Auto fährt an Elektroladeplatz vorbei

Steigender Anteil an E-Autos bei den Kfz-Neuzulassungen

Elektromobilität Hohe Spritpreise treiben den E-Auto-Boom an

Stand:

Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos ist im Juni deutlich gestiegen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden knapp 85.000 vollelektrische Autos neu zugelassen.

Über den Boom bei den E-Autos freuen sich auch einige Autohändler. Beim Autohaus Amelung in Wiehl spürt man aktuell die gestiegene Nachfrage nach den Stromern massiv. In der Filiale werden eher Modelle des gehobenen Preisegments angeboten. Aber der Renner ist derzeit ein günstigeres Basismodell mit staatlicher Förderung, sagt Verkaufsleiter Sascha Bürger. 70 Prozent seiner Privatkunden kaufen ein vollelektrisches Auto, so Bürger. Dahinter folgen Hybride und erst dann normale Verbrenner.

"Durch die höheren Spritpreise haben sich viele mit dem Thema beschäftigt und haben sich gefragt, wie viel kostet mich der Kilometer beim Verbrenner. Und wie viel beim Elektroauto. Aktuell spielt im privaten Bereich auch die staatliche Förderung  eine Rolle." Sascha Bürger, Verkaufsleiter Autohaus Amelung, Wiehl

Der Vorteil hier: Anders als in großen Nachbarstädten wie Köln, laden im Oberbergischen mehr Menschen über eine private Wallbox, was wohl vor allem mit der großen Zahl an Ein- und Zweifamilienhäusern zusammenhängt.

Knapp ein Drittel der Neuzulassungen vollelektrisch

Im gesamten ersten Halbjahr 2026 legten die Neuzulassungen von Elektroautos deutlich zu. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) stiegen sie um fast 50 Prozent. Gleichzeitig gingen die Neuzulassungen von Benzinern deutlich zurück. Auch Dieselfahrzeuge wurden seltener neu angemeldet.

Boom bei E-Autos - Zahlen der Kfz-Neuzulassungen

WDR 03.07.2026 04:14 Min. Verfügbar bis 02.07.2028 WDR Online

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Im Juni entfielen bundesweit mehr als 28 Prozent der Neuzulassungen auf reine Elektrofahrzeuge. Zusammen mit Plug-in-Hybriden lag der Anteil der Steckerfahrzeuge damit bei fast 40 Prozent.

E-Autos in NRW

Belastbare Zahlen für NRW im laufenden Jahr liegen derzeit nicht vor. Der Automobilexperte Stephan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach geht jedoch davon aus, dass der Bundestrend grundsätzlich auch in Nordrhein-Westfalen zu beobachten ist. Er sieht bei der Ladeinfrastruktur Fortschritte, verweist aber auch auf Herausforderungen in Städten.

"Auf der Langstrecke haben wir kein Problem mehr mit der Ladeinfrastruktur. Es gibt noch eine Herausforderung in einigen städtischen Gebieten, also für die, die keine Garage mit Stromanschluss haben und im öffentlichen Straßenraum laden müssen. Hier müssen die Rahmenbedingungen noch besser werden." Stephan Bratzel, Automobilexperte, Center of Automotive Management, Bergisch Gladbach

Da es in Nordrhein-Westfalen viele Großstädte gibt, könnte das nach Einschätzung von Bratzel eine Rolle spielen bei der Nachfrage nach Stromern.

Auch deutsche Modelle gefragt

"Die deutsche Autoindustrie ist grundsätzlich nicht schlecht aufgestellt", so Bratzel gegenüber dem WDR. Der Volkswagen-Konzern sei mit seinen verschiedenen Marken Marktführer in Deutschland und Europa bei der Elektromobilität. Auch BMW und Mercedes hätten technologisch ausgereifte Fahrzeuge mit hohen Reichweiten und schnellen Ladeleistungen im Angebot.


Gleichzeitig sei es aber auch so, dass die Konkurrenz nicht schlafe, betonte Bratzel. "Wir haben insbesondere chinesische Autobauer, die gerade auch in niedrigeren Preissegmenten Marktanteile hinzugewinnen. Und das wird in den nächsten zwei, drei Jahren sicherlich noch eine große Herausforderung." Vor allem Hersteller wie BYD könnten nach Einschätzung des Autoexperten weitere Marktanteile gewinnen.

Batterien bleiben größter Kostenfaktor

Die größte Herausforderung für die E-Mobilität sieht Bratzel weiterhin bei günstigen Fahrzeugen im Kleinwagensegment unter 20.000 Euro. Denn diese Fahrzeuge werden erst einmal nicht die Reichweiten haben, die man in höheren Fahrzeugsegmenten erreichen kann.

Ein E-Auto wird geladen

Günstige Fahrzeuge erreichen nach wie vor geringere Reichweiten.

Ein großes Problem: Die Batterie ist noch das teuerste Bauteil - mit rund 40 Prozent der Kosten eines Fahrzeugs. Und je größer die Reichweite ist, desto größer muss die Batterie sein. Damit steigt auch der Preis. Aber Batterien werden wohl langfristig günstiger werden, so die Prognose von Branchenexperten.

Markt für gebrauchte Elektroautos wächst

Die Nachfrage nach vollelektrischen gebrauchten PKW ist - das bestätigt auch Verkaufsleiter Sascha Bürger vom Autohaus Amelung in Wiehl - extrem gestiegen. Auch die Leasing-Rückläufer mit Elektroantrieb, die oft nur zwei bis drei Jahre alt sind, sind gefragt. Der Handel mit gebrauchten Elektroautos hat zuletzt insgesamt deutlich zugelegt. Eine Folge der höheren Spritpreise, sagt Bürger. Inzwischen seien die Lager für Gebrauchte sogar eher leer.

Unsere Quellen:

  • Kraftfahrt-Bundesamt (KBA)
  • WDR-Gespräch mit Stephan Bratzel, Center of Automotive Management, Bergisch Gladbach
  • WDR-Gespräch mit Sascha Bürger, Autohaus Amelung, Wiehl
  • dpa

Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftsmagazin", 03.07.2026, 13:35 Uhr

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