Landwirt Reinhard Holtmann ist ein Mann, der nicht so leicht aufgibt.
Bildquelle: WDRWDR. 4 Min. 10 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2028.
Der kleine Milchviehbetrieb von Reinhard Holtmann in Münster-Albachten war kaum noch rentabel. "Größer werden mit mehr Tieren und mehr Schulden war eine Option - das wollte ich aber nicht! Das ist nicht mein Ding", sagt Reinhard Holtmann heute. Irgendwas aber musste sich ändern.
Vor 20 Jahren wusste Familie Holtmann: Hier auf dem Hof muss sich was ändern.
Bildquelle: WDRDa lief eines Abends, im Jahr 2009, im Fernsehen ein Bericht über Wagyu-Rinder: Japanische Tiere, die aussehen wie etwas kleinere Kühe, deren Fleisch als besonders zart und aromatisch gilt. Holtmann weiß sofort: Das ist es. Er will es probieren mit der Wagyu-Zucht.
Wagyu-Embryonen aus den USA statt teurer Bullen
"Andere Landwirte haben mir natürlich abgeraten. Es hatte ja noch keiner von Wagyu gehört", sagt der heute 55-Jährige. Von seinem Entschluss abbringen ließ er sich deshalb aber nicht. Irgendwie sollten die japanischen Rinder ins Münsterland kommen. Aber wie?
Ein Bulle mit guter Genetik kostet schnell 50.000 Euro. Und so einen von Japan oder Australien nach Deutschland zu bringen, war für Holtmann ausgeschlossen. Er investiert stattdessen in Wagyu-Embryonen aus den USA.
Für den Laien sind die Wagyu-Rinder kaum von den in Deutschland üblichen Arten zu unterscheiden.
Bildquelle: WDRMit einem Tierarzt setzt er die über einem Dutzend seiner Milchkühe ein, die er noch auf dem Hof hat. Die ersten Versuche schlagen fehl. Mehrere Tausend Euro "gingen flöten", sagt er. Andere hätten nach so einem Rückschlag vermutlich schon aufgegeben. Nicht so der Landwirt aus Albachten. Er bestellte noch mal nach und im zweiten Anlauf klappte es - die ersten der exotischen Rinder kommen kurz darauf auf seinem Hof zur Welt.
"Es ist im Leben manchmal ganz gut, nicht auf andere zu hören." Reinhard Holtmann, Landwirt aus Münster-Albachten
Mehr als 200 Euro für einen Kilo Wagyu-Filet
Heute leben rund dreißig Wagyu-Rinder auf seinem Hof im Münsterland. Das feine Fleisch wird von Gastronomie, privaten Feinschmeckern und Supermärkten in ganz Deutschland nachgefragt - obwohl ein Kilo Filet aktuell mehr als 200 Euro kostet. Holtmanns Entschluss vor 17 Jahren hat sich offenbar bezahlt gemacht.
Kein Fast Food: Bei 200 Euro pro Kilo Filet ist dieser Wagyu-Burger bestimmt nicht günstig.
Bildquelle: WDRDie Familie aus Albachten setzt inzwischen trotzdem nicht mehr nur auf Rinder: Landwirtschaft, Ferienwohnungen und weitere Standbeine tragen dazu bei, dass es inzwischen "gut läuft", sagt Holtmann. Die Fernsehsendung 2009 war dennoch ein Glücksfall: "Ich habe mit dieser Luxusnische meinen Weg gefunden."
Unsere Quellen
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Gespräch mit Landwirt Reinhard Holtmann
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 07.09.2026, 19.30 Uhr
