Essengehen bleibt teuer - auch in NRW.
Bildquelle: dpa / Sebastian KahnertTrotz Steuersenkung : Warum Essengehen teuer bleibt
Stand:
Obwohl der Mehrwertsteuersatz gesenkt wurde, ist davon bei den Gästen bislang kaum etwas angekommen. Das zeigt eine Studie der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Die meisten Preise blieben gleich. Manche Gerichte wurden sogar teurer. In NRW stiegen die Preise vergleichsweise häufig.
Die Preise von rund 180.000 Gerichten in über 12.000 Restaurants wurden bundesweit ausgewertet. Das Ergebnis: Nur eins von 100 Gerichten wurde billiger. Immerhin blieb der Preis bei den meisten Gerichten unverändert - bei insgesamt 91 Prozent der Gerichte.
In Zeiten, in denen sonst alles teurer wird, sei das gar nicht so selbstverständlich, sagt Marcus Schmalbein, Inhaber des "Wuppertaler Hofs" in Remscheid. Durch die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen konnte er den Preis immerhin stabil halten.
"Die Mehrwertsteuersenkung ist durch die gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Energien und Löhne völlig verpufft. Wer durch den Supermarkt geht, sieht, dass alles teurer geworden ist. Dass wir die Preise weitestgehend gehalten haben, ist ein großer Erfolg." Marcus Schmalbein, Inhaber des "Wuppertaler Hofs" in Remscheid
Gerichte werden teurer - auch in NRW
Die Rechnung im Restaurant fällt bei einigen Gerichten mittlerweile höher aus- trotz Steuersenkung.
Bildquelle: picture alliance / dpa ThemendienstVor allem im Westen Deutschlands kostete das Restaurantessen mehr. In NRW stieg der Preis laut NGG-Studie bei acht Prozent aller Gerichte. Besonders häufig verteuerten sich Bowls (14 Prozent), Schnitzel (11 Prozent) und Steaks (10 Prozent). Insgesamt gab es Preisanhebungen vor allem bei teuren Gerichten, die mehr als 15 Euro kosten.
Für die Studienautoren hat die Steuersenkung deshalb ihr Ziel verfehlt. Schließlich habe die Bundesregierung damit auch die Gäste entlasten wollen, kritisiert NGG-Vorsitzender Guido Zeitler: "Tatsächlich ist davon nichts bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen. Wir stellen fest, dass die Branche die Möglichkeit nicht genutzt hat, dieses Ziel auch umzusetzen."
Steuergeschenk oder Krisenhilfe?
Viele Ökonomen hatten die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie als teures Wahlgeschenk der schwarz-roten Koalition kritisiert. Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft bedeutet die Maßnahme für die Gastronomen eine bundesweite Entlastung von vier Milliarden Euro.
Die Studienautoren sagen: Bei vollständiger Weitergabe der Steuerentlastung an die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten die Endpreise rechnerisch um rund zehn Prozent sinken können. Eine Preisexplosion bei den Großhandelspreisen beispielsweise hätte es in diesem Zeitraum nicht gegeben, so die NGG.
Verpflichtet waren die Restaurantbetriebe jedoch nicht, die Steuersenkung an die Gäste weiterzugeben. Stattdessen ging es bei der Maßnahme auch darum, den Gastro-Betrieben wieder etwas mehr Luft zu verschaffen. Denn viele Betriebe leiden unter den Spätfolgen der Corona-Krise, gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreisen und dem Fachkräftemangel.
Mitarbeiter gehen leer aus
Die Gewerkschaft NGG kritisiert aber auch, dass die Steuersenkung nicht bei den Beschäftigten in der Gastronomie angekommen ist: "Wir stellen fest, dass die Branche die Möglichkeit nicht nutzt, um ein strukturelles Problem anzugehen: nämlich die Situation für die Beschäftigten zu verbessern", so Zeitler.
Steuer gesenkt, die Löhne bleiben dennoch gleich.
Bildquelle: WDR / dpa / Sebastian GollnowDie Studie zeigt, dass viele Beschäftigte an der Belastungsgrenze arbeiten und sich Sorgen um die Zukunft machen. Dafür wurden über 2.000 Beschäftigte aus der Hotellerie und Gastronomie befragt. Jeder zweite arbeitet demnach regelmäßig acht bis zehn Stunden täglich, zehn Prozent sogar noch länger.
Drei Viertel sagen, dass sie sich nach langen Arbeitstagen nicht ausreichend erholen können. Auch kurzfristige Dienstplanänderungen gehören zum Alltag. Dadurch wird es schwerer, Beruf, Familie und Privatleben zu vereinbaren, so klagen fast 80 Prozent der Befragten. Die NGG fordert deshalb bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.
Unsere Quellen:
- NGG-Pressemitteilung: Mehrwertsteuergeschenk verpufft, Beschäftigte am Limit
- NGG-Pressekonferenz am 17.09.2026
- WDR-Interview mit Marcus Schmalbein, Inhaber des "Wuppertaler Hofs" in Remscheid
Sendung: WDR.de, Was die Steuersenkung den Gästen gebracht hat, 17.09.2026, 10:30 Uhr

9 Kommentare
Kommentar 9: Franziska 1 schreibt am 18.09.2026, 20:06 Uhr :
Mancher Restaurant - Besitzer oder Pächter weiß genau, wie er Gäste ( besonders Touristen) abzocken kann. Beim Kartenlesegerät bevormundet er Gäste zum Trinkgeld geben, da gibt es ebenfalls Tricks möglichst ein hohes Trinkgeld zu bekommen. So werden Gäste manipuliert: Der Wirt spendet einen Mini -Schnaps, die Gäste fühlen sich gut dabei und sind beim Trinkgeld dann großzügig. Kasse mit Bargeld beanspruchen wieder mehr Restaurants, "Cash only" steht am Eingang. Da ist wirklich die große Chance noch vorhanden für Schwarzgeld. Kassen und Kartenlesegeräte haben Funktionen die man de/aktivieren kann. Wer glaubt das alle Wirte alles legal abrechnen, der glaubt noch an den Weihnachtsmann. Meine Ansicht kann als Unterstellung gesehen werden, was aber persönlich kein Image schadet, ich nenne hier keinen Namen, kein Restaurant. Warum nur die Beschäftigungs - Belastungsgrenze bei Hotels/Gastronomie sich ansehen? Es gibt Millionen andere Beschäftigte in manchen Branchen, die sich Sorgen machen.
Kommentar 8: H. Schröder schreibt am 18.09.2026, 15:36 Uhr :
Die Gastrobranche hat es generell nicht leicht. Noch krasser fand ich allerdings die Vorgehensweise der Gastronomen nach Einführung des Euro, als dreist einfach nur das Währungszeichen ausgetauscht wurde, und sich die Preise verdoppelt hatten. Als das die Gäste realisierten sind anschließend zahlreiche Restaurants pleite gegangen, weil die Kundschaft wegblieb.
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 18.09.2026, 22:58 Uhr :
H.Schröder, Sie haben recht. Der Euro wurde 2002 eingeführt, da stellte man kurz danach fest, die Gastronomie hat die Preise stark aufgerundet, ebenso der Bäcker. Ab 2005 realisierten wir Verbraucher, dass noch weit mehr am Markt erhöht wurde. Der Strompreis hob gegenüber den Lebensmitteln enorm an Höhe an. Bewusst ist einem geworden, dass der Euro sich zum Teufel- Teuro macht. Laufend wurde vieles teurer, die Preisliste vieler Güter stieg und stieg. Bei Barzahlung merkte es man es. Es gab naive Leute, die zahlten 50 Euro wie 50 DM. Was ging nicht alles Pleite, nicht nur bei der Gastronomie. Seit Corona und den brutalen UKR- Krieg sitzen wir alle auf noch höhere Kosten und Preise, trotz Euro läuft es in der Wirtschaft nicht gut. 2015 hat uns kein Glück gebracht, laufend geht es bei allen Krisen den Bach hinunter. Kann man dabei nur Mitleid mit der Gastronomie haben? Bedauern sollte man die Politiker die sich selbst an der Nase führen und nichts mehr in die Reihe bekommen, fürs Volk!
Kommentar 7: Michael schreibt am 18.09.2026, 00:26 Uhr :
Ich gehe schon seit 20 Jahren in DE in kein Restaurant mehr! Weniger auf dem Teller,Qualität lässt nach und Preise die,einem die Halsschlagsder platzen lässt!!
Antwort von Maximilian , geschrieben am 18.09.2026, 12:00 Uhr :
Ja richtig so. Gastronomie meiden. Die Preise z.B. für einen einfachen Flammkuchen sind grotesk. Man bedenke den geringen Warenwert. Gastronomie macht mir keinen Spaß mehr. Ich erinnere, dass in meiner Kindheit der schon betagte u. von mir geschätzte Alfred Biolek die Qualität in Restaurants kritisierte. Die Qualität hat sich seitdem aber nochmals drastisch verschlechtert. Mayonnaise aus dem 10kg-Eimer scheint die einzige Konstante zu sein.
Kommentar 6: Franziska 1 schreibt am 17.09.2026, 20:42 Uhr :
Die Ausrede es wären die Spätfolgen wegen Corona in der Gastronomie, dabei wiehert doch der Wirt insgeheim mit versteckten Lächeln und macht Umsatz mit höheren Gewinn. Die Steuersenkung wird überwiegend nicht weitergegeben an den Gast? Die meisten Preise auf der Speisekarte blieben gleich oder wurden höher? Somit verdient der Wirt mehr. Ich finde generell, dass es nicht gerecht ist die Gastronomie bei der Steuersenkung zubevorteilen. Man sieht doch wie viele Wirte handeln zum Eigenzweck. Das Mehrwertsteuergeschenk für den Gast hat sich in Luft aufgelöst, diese Senkungsgeste aber nahmen sich viele Wirte. Verpflichtet waren die Restaurantbesitzer nicht, die Steuersenkung an die Gäste weiter zureichen? Der Dumme ist immer der Konsument, egal ob im Lokal, beim Markt und an der Tankstelle. Wie die Besitzer von Hotels und Restaurant mit ihren Personal umgehen, darüber muss sich die Gewerkschaft oder Politik kümmern, nicht der Gast der zum Essen im Lokal sitzt.
Antwort von Maximilian , geschrieben am 18.09.2026, 11:50 Uhr :
Ja stimmt. Ich kenne Restaurants, die nach vorne auf nobel machen und im Hinterhof sitzt das Personal neben Mülltonnen auf fettigem Beton zur Zigarettenpause. Gruselig.
Kommentar 5: Jörg Benz schreibt am 17.09.2026, 18:23 Uhr :
Dieses Thema ist sehr vielschichtig und hat nicht nur eine Ursache. Es gibt berechtigte und unberechtigte Preissteigerungen. Globale Krisen die Preise steigen lassen und Akteure die solche Krisen ausnutzen um Gewinne zu steigern. Über die unberechtigten Preissteigerungen darf sich zurecht aufgeregt werden. Auf der anderen Seite leben wir schließlich in einer Marktwirtschaft von der wir all profitieren. Die Politik sollte da nur mit Fingerspitzengefühl eingreifen. Was meiner Meinung nach die Politik auf alle Fälle machen kann, sind Maßnahmen so zu konstruieren, dass sie nicht von Wenigen ausgenutzt werden können.
Kommentar 4: Axtérixt schreibt am 17.09.2026, 17:26 Uhr :
Hatte 1 Woche Urlaub und war 6x in Restaurants mit positiver Bewertung essen (+ 1x große amerikanische Kette : goldene Möwe). Jedes Essen war nicht nur überteuert es hatte leider nur Imbiss-Niveau. So gewinnt man kein Vertrauen und vor allem keine Gäste.
Kommentar 3: Dorte schreibt am 17.09.2026, 17:21 Uhr :
Das ist alles Ansichtssache. Die Gastronomie hat such erhöhte Kosten aller Art. Für sie sind gute Lebensmittel auch teurer geworden. Sie wollen au h nicht in Insolvenz gehen. Wer gerne Steaks aus Argentinien isst, geht halt einmal weniger essen. Wenn ich in der Gastronomie arbeiten will, weiß ich vorher, dass es keine 7,5 Std- Arbeitstage gibt. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Kommentar 2: Michael schreibt am 17.09.2026, 15:22 Uhr :
Jetzt mal ehrlich: wer geglaubt hat, dass durch die Senkung der Umsatzsteuer die Preise sinken, ist doch weltfremd. Politik eben.
Antwort von Werner Klewinghaus , geschrieben am 17.09.2026, 16:30 Uhr :
Das sehe ich genauso.
Antwort von Berggeist , geschrieben am 18.09.2026, 16:50 Uhr :
Wir betreiben eine Gaststätte nur in Familie seit über 30 Jahren, die ganzen Diskussionen um Preisminderung ist völlig danben. Die ganzen Kosten, die sich erhöht haben, kann man nicht mit einer MwSt Senkung abfedern bzw. noch die Preise senken. Bei uns in unserer Gaststätte haben sich die fixen Abgaben verdoppelt. (EINKAUF, WAREN Lohn, Lohnnebenkosten...und und und) Ausserdem zahlt man zwar weniger Umsatzsteuer aber dafür mehr Einkommenssteuer und Gewerbesteuer. Gruß der Berggeist
Kommentar 1: Guitar Frank schreibt am 17.09.2026, 14:38 Uhr :
Diese Bundesregierung schafft es einfach nicht die Verbraucher zu entlasten, die Einzigen die an den Maßnahmen einen Reibach machen sind die Besitzenden, in unserem Fall die Imbiss-, Hotel-,Restaurantbetreiber. Bei den Maßnahmen gegen die hohen Benzin- und Heizölpreise hat auch nur die Mineralölindustrie profitiert, die das Geld dann in das Ausland transferiert. Das gleiche wird passieren wenn die Mehrwertsteuer für Mineralöl Produkte gesenkt wird, da die Industrie ja nicht gezwungen wird, diese 1 zu 1 an die Verbraucher weiterzugeben. Eine Übergewinnsteuer täte not, aber da haben die Damen und Herren in der Politik wohl nicht genug Mut und vielleicht will man sich ja wie jetzt wieder deutlich wird, sich nicht mit Reichen und den Schönen anlegen. Wie armselig.
Antwort von MwSt. , geschrieben am 17.09.2026, 16:34 Uhr :
@ Guitar Frank, mit der Übergewinnsteuer ist das so eine Sache, die 2022 erhoben wurde und jetzt wieder gefordert wird, aber es stehen noch immer Klagen vor dem EuGH und BFH von den betroffenen Konzernen an,der Staat hat damals ca. 2Mrd. € an Übergewinnsteuer abgeschöpft, es ist aber bis heute nicht klar ob diese Steuer rechtens war und im negativen Fall der Staat noch Geld zurückzahlen muss, es sollten sich andere Wege finden den Bürger zu entlasten.
Antwort von Mia , geschrieben am 17.09.2026, 16:50 Uhr :
Die Umsetzung einer Übergewinnsteuer ist extrem schwierig bis kaum möglich. Wo entsteht denn der Gewinn? Bei der Auslieferung eines z.B. amerikanischen Unternehmens des Öls= Amerika. Bei der Entgegennahme und Weitrerreichung des Öls durch einen Zwischenhändler = ebenfalls Ausland. Verarbeitung durch hiesige Raffinerien = Firmensitz und Versteuerung im Ausland usw. usw.
Antwort von Der Niederrheiner , geschrieben am 17.09.2026, 17:25 Uhr :
Grundsätzlich haben Sie natürlich recht. Aber machen wir uns doch nichts vor: eine "Über"-Gewinn-Steuer würde nicht einen einzigen Gerichtsprozess standhalten. Immerhin leben wir, vom Grundgesetz geschützt, in einer freien Marktwirtschaft - und in einer solchen ist Gewinne machen nicht verboten.
Antwort von Arne , geschrieben am 17.09.2026, 19:18 Uhr :
Genau so ist es. Aber die Mehrwertsteuer zu senken ist eben sehr einfach. Man hat dann etwas getan und abgehakt. Leider fördert diese Regierung die fossilen Heuschrecken aus dem Ausland.