Pat Kako Palms will die erste queere Karnevalsprinzessin werden
Bildquelle: Merle Giebeler/WDRWDR. 2 Min. 37 Sek.. Verfügbar bis 14.09.2028.
Pat Kako Palms Augen glitzern, als sie an sich herunterschaut. Gerade hat sie sich ein langes, weißes Hochzeitskleid übergestreift und einen Schleier ins Haar gesteckt. Sie trägt elegante Sandalen in sanftem Rosé. Nur eine Schärpe und ein sonderbares Zepter in ihrer Hand deuten darauf hin, dass dieses Outfit ein Karnevalskostüm ist. "Ich fühle mich wirklich wie eine Prinzessin", sagt sie leise.
Eigenes queeres Damenkomitee gegründet
Palm ist 37 und lebt seit zwei Jahren - seit sie ihre Hormontherapie begonnen hat - als Frau. Die Bonnerin ist schon immer Karnevalsfan. Mit den "Bunten Beueler Möhnen" hat sie jetzt, gemeinsam mit sieben weiteren Frauen, ihr eigenes Damenkomitee gegründet.
"Ich wollte schon als kleiner Junge unbedingt Prinzessin werden. Nun, da ich jetzt eine Frau bin, erfülle ich mir damit meinen Herzenswunsch." Pat Kako Palm
Ihr Zepter, ein Kochlöffel in Herzform, steht für die Herrschaft der Frau. Daran festgebunden hat sie zwei abgeschnittene Krawatten - als Zeugnis ihrer Vergangenheit als Mann. Am 28. November findet am Mirecourt-Platz am Beueler Rheinufer ihre Proklamation statt. Dann wird aus der Präsidentin die "Dreckspänzprinzessin". Dreckspänz, so sei sie als Kind im Kinderheim oft beleidigt worden, erzählt sie. Jetzt wolle sie daraus etwas Positives machen.
Das Ornat der designierten Prinzessin: ein altes Brautkleid
Bildquelle: Merle Giebeler/WDRWarum ein queeres Damenkomitee?
Die "Bunten Beueler Möhnen" sind offen für Lesben, Transfrauen und alle, die sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, erklärt Palm. Das Komitee solle die Beueler Karnevalslandschaft ergänzen: "Wir wollen uns nicht isolieren, sondern gerne mit anderen Karnevalsgesellschaften in Verbindung treten."
Palm war zuvor Mitglied in einem anderen Damenkomitee. "Ich fühlte mich dort von den Menschen her gut aufgehoben, aber als Transfrau eben nicht. Weil viele mich eben noch als Mann angesehen haben und nicht als Frau. Das hat mir sehr zugesetzt." Mit ihrem Komitee wolle sie einen Platz schaffen im Karneval, an dem sich queere Menschen nicht verstellen müssen.
Diversität im rheinischen Karneval
Dem Karneval im Rheinland haftet der konservative Ruf an. Während er in Köln männerdominiert ist und Damengesellschaften erst seit den 1990er-Jahren Aufwind bekamen, gibt es in Bonn bereits seit 1824 das "Alte Beueler Damenkomitee", das bis heute die Wäscherprinzessin stellt.
Queere Karnevalsgesellschaften gibt es wenige. Der nach eigenen Angaben größte schwul-lesbische Karevalsverein Deutschlands ist die Düsseldorfer "KG Regenbogen". Im Kölner Karneval gibt es queere Veranstaltungen wie die "Röschensitzung" und Partys etwa im sogenannten Bermuda-Dreieck. 2025 war das Kölner Dreigestirn erstmals bekennend homosexuell. In Mönchengladbach gab es 2020 erstmals ein schwules Prinzenpaar.
"Es wird dauern, bis wir dort angekommen sind, wo wir wollen."
Pat Kako Palm möchte nun die erste Trans-Karnevalsprinzessin werden. Sie geht davon aus, dass es viel Zeit brauchen wird, bis ihr Komitee in der Gesellschaft der Karnevalsvereine in Bonn-Beuel akzeptiert wird. "Es wird dauern, bis wir dort angekommen sind, wo wir wollen."
Auch, gleich eine eigene Prinzessin zu stellen, ist eher ungewöhnlich. Palm wünscht sich, dass sie und ihre Möhnen als Ergänzung wahrgenommen werden neben den traditionellen Beueler Vereinen mit Wäscherprinzessin und LiKüRa-Prinzessin.
Unsere Quellen:
- Gespräch Pat Kako Palm
- Duesseldorf Queer
- KG Regenbogen
- WDR Archiv
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 11.09.2026, 19:30 Uhr