Vogelkirschen aus Everswinkel: Saatgut fürs Klima
03:15 Min.. Verfügbar bis 10.07.2028.
Für Forstwirtschaftsmeister Ingo Hamm ist die Vogelkirschen-Plantage in Everswinkel-Alverskirchen etwas ganz Besonderes. Er war dabei, als sie 1992 gepflanzt wurden. Heute erntet er gemeinsam mit fünf Kollegen.
Erntemethode: Lange genug am Ast rütteln
Dazu ziehen die fünf Männer und eine Frau vom Landesbetrieb Wald und Holz riesige Folien auseinander und legen sie um den Baumstamm. Dann schwingt Ingo Hamm einen Bleigurt durch die Luft. In einer Astgabel bleibt der gepolsterte Gurt hängen.
Die Forsmitarbeiter verbinden den Ast mit einem langen Seil. Karabinerhaken klacken. Am anderen Ende des Seils läuft die Zapfwelle eines kleinen Traktors.
Die Ernte ist in vollem Gange
Das ist die Erntemethode. Das rotierende Seil schüttelt den Ast. Es regnet Vogelkirschen. Fast alle reifen Früchte liegen am Ende auf den Planen. Ingo Hamm beugt sich über die Ausbeute und ist zufrieden.
"Das Knifflige ist den richtigen Erntezeitpunkt zu finden. Bist du zu früh, bleiben die Kirschen oben. Bist du zu spät, haben schon die Vögel geerntet." Ingo Hamm, Forstwirtschaftsmeister aus Arnsberg
Auch der Experte für Forstgenetik Marius Zimmermann ist dabei. Als die Vogelkirschen kistenweise von den Folien geholt werden, macht er schon mal einen ersten Check.
Raue Schale, weicher Kern
Er trennt die Kerne vom Fruchtfleisch. Dann schneidet er jeden Kern mit einer Klinge auf. Innen wird der Samen sichtbar. "Zum Glück alles gesund", atmet Marius Zimmermann auf. Denn Rüsselkäfer fressen gerne den Inhalt der Kirschkerne.
Die Vogelkirschen in Alverskirchen sind nur eine von 74 Samenplantagen, die Wald und Holz in ganz NRW betreibt. Marius Zimmermann hat noch einen Termin, 15 Kilometer entfernt.
Welche Bäume trotzen dem Klima auch in 100 Jahren?
Dort trifft er die Försterin Simone Eckermann auf einer Wiederaufforstungsfläche. Junge Vogelkirschen stehen neben Eichen, Ulmen und Weiden. All diese Jungbäume stammen aus Saatgut von Plantagen.
"Wir versuchen einen Mischwald der Zukunft aufzubauen. Der muss auch in 100 Jahren noch standhalten, wenn es womöglich noch deutlich wärmer ist als heute. Die Vogelkirsche spielt da eine wichtige Rolle, da sie Trockenheit sehr gut verträgt." Simone Eckermann, Regionalforstamt Münsterland
Eine gute Ausbeute
Zurück in Alverskirchen. 24 Plastikwannen voller Wildkirschen haben die Forstmitarbeiter zusammen bekommen. Auf einem nahen Bauernhof wiegt ein Helfer die Wannen. Zusammen wiegen sie fast eine Tonne. Daraus entstehen am Ende rund 100 Kilo Kerne.
Für Forstwirtschaftsmeister Ingo Hamm schließt sich ein Kreis. Vor mehr als 30 Jahren pflanzte er Bäume, die jetzt das Saatgut für die Bäume von morgen liefern. "Da ist man schon stolz“, sagt er lächelnd.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters bei der Ernte
- Gespräch mit Marius Zimmermann vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft
- Gespräch mit Simone Eckermann vom Regionalforstamt Münsterland
- Gespräch mit Ingo Hamm, Forstwirtschaftsmeister aus Hamm
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 09.07.2026, 19:30 Uhr
