Drei Männer graben in einem Garten nach Knochen. Zwei von ihnen sieben die Erde.

In einem Garten in Solingen wurden Knochenfragmente von Susanne S. gefunden

Fund 2019: Wie gelangten die Knochen einer Vermissten nach Solingen?

Stand:

Mit 25 Jahren verschwindet Susanne S. aus Hamburg. Jahrzehnte später werden Knochenfragmente von ihr in Solingen gefunden. Was geschah mit der jungen Hamburgerin? Und wie kamen ihre Knochen nach NRW? Über einen Vermisstenfall, in dem noch viele Fragen offen sind.

Von Tobias Lickes
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Der Knochenfund

Solingen-Wald, 2019: Im kleinen Garten hinter einem Mehrfamilienhaus widmet sich ein Anwohner der Gartenarbeit. Das Laub muss zusammengerecht werden. Dabei entdeckt der Mann etwas Weißes zwischen den Blättern und dem Gras auf dem Boden liegen. Für einen Ast ist es zu hell. Er zieht es heraus und betrachtet es. Das Fundstück ist mehrere Zentimeter groß, weiß und wiegt nur ein paar Gramm. Ist das ein Tierknochen? Vielleicht von einem hier vergrabenen Hund? Dafür ist das Stück eigentlich zu groß, denkt er sich und beschließt, seinen Fund bei der Polizeidienststelle in Solingen abzugeben.

Die Beamten untersuchen das Fundstück ausgiebig. Auch sie können es nicht eindeutig identifizieren. Sie vermuten, dass es sich um einen menschlichen Knochen handeln könnte. Die Beamten schicken das Fragment zur Rechtsmedizin nach Düsseldorf. Dort gelingt es den Experten, trotz der langen Liegezeit und der witterungsbedingten Schäden, ein DNA-Profil zu erstellen.

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Somit ist klar: Der Mann hat im Garten des Mehrfamilienhauses tatsächlich ein Stück von einem Menschenknochen gefunden. Die weitere Analyse der Experten ergibt, dass es sich um ein kleines Stück eines Oberschenkelknochens einer Frau handelt. Das DNA-Profil, der genetische Fingerabdruck des Knochens, kann zu diesem Zeitpunkt aber noch keinem Vermisstenfall zugeordnet werden.

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Der Fall Susanne S.

Hamburg, 1990: Susanne S. ist 25 Jahre alt, als sie plötzlich verschwindet. Aktuell gelten in Deutschland fast 10.000 Menschen als vermisst. In dieser Statistik des Bundeskriminalamts werden sowohl Langzeit- als auch Kurzzeit-Vermisstenfälle aufgenommen. Das erklärt die hohe Zahl der Vermissten. Die meisten tauchen innerhalb von wenigen Stunden oder spätestens nach ein paar Tagen wieder auf. Susanne S. gehört zu den drei Prozent der Vermissten in Deutschland, die länger als ein Jahr verschwunden sind. Ihr Fall ist extrem: Erst nach 33 Jahren findet sich eine heiße Spur zu dem Fall.

Als Susanne S. 1990 als vermisst gemeldet wurde, haben die Ermittler noch nicht standardmäßig DNA-Proben Verwandter entnommen. 2022 holt das die Polizei Hamburg im Fall Susanne S. nach. Die Mutter der Vermissten gibt erstmals eine Probe ab. Nachdem daraus ein DNA-Profil erstellt wird, gibt es 2023 eine Übereinstimmung. Andreas Reuter von der Polizei Wuppertal erinnert sich noch genau an diesen Moment: "Das ist das, was die Ermittlerinnen und Ermittler natürlich haben wollen, insbesondere bei so einem Langzeitvermisstenfall - dass es dann endlich einen Treffer gibt, um dann Anhaltspunkte zu weiterer Ermittlungsarbeit zu haben."

Nahaufnahme von Andreas Reuter in Polizeiuniform. Er lächelt.

Andreas Reuter, Sprecher der Polizei Wuppertal

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Warum Solingen?

Nach diesem Treffer entscheidet die Kriminalpolizei Wuppertal, dass der Garten in der Heresbachstraße in Solingen noch einmal untersucht werden soll. Und tatsächlich: Die Beamten finden im Juni 2023 noch weitere Knochenfragmente, die Susanne S. zugeordnet werden können. Einen Leichnam finden sie nicht.

Der Fall Susanne S. wird weiterhin als Vermisstenfall geführt, trotz des Knochenfunds, erklärt Andreas Reuter von der Polizei Wuppertal: "Trotz der vielen Hinweise, die wir bearbeiten konnten, hatten wir nicht den einen Hinweis dabei, der uns zu dem Schluss kommen lässt, es handelt sich um eine Straftat oder gar um ein Kapitalverbrechen." Ohne diesen Hinweis könnten die Ermittler aktuell nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich um eine Straftat handelt.

Bis heute sind in diesem Cold Case aus Solingen viele Fragen offen. Vor allem stellt sich die Frage, wie die Knochenstücke von Susanne S. von Hamburg in den Garten in Solingen gelangen konnten. Die Wuppertaler Polizei hat dazu nur eine Theorie. Möglicherweise seien die Knochenfragmente in angelieferter Friedhofserde nach Solingen gelangt, so Reuter. Bewiesen ist dies jedoch nicht.

Hinweise zum Cold Case Susanne S.

Die Polizei Wuppertal bittet Zeuginnen und Zeugen, die trotz der langen Zeit noch etwas zu diesem Fall beitragen könnten, sich zu melden:

  • Telefon: 0202-2840
  • E-Mail: poststelle.wuppertal@polizei.nrw.de

Dieser Beitrag liefert Informationen zum YouTube-Film von WDR Lokalzeit MordOrte "Spur führt zu vermisster Frau aus Hamburg" vom 01.12.2025, 17.00 Uhr.

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