EU-Verordnung: Sikawild in südwestfälischen Tierparks muss sterben
03:59 Min.. Verfügbar bis 12.03.2028.
EU-Verordnung: Sikawild in südwestfälischen Tierparks muss sterben
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Eine neue EU-Verordnung listet seit Kurzem Sikawild als sogenannte "invasive Art" auf. Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren müssen die Tiere in Haltung getötet werden. Das betrifft allein in Südwestfalen elf landwirtschaftliche Sika-Haltungen und drei Wildparks.
Ob im Panoramapark Sauerland, im Wildpark im Warsteiner Bielsteintal oder dem in Völlinghausen am Möhnesee: Die Sika-Hirsche und -Hirschkühe sind für viele Besucher eine Attraktion.
Doch sie stammen aus Japan und sie könnten heimische Arten verdrängen, fürchtet die EU, und bezieht sich dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Deshalb wurde das Sikawild auf die Liste der invasiven Arten gesetzt – so wie beispielsweise auch die Nilgans oder der Riesenbärenklau.
"Im Arnsberger Wald gibt es die deutschlandweit größte Population von Sikawild." Carsten Arndt, Regionalforstamt Arnsberger Wald
Etwa 4.000 Tiere leben im Arnsberger Wald - angemessen für die Flächen am Möhnesee wären aber nur 500, sagt Carsten Arndt. Die Folgen der hohen Sikawild-Population sieht man an vielen Stellen, zum Beispiel abgebissene junge Bäume. Nur dort, wo Zäune die jungen Schonungen schützen, können Bäume gut wachsen.
Zaun im Wildpark Völlinghausen soll vor Ausbrüchen schützen.
Ein Management der freilebenden Sikawild-Population soll die invasive Art reduzieren – wie, ist aber noch unklar. Klar dagegen scheint zu sein, dass Sikawild in Gehegen bis August 2027 getötet werden soll. Danach ist eine Haltung oder Züchtung nicht mehr erlaubt, besagt die EU-Verordnung über gebietsfremde Arten.
EU fürchtet Ausbrüche des Sikawilds aus den Gehegen
Begründet wird das Verbot der Haltung von der EU mit der Sorge, die Tiere könnten ausbrechen und sich mit dem heimischen Rotwild Paaren. Es könnte zu einer Durchmischung kommen.
Paul James (l.) und seine Vorstandskollegen kritisieren das Haltungsverbot von Sikawild
Im Wildpark Völlinghausen am Möhnesee leben seit Jahrzehnten Sikawild und Rotwild in einem gemeinsamen Gehege. "Bei uns ist es in all den Jahren noch nie zu einer Durchmischung gekommen", sagt Paul James vom Wildpark. Und Ausbrüche? "Wir haben das gesamte Gelände mit einem massiven, ausbruchsicheren Zaun umgeben."
Europaabgeordneter will sich für Ausnahmeregelung einsetzen
Früher, vor fast hundert Jahren, ist allerdings Sikawild aus einem Gatter am Möhnesee ausgebrochen – das war der Grundstein für die heute so große Population. Und auch aus Bayern wurde kürzlich ein Ausbruch von drei Tieren aus einer Haltung gemeldet.
Europaabgeordneter Peter Liese (CDU) ist gegen das Haltungsverbot von Sikawild
Dennoch ist das Haltungsverbot aus Sicht von Peter Liese nicht richtig. Der Mescheder ist CDU-Europaabgeordneter, umweltpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion in Brüssel. "Ich halte es für unverhältnismäßig, die Tiere in den Gehegen jetzt von heute an in weniger als zwei Jahren komplett zu erschießen", sagt er. Er hat deshalb Briefe an NRW-Landwirtschaftsministerin Gorißen geschrieben, an den SPD-Umweltminister Schneider und die EU-Kommission.
Ziel sind pragmatische Ausnahmeregelungen
Im Wildpark Völlinghausen ist das Sikawild eine Besucher-Attraktion.
Sein Ziel: pragmatische Ausnahmeregelungen für die Haltungen, beispielsweise mit strengen Vorschriften für ausbruchsichere Zäune. Eine Unterscheidung zwischen freilebenden Sikatieren und solchen in Haltungen würden sich auch die Verantwortlichen des Wildparks Völlinghausen wünschen. Damit ihre Tiere zumindest hier eine Zukunft haben.
Unsere Quellen:
- Webseiten der Europäischen Kommission
- Wildpark Völlinghausen
- Regionalforstamt Arnsberger Wald
- EU-Abgeordneter Peter Liese
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 13.03.2026, 6.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 12.03.2026,19.30 Uhr
