Schiff fährt auf dem Rhein in Düsseldorf

Kaum Wasser im Rhein Trockenheit belastet NRW-Wirtschaft

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Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein belastet die Wirtschaft in NRW. Frachtschiffe können deutlich weniger Ladung transportieren, wodurch die Kosten für Unternehmen steigen. Experten warnen vor Folgen für Industrie, Logistik und sogar das Wirtschaftswachstum.

71 Zentimeter zeigt der Pegelstand in Köln am Freitagmittag. Das sind über zwei Meter unter der mittleren Wasserhöhe, die im Jahresdurchschnitt im Rhein gemessen wird. Ein Frachtschiff fährt vorbei. Markus Neumann vom Kölner Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt kann mit bloßem Auge sehen, dass das Schiff nicht voll beladen ist: „Das Schiff fährt jetzt statt mit 3.500 Tonnen nur mit 1.500 durch die Gegend.“

Niedrigwasser macht Transport teurer

Wegen des Niedrigwassers sei jetzt mehr Verkehr auf dem Rhein, sagt Neumanns Kollege im Schifffahrtsamt, Martin Wolters: „Es sind dann mehr Schiffe unterwegs, die weniger geladen haben. Die Industrie und die Schifffahrt stellen sich drauf ein.“ Das macht den Transport natürlich teurer.

Niedrigwasser und trockenster Juli seit Wetteraufzeichnung

WDR 31.07.2026 02:30 Min. Verfügbar bis 30.07.2028 WDR Online

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Darunter leidet beispielsweise das Essener Unternehmen Evonik: „Das erschwert die Gütertransporte per Binnenschiff zum und vom Chemiepark Marl“, heißt es vom Chemiekonzern. Evonik prüfe deshalb die Verlagerung auf die Schiene oder die Straße.

Schiffe teilweise nur zu einem Fünftel beladen

Roberto Spranzi steht mit verschränkten Armen vor einem Hafen

Roberto Spranzi, Deutsche Transport-Genossenschaft

Die Schiffe, die noch fahren, haben häufig nur wenig Ladung an Bord: „Schiffe sind teilweise nur noch zu 20 Prozent ausgelastet“, sagt Roberto Spranzi, Vorstand der Schifffahrtsgenossenschaft DTG, die etwa 100 Frachter betreibt. Um die üblichen Mengen zu transportieren, brauche man vier- bis fünfmal so viele Schiffe wie üblich.

Das treibt die Kosten in die Höhe. Im Moment koste der Transport einer Tonne Rohöl von Rotterdam nach Karlsruhe 145 bis 150 Euro. Im Juni hatte der Preis dafür bei etwa 45 Euro gelegen. Erhöhte Kosten treffen eine Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie, die aktuell tief in der Krise stecke, sagt Tim-Oliver Müller, Chef des Verbandes der Bauindustrie: „Jeder Euro mehr schmerzt doppelt.“

Gefahr für wirtschaftliches Wachstum

Ein Schiff fährt am Rheinufer. Düsseldorf, 24.07.2026

Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft fürchtet sogar Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum: “Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 bis 0,2 Prozent zu senken.“ Und das bei einem ohnehin schon niedrigen Wachstum von 0,5 bis 0,8 Prozent, das Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten.

Diskussion über Vertiefung des Rheins

Angesichts der aktuellen Engpässe gibt es auch wieder eine Diskussion über die Vertiefung der Fahrrinne im Rhein. Der Verband der Bauindustrie verweist darauf, dass eine Modernisierung der Schifffahrtswege dringend notwendig sei.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) lehnt das aber ab: “Eine Vertiefung der Fahrrinne von Basel bis Rotterdam ist keine Option.“ Stattdessen solle es punktuell eine Beseitigung von Flach- und Engstellen geben, heißt es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium. Außerdem schlägt das Ministerium eine weitere Alternative vor: "Wir unterstützen Forschungsbestrebungen für moderne Schiffe, die bei Niedrigwasser mehr transportieren können."

Schiffe sind nicht zu ersetzen

Trotz aller Probleme sei das Schiff selbst bei Niedrigwasser konkurrenzfähig, rechnet Marcel Beck vom Logistikunternehmen Rhein Cargo vor. Wenn Schiffe nur 400 bis 600 Tonnen laden könnten, bräuchte man selbst dafür sehr viele Lastwagen.

„Ein Lkw kann 20, 25 Tonnen transportieren. Das heißt: Selbst da reden wir darüber, dass hier 20 bis 30 Lkw im Schiff sind“. Marcel Beck, Logistikunternehmen Rhein Cargo

Auch wenn es trocken bleibt, werden diese nur gering beladenen Schiffe weiterfahren, gibt Martin Wolters vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Köln Entwarnung: “Dass keine Schifffahrt mehr unterwegs ist, davon ist nicht auszugehen.“

Unsere Quellen

  • Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln
  • Rheincargo
  • Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW
  • Nachrichtenagenturen Reuters, AFP

Sendung: WDR2, "Das Mittagsmagazin", 31.07.2026, 13:40 Uhr

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