Schach-Großmeister aus Lemgo vor dem WM-Kandidatenturnier

Lokalzeit OWL 24.03.2026 23 Min. 1 Sek. Verfügbar bis 24.03.2028 WDR Von Mareike Zeck

Lemgoer hat Chancen: Wie wird man eigentlich Schachweltmeister?

Stand:

Schach-Europameister Matthias Blübaum aus Lemgo spielt gerade das wichtigste Turnier seiner Karriere: Er könnte sich damit für die Schach-WM qualifizieren. Das ist jetzt schon eine Sensation. Wie kommt man so weit?

Von Katja Goebel

Ihn hatte wohl erstmal niemand auf dem Zettel - jetzt aber sitzt der gebürtige Lemgoer Matthias Blübaum tatsächlich in Zypern beim WM-Kandidatenturnier. Das ist nichts Geringeres als die Qualifikation dafür, am Ende bei der WM vielleicht gegen den amtierenden Weltmeister aus Indien, Dommaraju Gukesh, anzutreten. Für Blübaum ist es das wichtigste Turnier seiner Karriere.

Erste Chance zur WM-Qualifikation seit mehr als 30 Jahren

Und auch die Schachwelt guckt gerade fasziniert auf das Geschehen. Denn der 28-Jährige Blübaum ist der erste Deutsche seit 1991, der die Chance hat, sich überhaupt für die Schach-Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Wie wird man vom Schach-Wunderkind zum Weltmeister? Und wie stehen Blübaums Chancen, tatsächlich gegen den amtierenden Weltmeister anzutreten? Hier kommen die Antworten:

Strategiespiel für fast jedes Alter

Das strategische Brettspiel kann offensichtlich schon sehr früh erlernt und auch beeindruckend gut gespielt werden. Der jüngster Spieler der Geschichte mit einer offiziellen Wertungszahl des Weltschachverbands FIDE war erst drei Jahre alt. Sarwagya Singh Kushwaha aus Indien stellte 2025 diesen Rekord auf. Der vorherige Rekordhalter war nur einen Monat älter.

Schach im Verein: Logisches Denken und strategisches Planen

Auch hierzulande spielen schon Kinder Schach. Viele Vereine in NRW haben Kinder und Jugendliche in ihren Reihen. Beim Düsseldorfer Schachklub spielen beispielsweise derzeit mehr als 80 Kinder und Jugendliche Schach.

Dass Schach Kindern im frühen Alter viele kognitive und soziale Vorteile bringt, macht sich auch die gemeinnützige Initiative "Schach für Kids" zu Nutze. Mit Schach werden Kinder dort ab 3 Jahren spielerisch in ihrer Entwicklung unterstützt. Durch das Spiel werde das logische Denken, die Konzentrationsfähigkeit und das strategische Planen gefördert, heißt es seitens der Initiative.

Karte mit Standorten der Schachvereine in NRW

Schachvereine in NRW

Bildquelle: schach.in

Derzeit gibt es laut des Deutschen Schachbundes mehr als 2.000 Schachvereine bundesweit. Allein in Nordrhein-Westfalen sind es über 470. Eine Karte mit NRW-Vereinen findet ihr hier.

Mit 17 schon Großmeister

Der gebürtige Lemgoer Matthias Blübaum galt schon in seiner Jugend als großes Talent. Schach ist bei ihm zuhause ein echtes Familiending. Sein Vater war sein Jugendtrainer, auch die Geschwister spielen Schach. Seine Mutter begleitete ihn schließlich zu Turnieren quer durch Europa.

Mit 17 Jahren hat er nicht nur sein Abitur, sondern auch den Großmeistertitel in der Tasche - das ist der höchste Titel, der vom internationalen Schachverband FIDE verliehen wird. Einmal verliehen, gilt er lebenslang. Derzeit gibt es laut Wikipedia rund 1.800 Großmeister weltweit (Stand 10. März 2026).

Blübaum macht mit 24 Jahren seinen Masterabschluss in Mathematik - und wird das erste Mal Europameister im Schach. Ein zweites Mal holt er sich den Titel 2025. Dass man für Schach besonders intelligent sein muss, hält Blübaum allerdings für ein Klischee, wie er im WDR-Interview verrät. Inzwischen lebt Blübaum in Bielefeld.

Blübaum - der Underdog

Matthias Blübaum vor einem Mikrofon des WDR

Matthias Blübaum zu Gast beim WDR

Bildquelle: WDR

Dass der mittlerweile 28-jährige Matthias Blübaum jetzt in der Kandidatenturnierrunde für die Schach-WM spielt, hätte er sich wohl selbst lange nicht träumen lassen. Für ihn sei das eine riesen Sache, sagt er im Gespräch mit dem WDR.

"Natürlich gehe ich da als Underdog rein und nicht als Favorit." Schachgroßmeister Matthias Blübaum

Blübaum steht derzeit auf Weltranglisten-Platz 32 und auf den hat er sich auch erst in der jüngeren Vergangenheit vorarbeiten können - durch einige wichtige Erfolge gegen starke Gegner. Er hat erst wenige der besonders renommierten Turniere gespielt und konzentriert sich erst seit vier Jahren in Vollzeit auf Schach.

14 Partien in drei Wochen

Doch wie läuft dieses WM-Kandidatenturnier auf Zypern nun ab? Tatsächlich muss Matthias Blübaum dort ab Sonntag (29.03.2026) viele Runden durchstehen - genau genommen 14 Partien in knapp drei Wochen. Das Turnier gilt als eines der härtesten der Welt. Für Blübaum geht es dabei gegen sieben andere Schachgrößen. "Jeder spielt gegen jeden zweimal", erklärt Blübaum. Der Gewinner darf danach Weltmeister Gukesh Dommaraju herausfordern.

Qualifiziert hat Blübaum sich wohl auch, weil viele Topspieler ihn unterschätzt haben. Jetzt hofft er, dass die Konkurrenz gegen ihn vielleicht etwas zu sehr auf Risiko spielt. "Wenn es gut läuft und ich ein bisschen selbstbewusster bin, treffe ich am Schachbrett leichter Entscheidungen und das ist besser, als zu lange nachzudenken."

Übrigens: Der Sieger des Kandidatenturniers dürfte wohl als Favorit in die WM gehen. Der aktuelle Weltmeister Gukesh aus Indien hatte zwar 2024 die WM gewonnen, doch danach war der erst 19-Jährige in der Weltrangliste ziemlich abgestürzt. Derzeit liegt er auf Rang 10.

Auf seinem eigenen Schachkanal im Netz folgen Blübaum aktuell 4.780 Fans. Während des Turniers auf Zypern könnten es aber einige mehr werden.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 24.03.2026, 19:30 Uhr

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