35-jähriges Jubiläum: Geisterzug zieht durch Köln | Video
00:34 Min.. Verfügbar bis 08.02.2028.
Erich Hermans führt den Zug wie jedes Jahr an. Verkleidet ist er dabei als Ähzebär und er trägt ein selbst gebautes Instrument mit sich - einen "Rummelpot". Wenn er ihn spielt, ertönt ein pfeifendes Geräusch.
Erich Hermans als Ähzebär mit "Rummelpot"
Hermans ist von der ersten Stunde an dabei. 1991 überzeugt er das Kölner Friedensplenum, anstatt des abgesagten Rosenmontagszuges eine Anti-Golfkrieg-Demo durchzuführen - der Startschuss für den Geisterzug. Zwei Jahre später gründet er den Verein "Ähzebär un Ko e.V.".
"Manche Demonstrationen sind sonst schon mal sehr ernst. Wir möchten ein bisschen was karnevalistisches dabei haben." Erich Hermans, Vorsitzender des Vereins "Ähzebär un Ko e.V."
Beim Geisterzug kann jeder einfach mitmachen, sagt Hermans. Wichtig sei nur, dass die Leute sich ein politisches Thema suchen, demonstrieren und gleichzeitig feiern. "Die Leute sollen Spaß dabei haben, auch wenn sie sich politisch äußern", so Hermans - "das ist was Besonderes bei uns."
Protest gegen die Wohnungspolitik: "Mer könne nit all em Dom schlofe"
In diesem Jahr ist das politische Motto des Geisterzugs: "Allerhühste Zick för en andere Wunnungspolitik - mer könne nit all em Dom schlofe". Erich Hermans sagt, dass das mit der Wohnungspolitik in der Stadt wirklich ein großes Problem sei. "Da möchten wir darauf hinweisen und das vielen Leuten wieder in Erinnerung rufen."
Viele haben das Motto in ihre Kostüme integriert
Viele Teilnehmenden haben das Motto in ihr Kostüm integriert - die einen tragen Häuser als Kopfschmuck, einer ist als "Miethai" verkleidet, andere haben Plakate an ihren Kostümen befestigt mit Aufschriften wie "Mieterhöhung" oder "Kauf doch - Loll".
Schnappviecher und Riesenkrake
Die "Schnappviecher" beim Geisterzug
Viele Kostüme sind sehr aufwendig und kreativ. So zum Beispiel die "Schnappviecher" - große Figuren von Tierfabelwesen, die eine kleine Gruppe im Geisterzug mit sich trägt. Mit ihren Mäulern, in die zum Teil Schellen integriert sind, können sie klappern. Zusammen mit vielen Trommlern sorgen sie auch akustisch für Stimmung.
Die Gruppe habe sich im Freundeskreis und in der Nachbarschaft zusammengefunden, erzählt eine Teilnehmerin. Die Kostüme sind alle selbst gebastelt - dafür organisierten sie sogar Workshops in der Nachbarschaft.
"Mit Karneval haben wir nicht viel am Hut, aber der Geisterzug ist ja was ganz anderes." Zugteilnehmerin aus der Gruppe der "Schnappviecher"
Krake aus Kunststoffmüll
An anderer Stelle thront über dem Geisterzug eine große transparente Krake - ihre Arme setzen sich aus Plastikflaschen zusammen und die Verschlüsse der Flaschen sind als Saugnäpfe angebracht. In der Gruppe "Zero Waste Köln", von der die Krake getragen wird, sind auch Pia und Jess mit dabei. Jess erzählt, dass die Idee für die Krake in ihrer damaligen Wohngemeinschaft entstanden ist.
Inzwischen sind sie seit sieben Jahren beim Geisterzug mit dabei. "Die Stimmung ist schön. Die Musik ist schön. Die Leute tanzen, die Leute freuen sich, die Leute feiern. Das macht einfach super viel Spaß", sagt Jess. Schön finden sie am Geisterzug auch, dass er nicht so müllintensiv ist - denn hier werden keine Kamelle geworfen. Und noch ein Pluspunkt: Der Geisterzug wächst mit jedem Meter, weil Leute dazu kommen, selber Musik machen und tanzen. "Das ist sehr lebendig. Ich liebe das, wie sich das so zusammensetzt", sagt Jess.
Kölner Geisterzug feiert 35-jähriges Jubiläum: Die schönsten Bilder
Mehrere Tausend Menschen waren am Samstag dabei und haben gefeiert - die schönsten Eindrücke in unserer Bilderstrecke.
Sambagruppen machen Party: "Komm, wir warten auf die Musik"
Für viel Stimmung sorgen beim Geisterzug auch die zahlreichen Samba-Gruppen. Zum Teil kommen sie kaum voran, weil Menschen um die Gruppen herumtanzen. Andere bleiben einfach auf dem Zugweg stehen und warten auf die Samba-Gruppen, bevor sie weitergehen. "Komm, wir warten auf die Musik", hört man mehrfach aus der Menge.
Familie mach am Geisterzug Musik
Doch nicht nur die Samba-Gruppen machen Musik - überall im Zug und um den Zug herum sind Menschen, die gemeinsam musizieren. Am Rand des Zugwegs steht eine Familie zusammen - alle tragen leuchtende Kostüme und jeder spielt ein Instrument. "Das machen wir jedes Jahr immer wieder gerne", erzählen sie. "Wir sind einfach eine Familie, die gerne Musik zusammen macht."
35 Jahre Geisterzug: Jubiläumsfeier im Odonien
Jubiläumsfeier im Odonien
Der Geisterzug ist auch heute noch eine Demonstration, daher endet er normalerweise mit einer Kundgebung, erklärt Erich Hermans. Doch nicht in diesem Jahr. In diesem Jahr endet er mit einer Jubiläumsfeier im Odonien in Köln. Hier feiern die Geister dann weiter - in mystischer Atmosphäre. Abstrakte Kunstwerke, dezent und doch farbenfroh beleuchtet, Nebelschwaden, zahlreiche Feuertonnen und dazwischen eine Bühne. Nach ein paar kurzen Jubiläumsreden spielt hier die Band "Kapelle 3" Kölsche Lieder.
"Da feiern wir uns selbst und die 35 Jahre, die wir schon hinter uns gebracht haben." Erich Hermans
Samar und Pia von der Samba-Gruppe "Katakichi Cologne"
Auch nach dem Bühnenprogramm wird noch ausgiebig weiter gefeiert und getanzt - zur Musik der Samba-Gruppen, die in verschiedenen Bereichen des Geländes spielten. So auch Samar und Pia von der Samba-Gruppe "Katakichi Cologne". Was ist für die beiden das Besondere am Geisterzug? "Die Atmosphäre", sagt Samar. "Dass er im Dunklen geht und dann die Lichter überall im Zug." Dass hier jeder mitgehen kann, sei auch etwas ganz Besonderes, sagt Pia. "Das ist jedes Jahr etwas anderes. Weil man ja nicht weiß, wer kommt und was die Leute machen".
Unsere Quellen:
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
- Interview mit Erich Hermans, Vorsitzender des Vereins "Ähzebär un Ko e.V."
Sendung: WDR.de, Geisterzug - Interview mit Erich Hermans, 07.02.2026, 17:15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 08.02.2026, 16:00 Uhr
