Der Sommer in NRW ist in diesem Jahr besonders heiß und trocken. Regentage sind Mangelware. Das macht sich auch in unseren Flüssen, Bächen und Seen bemerkbar. Die Wasserstände sinken und eine Entspannung ist nicht in Sicht.
Bundesregierung will besser Vorsorgen
Niedrige Wasserstände sind längst kein regionales Phänomen mehr. Bundesweit klagen Kommunen über Wasserknappheit. Immer öfter greifen sie deshalb zu Maßnahmen wie einem generellen Verbot, Wasser aus Seen, Flüssen und Kanälen zu entnehmen. Ohne bessere Vorsorge werde das besonders für die Wirtschaft zum echten Kostenfaktor, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider:
"Die Folgekosten von Wasserknappheit sind erheblich. Eine aktuelle Studie des NABU und der W.D.O. Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zeigt, dass die volkswirtschaftlichen Schäden, die ohne Gegenmaßnahmen drohen, bis 2050 bei 625 Milliarden Euro liegen." Bundesumweltminister Carsten Schneider
Im Jahr macht das rund 25 Milliarden Euro Kosten, eingerechnet Ernteausfälle, steigende Wasserpreise, unterbrochene Lieferketten, etwa wenn Niedrigwasser die Binnenschifffahrt einschränkt - wie es derzeit bereits der Fall ist.
Alle Daten an einem Ort
Für eine bessere bundesweite Zusammenarbeit im Kampf gegen immer weniger Wasser hat die Bundesregierung heute ein gemeinschaftliches Niedrigwasser-Warnsystem kurz NIWIS vorgestellt. Hier werden in Zukunft alle Informationen rund um Wasserstände, Regenfälle und Dürreperioden zu finden sein - verständlich aufbereitet und für jeden zugänglich.
Auf der Internetseite Niwis-online.de können sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Experten und die Schifffahrtsbranche alle nötigen Informationen abrufen. Das soll sowohl mehr Sensibilität schaffen als auch mehr Planungssicherheit für die Wirtschaft geben.
Tyssenkrupp zieht erste Konsequenzen
Die niedrigen Pegelstände im Rhein machen sich auch bei der Rohstoffversorgung bemerkbar. Bei Firmen wie Tyssenkrupp Steel kommen derzeit bereits weniger benötigte Rohstoffe an als normalerweise. Der Konzern hat seine eigene Flotte vorübergehend stillgelegt, weil die Schiffe zu viel Tiefgang haben, und mietet Binnenschiffe an, die besser bei Niedrigwasser zu betreiben sind. Die Folge: Der Konzern hat die Produktion reduziert, betont aber, dass die Versorgung der Kunden noch nicht gefährdet sei.
Noch fahren Schiffe - trotz sinkender Pegelstände auf dem Rhein. Die Binnenschifffahrt in NRW hält den Betrieb aufrecht und transportiert weiterhin Rohstoffe, Chemikalien und Öl für die Industrie. Doch je weniger Wasser im Fluss ist, desto weniger Ladung können die Schiffe aufnehmen.
Die Folge: Die Transportkosten steigen – und das bekommen Unternehmen entlang des Rheins zunehmend zu spüren. "Und da aber die Transport-Gebühr in der Regel für ein Binnenschiff am Tag gleich ist, wird der Betrag durch weniger Tonnage geteilt. Dadurch erhöhen sich leider die Gesamtkosten für unsere Kunden", sagt Roberto Spranzi von der Deutschen Transport Genossenschaft Binnenschifffahrt in Duisburg.
Roberto Spranzi, Deutsche Transport-Genossenschaft
Seine Genossenschaft betreut mehr als 80 Schiffe. Auch bei Niedrigwasser gibt es eine Nachfrage nach seinen Fahrzeugen. Ein kleines Schiff auf dem Rhein transportiert 1.000 bis 1.500 Tonnen Ladung. Das entspricht der Fracht von 40 bis 60 Lkw.
Extra Zuschläge für Niedrigwasser
Um die gleiche Ladung wie bei einem normalen Rheinpegel zu transportieren, werden mehr Schiffe gebraucht. Hinzu kommen extra Niedrigwasserzuschläge. Das alles muss am Ende der Kunde zahlen. Wie viel teurer der Transport genau ist, kann die Genossenschaft Binnenschifffahrt nicht allgemein beziffern. Das komme auf die jeweiligen Verträge an.
Je niedriger der Rheinpegel, desto teurer wird der Transport. Die Aufschläge können mehr als 20 Prozent betragen. Noch stärker spüren die Kunden andere Zuschläge. "Wenn die Treibstoffpreise durch die Decke gehen, dann kann das sein, dass sie 50 Prozent Treibstoffzuschlag haben."
Warum der Güterverkehr auf den Rhein angewiesen ist
Ein großer Teil der Waren wird über Wasserstraßen transportiert, sagt Gerit Fietze vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Eine besondere Rolle, nicht nur für NRW, spiele der Rhein. Knapp sieben Prozent der gesamten Verkehrsleistung im Gütertransport geht über den Fluss.
"Der Rhein ist mit Abstand die wichtigste Wasserstraße in ganz Deutschland. Vielleicht gilt das sogar für ganz Europa." Gerit Fietze
Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.
Ein Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal wartet vor der Schleuse in Duisburg Meiderich.
Die Folgen bei Niedrigwasser für die Wirtschaft konnte Gerit Fietze besonders beim Jahrhundert-Niedrigwasser des Rheins im Jahr 2018 sehen: "Hier geht man davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt um insgesamt 0,4 Prozentpunkte gefallen ist. Das ist dann tatsächlich schon messbar." In den Niedrigwasserperioden 2020 oder 2023 haben vor allem die Verbraucher die Probleme bei der Binnenschifffahrt an den hohen Spritpreisen an den Tankstellen bemerkt.
Eine Alternative zum Wasser sieht Fietze nicht, besonders nicht auf der Straße oder der Schiene: "Auf der Straße stoßen die Kapazitäten an Grenzen. Bei der Bahn gilt das erst recht."
Unternehmen bereiten sich vor
Stahlproduktion bei Thyssenkrupp in Duisburg.
Auch für Thyssenkrupp in Duisburg ist der Rhein eine wichtige Lebensader. Die Mengen, die die Stahl-Produktion braucht, "sind Dimensionen, die nicht auf die Schiene oder die Straße verlagert werden können", sagt eine Unternehmenssprecherin. Deswegen hat der Konzern schon Maßnahmen getroffen, um bei sinkendem Rheinpegel die Versorgung mit Rohstoffen sicherzustellen.
Zum Beispiel werden in der eigenen Flotte Schiffe mit weniger Tiefgang eingesetzt. Außerdem werden Rohstoffe schon vor niedrigen Pegelständen in die Lager nach Duisburg geholt, obwohl sie erst später benötigt werden.
So stellen sich Unternehmen auf Niedrigwasser ein
Zurzeit liegt der Pegel in Köln bei rund 1,50 Metern. Ende der Woche soll er auf knapp 1,30 Meter fallen. Roberto Spranzi und seine Genossenschaft versuchen sich, so gut es geht, im Voraus auf den sinkenden Rheinpegel vorzubereiten, indem sie zum Beispiel mehr Schiffe einplanen.
Helfen würden kleinere Schiffe. Aber die zu bauen, sei viel zu teuer, sagt Spranzi. Deswegen würde jede Maßnahme helfen. Um auch bei Niedrigwasser fahren zu können, werden Schiffe umgerüstet, zum Beispiel mit kleineren Schiffsschrauben. Oder Schiffe werden mit moderner Technik ausgestattet, die die optimale Fahrrinne im Rhein findet. "Dann wird es auch wieder für den Kunden günstiger", so Spranzi.
Er sagt aber auch, die Branche muss sich an die Herausforderung gewöhnen: "Es wird immer schwieriger. Also in den nächsten zehn Jahren wird es sicherlich noch ein bisschen kribbeliger."
Unsere Quellen:
- Interview mit Roberto Spranzi von der Deutschen Transport Genossenschaft Binnenschifffahrt eG
- Pressemitteilung von der Häfen und Güterverkehr Köln AG
- Interview mit Gerit Fietze vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V
- Statement von Thyssenkrupp Steel
- Wasserstände & Vorhersagen ELWIS
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 06.07.2026, 13:34 Uhr
