Ladesäule für E-Autos vor einer Tankstelle
Bildquelle: Sebastian Kahnert/ dpaDiesel und Benzin teuer : Rechnet sich jetzt der Umstieg aufs E-Auto?
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Tanken mit E10 ist so teuer wie nie: Die Spritpreise sind seit Tagen auf einem Rekordhoch. Viele fragen sich deshalb, ob sie jetzt auf ein Elektroauto wechseln sollten. Was beim Wechsel zu beachten ist und mit welchen Kosten im Vergleich zu Verbrennern zu rechnen ist. Wir haben verglichen.
- Das bietet der Kostenrechner des NRW-Wirtschaftsministeriums
- E-Auto zuhause laden oder unterwegs: Wie unterscheidet sich der Strompreis?
- E10 auf Rekordwert: So stark sind die Preise für Benzin und Diesel gestiegen
- E-Auto oder Verbrenner: Was ist günstiger?
- Sind gebrauchte E-Autos eine Alternative?
- So könnte eine finanzielle Entlastung aussehen
Die Preise von neuen Elektroautos liegen trotz staatlicher Förderung zum Teil noch spürbar über den Anschaffungskosten vergleichbarer Verbrennermodelle. Dafür können E-Autos im Betrieb deutlich günstiger sein - gerade jetzt bei den hohen Preisen von E10 und Diesel.
Das bietet der Kostenrechner des NRW-Wirtschaftsministeriums
Eine Vergleichsmöglichkeit gibt es unter anderem beim Internetportal "Elektromobilität NRW". Die Initiative des Landesministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie bietet dafür einen Kostenrechner an.
Dafür müssen verschiedene Schätzwerte ausgewählt werden wie die jährliche Fahrstrecke, die Lebensdauer des Autos, die jeweiligen Anschaffungskosten, der durchschnittliche Verbrauch auf 100 Kilometer und ein erwarteter durchschnittlicher Sprit- und Strompreis über die gesamte Lebensdauer. Alleine wegen der sich ständig verändernden Spritpreise sollte man das Ergebnis aber eher als eine Orientierung verstehen.
E-Auto zuhause laden oder unterwegs: Wie unterscheidet sich der Strompreis?
Bei E-Autos stellt sich unter anderem die Frage, wie oft zuhause geladen wird. So hatte der ADAC bei einem eigenen Kostenvergleich im April gleich mit vier unterschiedlichen Strompreisen gerechnet:
- 18 Cent pro Kilowattstunde für das Laden mit eigenem Solarstrom.
- 35 Cent für den Fall, dass zu Hause mit "normalem" Hausstromtarif geladen wird.
- 45 Cent, wenn hin und wieder öffentlich geladen wird.
- Mit 60 Cent je Kilowattstunde rechnete der ADAC für den Fall, dass das E-Auto ausschließlich öffentlich Strom zapft.
Elektroauto an Ladestation
Bildquelle: WDR / Marius BeckerAuch je nach Ladegeschwindigkeit fallen ganz unterschiedliche Strompreise an. So kann man auch an öffentlichen Ladesäulen deutlich unter 60 Cent laden - möglicherweise dauert der Ladevorgang dann nur länger.
Nimmt man alle Kosten eines Autos vom Kaufpreis über den Wertverlust bis zu laufenden Kosten zusammen, lagen im ADAC-Vergleich mal Benziner oder Diesel vorn, mal die Elektro-Version.
Beim Laden zuhause ist der Strompreis in der Regel deutlich günstiger.
Bildquelle: WDR/ dpa/ Uli DeckWer mit den niedrigsten Strompreisen von 18 Ct/kWh kalkulierte, wäre mit einem E-Auto oft schon besser dran gewesen als mit einem Verbrenner. Bei einem Strompreis von 60 Ct/kWh wären E-Autos im Vergleich zum Verbrenner oft immer noch nicht konkurrenzfähig gewesen.
E10 auf Rekordwert: So stark sind die Preise für Benzin und Diesel gestiegen
Allerdings hatte der ADAC im April noch mit einem Spritpreis von 1,92 Euro gerechnet. Das entsprach damals dem Durchschnittswert der vergangenen drei Monate.
Die Spritpreise sind stark gestiegen.
Bildquelle: IMAGO/Wolfgang Maria WeberAm Dienstag war der Preis für einen Liter Benzin der Sorte E10 im deutschlandweiten Tagesdurchschnitt aber schon auf den Rekordwert von 2,30 Euro gestiegen, wie der ADAC mitteilte. Diesel kostete 2,422 Euro und war damit nur noch knapp drei Cent von seinem Höchststand vom April entfernt.
Der ADAC vergleicht in einer aktuellen Kostenrechnung den Elektro-VW ID.3 Neo mit dem Benziner VW Golf. Bei fünf Jahren Haltedauer und 15.000 Kilometern pro Jahr ist der ID.3 demnach etwas teurer: Er kostet monatlich 716 Euro, der Golf 680 Euro. Zwar ist das E-Auto im Betrieb günstiger. Der höhere Kaufpreis sowie stärkere Kosten für Wertverlust und Zinsen gleichen diesen Vorteil in der Rechnung aber nicht aus.
Ein weiterer Faktor bei allen Berechnungen ist, dass die Höhe der staatlichen Förderung individuell ist. Menschen mit einem Haushaltseinkommen von 100.000 Euro pro Jahr bekommen sie zum Beispiel nicht, Kinder machen einen Unterschied und es gibt eine soziale Staffelung. In unsere Berechnungen haben wir eine mögliche Förderung deshalb nicht einfließen lassen.
E-Auto oder Verbrenner: Was ist günstiger?
Der WDR hat mit dem Kostenrechner von "Elektromobilität NRW" drei eigene Modellrechnungen für Neuwagen durchgeführt. Hier wurden teils andere Werte zugrunde gelegt als beim ADAC - zum Beispiel eine Lebensdauer der Autos von je 15 Jahren. Der ADAC war von einer Standard-Haltedauer von fünf Jahren ausgegangen.
Die Kaufpreise der Autos beziehen sich in der Regel auf einen Mindestbetrag ohne Förderung, den die Hersteller auf ihrer Internetseite angeben. Haben die Autobauer beim Verbrauch eine Spanne angegeben, wurde der höhere Wert angesetzt. Gerechnet wurde mit den tagesaktuellen Spritpreisen. Beim Strom wurden die Werte des ADAC zugrunde gelegt.
Kleinwagen im Preis-Vergleich
Wir haben einen Opel Corsa als Verbrenner (23.340 Euro) gegen die Elektrovariante (30.440 Euro) antreten lassen. Gerechnet haben wir mit 5.000 Kilometern pro Jahr und einer Ladequote zuhause von 75 Prozent.
Das Ergebnis: Hier würde sich ein E-Auto nach 67.000 Kilometern bzw. erst nach 13,4 Jahren rentieren. Über 15 Jahre würden so 860 Euro gespart.
Für den Kostenvergleich ist wichtig, wo geladen wird: zuhause oder unterwegs?
Bildquelle: dpa/Hendrik SchmidtKombi-Modelle im Kostenrechner
Wie teuer ist im Betrieb ein VW Passat (42.930 Euro) im Vergleich zum Elektromodell ID.7 (54.505 Euro)? Ausgegangen sind wir von 10.000 Kilometern pro Jahr und davon, dass zu 50 Prozent zuhause geladen wird.
Das Ergebnis: Hier rentierte sich das Elektroauto nach 148.000 Kilometern bzw. erst nach 14,8 Jahren. Über 15 Jahre würden gerade mal 175 Euro gespart.
So schneiden SUV ab
Wie schneidet ein BMW X3 (60.300 Euro) im Vergleich zur Elektroversion iX3 (63.400 Euro) ab? In dem Fall haben wir mit 25.000 Kilometern pro Jahr gerechnet und damit, dass zu 75 Prozent an öffentlichen Säulen geladen wird.
Das Ergebnis: Beim Vergleich würde sich das Elektroauto bei den gewählten Angaben nach 40.000 Kilometern bzw. bereits nach 1,6 Jahren rentieren. Über 15 Jahre würden so hypothetisch 25.593 Euro gespart.
Der BMW iX3 schlägt sein Verbrenner-Pendant im Kostenvergleich nach einigen Jahren.
Bildquelle: dpa/Sven HoppeAllerdings käme man dann insgesamt auf eine Strecke von 375.000 Kilometern. Viele Hersteller gewähren aber lediglich eine Akku-Garantie für acht Betriebsjahre oder 160.000 Kilometer - also, dass Akkus dann noch mindestens 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität haben. Elektromobilität NRW weist aber darauf hin, dass die Lebensdauer der Batterie in der Regel über der Lebensdauer des Fahrzeuges liege. Dennoch könnten bei einem Akku-Problem auf lange Sicht weitere Kosten hinzukommen.
Und wie sich der Strompreis in den kommenden 15 Jahren entwickelt, lässt sich natürlich heute nicht seriös sagen. Auch bei Verbrennern ist die künftige Entwicklung des Spritpreises nicht bekannt. Sollte dieser weiter spürbar ansteigen, könnten sich E-Autos zum Beispiel schon früher rentieren.
Sind gebrauchte E-Autos eine Alternative?
Die Bundesregierung hat mittlerweile eine sozial gestaffelte E-Auto-Förderung beschlossen. Das hält der Sozialverband VdK grundsätzlich für einen richtigen Schritt. "Aber bei der Umsetzung müssen wir darauf achten, dass sie auch bei Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ankommt", teilte Verbands-Präsidentin Verena Bentele dem WDR mit.
Menschen mit kleinen Einkommen seien von hohen Energiepreisen besonders betroffen, hätten aber gleichzeitig oft die geringsten finanziellen Möglichkeiten, in klimafreundliche Technik zu investieren, betont der Sozialverband Deutschland (SoVD) auf WDR-Anfrage. Auch wenn sich ein E-Auto über Jahre durchaus rechne, helfe dies "einer Familie mit wenig Geld zunächst einmal wenig, wenn sie schon den Anschaffungspreis nicht finanzieren kann".
Wenn sich die Förderung im Wesentlichen auf Neuwagen konzentriere, erreiche man viele Menschen gar nicht. Deshalb sollte die Förderung auf Gebrauchtwagen ausgeweitet werden, findet der VdK. Gebrauchte Elektroautos versprechen, deutlich günstiger zu sein als Neuwagen. Nach ADAC-Angaben sind auf den bekanntesten Gebrauchtwagenbörsen zunehmend auch E-Autos mit guten Reichweiten und brauchbaren Ladezeiten im Angebot.
Aber stimmt da auch die Qualität? Laut ADAC spricht grundsätzlich nichts dagegen, sich ein gebrauchtes E-Auto zuzulegen. Es gebe allerdings eine Besonderheit mit Blick auf die Antriebsbatterie. Die sei beim E-Auto nämlich das teuerste Bauteil. Wer einen Kauf plant, sollte also den Akku vorher prüfen lassen. Der ADAC in NRW bietet hierfür einen Check an.
So könnte eine finanzielle Entlastung aussehen
Weil viele Menschen aktuell gar nicht die Möglichkeit haben, sich ein neues Auto anzuschaffen, werden gerade die Rufe nach Entlastung lauter. So spricht sich der SoVD für einen Spritpreisdeckel aus, "weil er in der aktuellen Situation weitere Preissprünge unmittelbar begrenzen kann".
Das sei vor allem für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen wichtig, die im Alltag auf das Auto angewiesen seien, weil sie zur Arbeit fahren müssten oder weil es gerade im ländlichen Raum häufig keine verlässliche Alternative gebe.
"Entscheidend ist für uns bei allen Maßnahmen, dass nicht erneut Milliarden nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Entlastung muss dort ankommen, wo die nächste Stromrechnung, die Heizkosten oder der Weg zur Arbeit inzwischen zu einer echten finanziellen Belastung geworden sind." Sozialverband Deutschland
Preisdeckel, Direktzahlungen oder Stromsteuer
Den Preisdeckel betrachtet der SoVD aber ausdrücklich nur als ersten Schritt, heißt es auf WDR-Anfrage - und nicht als Ersatz für eine zielgerichtete Entlastungspolitik. Kurzfristig halte man Direktzahlungen an Menschen mit kleinen Einkommen für einen der sinnvollsten Wege. Außerdem sollte die Bundesregierung die Stromsteuer für private Haushalte senken. Ähnlich äußert sich auch der VdK.
Beide Sozialverbände setzen außerdem auf einen öffentlichen Nahverkehr, der für alle Menschen erschwinglich ist. So fordert der SoVD etwa ein bundesweit verfügbares Sozialticket für Menschen mit geringem Einkommen.
Unsere Quellen:
- WDR-Beispielrechnungen mit dem Kostenrechner des Portals Elektromobilität NRW
- Informationen des ADAC
- WDR-Anfragen bei VDK und SoVD
- Material der Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Hohe Spritpreise: Wann lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto?, 17.09.2026, 05:30 Uhr

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