jugendschutzprogrammen auf Handys oder begrenzten Nutzungszeiten.
Wie kann Jugendschutz online (besser) gelingen? Wünschen Sie sich, dass die Politik sich aktiver dafür einsetzt? Oder sind die Plattformen in der Verantwortung? Sollte Medienkompetenz ein Schulfach werden? Was tun Sie dafür, um Ihre Kinder online zu schützen? Sollten Eltern die Handys und Accounts Ihrer Kinder kontrollieren?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Thomas Salzmann, stellv. Direktor der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz
Redaktion: Jonas Klüter und Jessica Eisermann